Historischer Verein Wegberg e.V.
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Panorama Wegberg mit Burg, Forum, Wegberger Mühle, Rathaus und Pfarrkirche

Überlegungen zu einem neuen Digital-Projekt unter dem Arbeitstitel:
"Berker Notizen"
Mit dieser neuen Rubrik wollen wir versuchen, an unsere Publikationsreihen "Berker Bote" und "Berker Hefte" anzuknüpfen und diese digital fortzusetzen. Wir können und sollten die derzeitigen Einschränkungen gemeinsam produktiv nutzen.

Unsere Erfahrung zeigt, dass es bei vielen Heimatforschern und Ortskundigen reichlich Material in den Schubladen und Ordnern zu finden gibt und stellen diese Rubrik für eine digitale Sammlung Ihrer Beiträge zur Verfügung.

Neuzugänge Juni 2021
Neue Glocken in Beeck, Holtum und Kipshoven

Am 10. Juni 1951 wurden die Glocken feierlich geweiht, in den folgenden Tagen hochgezogen, um am 14. Juni 1951 zu ersten Mal geläutet zu Werden - zunächst per Hand.

Der folgende Bericht von Hedwig Klein wurde bereits im Pfarrbrief Juni 2021, S. 13 veröffentlicht. Er stützt sich auf einen Artikel von Walter Symes, anlässlich des Jubiläums "525 Jahre St. Sebastianus Schützenbruderschaft e.V. Beeck aus dem Jahre 1988.
9. Juni 1951: die Glocken werden mit LKW gebracht
10. Juni 1951: Die Glocken werden geweiht

Von Hedwig Klein

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg hatte man in Beeck den Plan gefasst, weitere Glocken für die damalige Pfarrkirche und auch für die beiden Kapellen Holtum und Kipshoven anzuschaffen.

Weil die Kapellen im Krieg  - bis auf einige Fensterschäden  -weitestgehend unversehrt geblieben waren  und auch der hohe Kirchturm in Beeck nicht zerstört worden war, wurde aus Dankbarkeit dieser Gedanke 1947 wieder aufgegriffen und mit der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher / Westf. über die Anschaffung  der Glocken erfolgreich verhandelt. Der damalige Beecker Pfarrer Plum war der „Motor“ dieser Bemühungen. Innerhalb von 14 Tagen sammelte er bei einem Rundgang durch alle Dörfer, die der Pfarre Beeck angehörten, 100.000 RM.

Wegen der nahenden Währungsreform wurde das Vorhaben zunächst noch einmal verschoben. Im April 1951 wurden vier neue Stahlglocken für Beeck, zwei neue Stahlglocken für Holtum und eine neue Stahlglocke für Kipshoven angeschafft.

Am 9.6.1951 wurden die Glocken mit einem Lastwagen bei der Gießerei abgeholt und in feierlicher Prozession von Kipshoven zum Beecker Kirchplatz gebracht. Einen Tag später, am 10. Juni 1951, wurden sie im Beisein zahlreicher Pfarrangehörigen im Auftrag des Bischofs von Domkapitular Ruppertzhoven feierlich geweiht, in den folgenden Tagen hochgezogen, um am 14. Juni 1951 zum ersten Mal geläutet - zunächst per Hand. Sehr schnell war das notwendige Geld für eine Läutemaschine auch zusammen.

Bis heute sind die Beecker sehr stolz auf ihre Glocken.

Neuzugänge Mai 2021

03.05.2021 - Nachtrag

Schnelle Reaktion aus Niederkrüchten: Leo Gerigk teilt mit, das es eine weitere Bügelbahn in Lüttelforst gibt, die vom Verein Apollo 11 Lüttelforst e.V. betrieben wird.

Die Bügelbahn in Lüttelforst, Foto: Leo Gerigk

02.05.2021 - Die Sonntagsfrage: "Wie ansteckend ist das neue "Bügel-Virus"?"

Offensichtlich infiziert durch das Video "Das Bügelspiel", das ab am 27. April im 'Heim@kino' zu sehen ist, hat sich eine Reihe von Mitgliedern und ortsgeschichtlich interessierten Bürgern gemeldet, um das Thema "Bügeln" mit ihren Ergänzungen aus dem Wegberger Raum mit Leben zu füllen.

Dies war zunächst Vorstandsmitglied Klaus Bürger, der sich wieder an seinen Artikel im 'Berker Boten' Nr 15 erinnerte, gefolgt von Hans und Marita Langerbeins, die auf den Artikel im Heimatkalender 1982 hinwiesen. Dietmar Schmitz schickte ein Foto von der Bügelbahn in Leloh und wies auf die rege Nutzung hin. Klara Schlömer konnte ergänzen, dass es nicht nur in Leloh, sondern auch im benachbarten Fischeln eine Bügelbahn gäbe.
Herzlichen Dank auch an Helmut Beurskens vom "Bügel-Club Dorenburg e.V.", der in einem längeren Telefonat viele Hinweise beisteuerte.

Jan Steen ist für seine erzählfreudige Genremalerei berühmt, in der er Müßiggang und Laster mit einem freundlichen Augenzwinkern schildert. Überaus aufnahmefähig, verarbeitete er die verschiedensten zeitgenössischen Vorbilder wie die Gebrüder Ostade und Gerard ter Borch und bezog sich auch auf die ältere Kunst Italiens (Raffael) und der Niederlande (Pieter Bruegel).
Farbenfroher und stimmungsvoller als es eine moderne Fabfotografie vermag, hat um 1650 der niederländische Maler Jan Steen das Bügelspiel in Skizze gesetzt.
Beachten Sie auch die ursprüngliche Ringform des Bügels. Dieser wurde mit einem angeschmiedetem Keil entweder in den Boden oder in einen Eichenholz-Klotz getrieben.

Das Bügelspiel – eine alte Erwachsenenlustbarkeit
Von Klaus Bürger
(Originaltext aus ‚Berker Bote‘ Nr. 15, S. 401-403 aus dem Jahre 2001)

Das Bügeln ist ein altes Spiel, welches in unserer Zeit immer mehr in Vergessenheit gerät. In meiner Jugend gab es noch eine Bügelbahn in Leloh und unsere älteren Vereinsmitglieder können sich sicherlich noch an die Bahn bei der Gastwirtschaft Schruff in Niederkrüchten und die in Watern auf dem Hof des Geschäftes Oellers (aktuelle Anm. d. Verf.: auf dem heutigen Kinderspielplatz) am Klompenberg erinnern. Eine der ältesten Bügelbahnen in unserer Umgebung hatte die (Anm.: damalige) Gaststätte Görtz (Maanese Berb) in Klinkum, ...

Gebügelt wurde meist im Freien auf einer Bahn mit einer Abmessung von ca. 5m x 10m unter einem offenen Schuppen oder dem Laubdach alter Obstbäume. Urkundlich fand das Spiel schon im Jahre 1331 in der Historia Leodienensis, der Geschichte der Stadt Lüttich, Erwähnung und es wird auf vielen Stichen, Zeichnungen und Gemälden alter Meister abgebildet. Sogar auf dem Altarbild des Kempener Hochaltars der Probsteikirche aus dem Jahre 1513 sind Putten beim Bügelspiel.

Anm.: Das originale Foto aus dem Artikel wurde durch ein Farbfoto des Bügel-Clubs Dorenburg e.V. bei der Bügelmeisterschaft 2013 ersetzt.

Auch sieht man deutlich, dass es sich bei dem Bügel um eine Ringform handelt.

Das Bügeln war in der Vergangenheit über ganz Europa, mit Schwerpunkten in den südlichen Niederlanden, in Südlimburg und im Land zwischen Maas und Rhein, verbreitet. Während es heute im hiesigen deutschen Gebiet nur noch einige wenige Bahnen in Viersen, Grefrath, Mönchengladbach, Willich und Nettetal gibt, sind auf der niederländischen Seite im benachbarten Limburg noch über 20 Bahnen erhalten, die auch regelmäßig bespielt werden.

Zum Spiel gehören die Bahn, das Geschirr und 2 bis 4 Spieler. Ziel des Spiels ist, dass ein Spieler oder ein Spielerpaar eine vorher festgelegte Punktzahl, meist 30 Punkte, erreicht. Die o. e. Bahn besteht aus festgestampftem Lehm, bestreut mit grobkörnigem Sand, damit die Kugeln besser rollen. An der Längsseite und am Kopfende ist eine 70 cm hohe hölzerne Umrandung. Die offene Seite wird durch eine Rinne begrenzt. Etwa 2,5 Meter vom Kopfende ist der wichtige Bügel (28 cm ) im Boden verankert, der dem Spiel den Namen verdankt. Jeder Spieler hat ein Geschirr, d. h. eine Kugel (18 cm ) und eine Schüppe, auch Schläger genannt, mit dem gespielt wird.


Anm.: Wie zuvor wurde das originale Handskizze von Klaus Bürger durch eine Zeichnung des Bügel-Clubs Dorenburg e.V. ersetzt.

Nacheinander schlagen oder stoßen die Spieler ihre Kugel mit der Schüppe und haben das Ziel vor Augen, die eigene Kugel durch den Bügel zu treiben, die gegnerische Kugel durch Kollision in die Rinne zu befördern oder in eine schlechtere Ausgangslage zu bringen. Beim ersten Schlag muss der Spieler mit einem Fuß in der Rinne und mit dem anderen Fuß auf der Bahn stehen. Schlägt man seine Kugel durch den Bügel, so ergibt das 2 Pluspunkte. Gelingt es einem Spieler, die gegnerische Kugel in die Rinne zu stoßen, während die eigene Kugel auf der Bahn bleibt, sind das 2 Minuspunkte auf dessen Punktekonto. Wie beim Billard kann die Umrandung mit ins Spielgeschehen einbezogen werden.

In der früheren Zeit, als es noch nicht so viele Zerstreuungsmöglichkeiten gab, war das Spiel nicht nur für die Spieler, sondern auch für die Zuschauer eine willkommene Abwechslung. Es wäre sicherlich interessant, wenn unsere älteren Vereinsmitglieder einige Anekdoten oder die Atmosphäre beim Bügeln im Вerker Boten“ schildern könnten.

Willy Corsten (mein Onkel) kann sich noch daran erinnern, dass auf der Bügelbahn bei Oellers in Watern in den Abendstunden ein Spieler immer eine 25 Watt Birne dabei hatte. Wenn dann das Spielgeschehen wegen der Dunkelheit nicht mehr zu verfolgen war, hieß es: „Pitter schruf de Bier e´ren“. Das brachte zwar auch nicht viel mehr Helligkeit, aber man konnte wenigstens die Spieler und den Bügel erkennen. Wenn ich da heute an unsere Sportplätze denke, die fast durchgängig mit Flutlicht ausgerüstet sind!

Wer jetzt Spaß am Bügeln bekommen hat und sich ein Bügelspiel ansehen möchte, setzt sich am besten mit dem Freilichtmuseum in Grefrath (Tel.: 02158/91730) in Verbindung. Dort ist eine Bahn, die regelmäßig bespielt und für Zuschauer zugänglich ist.

Literatur:
• Heimatkalender der Erkelenzer Lande 1956
• Broschüre „Durch den Bügel“ Euregio Rhein-Maas-Nord
• Das goldene Zeitalter des Herzogtums Geldern, Katalogteil ISBN 3-921760-35-6


Als zweiten Beitrag hier der Aufsatz von Hans Langerbeins. In dem Auszug aus seinem "Geschichten aus Urgroßvaters Zeiten" (HK 1982: 150-152) schildert er u.a. die Erlebnisse seines Großvaters Johann Langerbeins (*13. Nov. 1826) auf der Bügelbahn in Watern. (Vielen Dank für die Abschrift des Textes!)


Geschichten aus Urgroßvaters Zeiten
Die Bügelbahn
veröffentlicht im Heimatkalender des Kreises Heinsberg 1982
von Hans Langerbeins

Gleich hinter dem Waterner Kinderspielplatz in Richtung Klompenberg liegt das Haus der verstorbenen Witwe Kohlen. In diesem ca. 200 Jahre alten Haus wurde bis ins 20. Jahrhundert hinein eine Gastwirtschaft betrieben. Die Dorfstraße (heute Mühltalweg) war damals noch nicht vorhanden. Ein Weg von Wegberg nach Tüschenbroich führte an dieser Gastwirtschaft vorbei. Viele Tüschenbroicher - Tüschenbroich hatte damals noch keine eigene Kirche - kamen auf ihrem Kirchgang nach Wegberg hier vorbei. Auch Urgroßvater benutzte diesen Weg - zwar aus anderen Gründen - oft. Sein Bruder, der die dort gelegene Gastwirtschaft betrieb, hatte eine Bügelbahn eingerichtet. Diese Bügelbahn hatte es Urgroßvater angetan.

Urgroßvater hatte Besuch bekommen – also war es naheliegend, dass Urgroßvater diese Gelegenheit benutzte, um seinem Gast die Bügelbahn zu zeigen. Konrad, so hieß der Besucher, und Urgroßvater zogen los. Zunächst wurde Konrad über Spiel und Spielregeln belehrt: „Die Bügelbahn ist ca. 4,50 m breit und 6,00 m lang. Der Boden besteht aus festgestampftem Lehm. Die Bahn ist rundum mit Holzbalken eingefasst. Im hinteren Drittel steht unmittelbar über dem Boden ein eiserner Ring von ungefähr 25 cm Durchmesser.  Durch diesen Ring muss mit Hilfe eines besonders geformten Holzschlägers eine 12 bis 15 cm dicke Kugel getrieben werden. Der Schläger - auch Schlägel genannt - ist 60 cm lang und aus leichtem Ulmenholz gefertigt. Er darf beim Spiel nur am oberen Ende angefasst werden.

Es wird einzeln oder in Gruppen gegeneinander gespielt. Gewonnen hat der oder die Gruppe, welche die Kugel mit den wenigsten Schlägen durch den Ring bis an das Ende der Bahn befördert.“

Inzwischen waren Urgroßvater und sein Gast auf der Bügelbahn angekommen. Da es Sonntag war, traf man auch einige Tüschenbroicher, die vom Kirchgang kamen, dort an. Man einigte sich auf ein gemeinsames Spiel – zwei gegen zwei. Gespielt wurde um Pfefferminzschnaps, der 5 Pfennig kostete. Konrad, der Neuling war, sollte bei den ersten Spielen zusehen.
Urgroßvater und sein Partner hatten mit je einem Schlag die Kugel bis ganz in die Nähe des Ringes gebracht. Man brauchte jetzt nur noch die Kugel durch den Ring zu schieben, und sie dann mit einem letzten Schlag an das Ende der Bahn (gleich Ziel) zu bringen. Aber hier ereilte Urgroßvater ein Missgeschick, das spielentscheidend war. Er berührte nämlich mit seinem Schlagstock den Ring. „Gekläppert“ riefen alle. Den Ring berühren war regelwidrig. Urgroßvater und sein Partner hatten die erste Partie verloren. Die beiden nächsten Spiele gewannen sie jedoch mit großem Punktvorsprung.

Konrad, der langsam ungeduldig wurde, durfte jetzt endlich mitspielen.  Obwohl Urgroßvater es nicht zugab, zeigte es sich, dass Konrad ungewöhnlich talentiert war. Jedenfalls verlor er mit Urgroßvater zusammen kein einziges Spiel.
Allmählich wurde es wärmer – die Jacken wurden ausgezogen – das Spiel ging in „Hemdsärmeln“ weiter. Zuschauer, die sich eingefunden hatten, bedachten die einzelnen Aktionen mit sachkundigen Kommentaren.
Die Mittagsglocken klangen von Wegberg herüber. Sie waren das Signal für den Aufbruch. Auch Urgroßvater und Konrad strebten dem heimischen Herd zu. Beide stimmten überein, einen unterhaltsamen Sonntagvormittag verbracht zu haben.

(Joh. Langerbeins starb am 14. November 1896 zu Uevekoven)

Anmerkung:
Diese Bügelbahn wurde bis zum ersten Weltkrieg benutzt.


Weitere Hinweise konnte Helmut Beurskens vom Bügel-Club Dorenburg e.V. in Grefrath beisteuern. Wie er schilderte, wurde der Verein 1985 gegründet. Er selber sei bereits seit 1967 aktiver "Bügeler" und er konnte auch schon einen Sohn mit dem "Bügel-Virus" anstecken. Die Mannschaft aus Grefrath hat es geschafft, den Bügelsport am Niederrhein wieder zu beleben.

Zum damaligen Zeitpunkt gab es nur niederländische Clubs, die heute unter dem Dach des Nederlandse Beugel Bond organisiert sind. Da es keinen deutschen Bügelverband gibt, nimmt der Club seit 1998 auch an der Niederländischen Meisterschaft teil.
Einen weiteren Club gibt es in Willich: BBC Willich von 1979 e.V.

Die Bügelbahn in Leloh, Foto: Dietmar Schmitz

Wir hoffen, dass Sie jetzt vom "Bügel-Virus" (und nur vom diesem) infiziert sind. Wenn Sie noch weitere örtliche Bügelbahnen kennen und über erlebte oder erzählte Geschichten berichten können, so lassen Sie es uns wissen: Am einfachsten per Mail an historischer-verein-wegberg@t-online.de

Neuzugänge April 2021

26.04.2021 - Nachtrag
Bezugnehmend auf die Kneipenbesuche der "Ubier" hat Ulrich Dierkes einige Spekulationen über die Herkunft und Bedeutung des Namens angestellt und bietet folgende Interpretation an (auch in der Befürchtung sich damit eventuell Verachtung zuzuziehen):
Noch nicht geklärt scheint mir die Frage nach der Bedeutung des Namens „Ubier“.
Aus der Bezeichnung "illustere Truppe, die sich in den (damals noch zahlreichen) Kneipen traf“ könnte man vermuten, dass die Schreibung „Ubier“ (im steinernen Original: „UBIER“) eigentlich „U-Bier“ bedeuten müsste.
Aus meiner Ruhrgebiets-Sicht kann das nur ein Kürzel für das Dortmunder „Union-Bier“ gewesen sein, also eine gezielte kleine Provokation der damals hierzulande stark vertretenen Anhänger von altem Bier. Damit wäre dann eine historisch plausible Einordnung geleistet."

23.04.2021
Wie Sie bereits am 16. April auf unserer Seite "Foto des Monats" lesen konnten, war den Damen der Markt-Initiative ein so genannter "Markt-Stein" aufgefallen und sie erkundigten sich nach dem Anlass seiner Aufstellung. Auf unsere "Sonntagsfrage" vom 18. April erhielten wir aufschlussreiche Informationen aus der Wegberger Bevölkerung, von noch lebenden "Ubiern" und deren Unterstützern sowie aus den "gut unterrichteten Kreisen", wie Folkmar Pietsch, damals Redaktionsleiter bei der Rheinischen Post und Thomas Düren vom Stadtarchiv.

Der "Ubier"-Findling in der Wegberger Fußgängerzone. Hier das Foto nochmals - jetzt ohne die "Vernebelung". (Und demnächst hoffentlich ohne Vierbeiner-Spuren.)
Um es gleich vorwegzunehmen: Der Findling ist keine Hinterlassenschaft des germanischen Stammes der Ubier. Zwar verweist Adolf Vollmer in seiner Geschichte der Gemeinde Wegberg (1912) auf die germanische Besiedlung (S. 17ff.): "Die Gegend war Grenzland zwischen den alten germanischen Volksstämmen der Ubier und Tungerer mit den Hauptstädten Colonia Agrippina, dem heutigen Cöln und Tungeren (Tongeren) - Die römischen Ziffern auf dem Findling geben da eine eindeutige Auskunft.

Und wer waren nun die Wegberger Ubier? Wie einige Alt-Berker zu berichten wussten, handelte es sich um eine illustere Truppe, die sich in den (damals noch zahlreichen) Kneipen traf und die "immer für eine Überraschung gut" war, so Folkmar Pietsch 1988 in der Rheinischen Post (vermutlich eine sehr diplomatische Umschreibung) und er schrieb weiter: "Das haben sie schon bei vielen Anlässen bewiesen, und das verdeutlichten sie auch am Samstag, als die neue Fußgängerzone auf der Hauptstraße offiziell ihrer Bestimmung übergeben wurde".

Führendes Mitglied und Sprecher der "Ubier" war Heinz Stepprath, den älteren Wegbergern sicherlich noch als Kinobetreiber bekannt. Mit dabei waren auch unser Mitglied Hans Symes und Hermann Joerißen vom gleichnamigen Beerdigungsinstitut.

Worin die Überraschung bei der Eröffnung der Fußgängerzone bestand, ist im Bericht von Folkmar Pietsch zu lesen: "Jene 'Ubier' kamen mit einer Sackkarre, auf der sich - am Anfang noch verhüllt in weißem Leinen - ein großer Findling befand, den die Ubier der Stadt ... vermachten." Dieses Geschenk an die Stadt sollte ein "sichtbares Danke an Rat und Verwaltung für die geleisteten Sanierungsmaßnahmen sein." wie es in der beigefügten Schenkungs-Urkunde heißt. (Ja, das waren noch Zeiten!)

Heinz Stepprath hatte zur Überreichung des Findlings gereimt:
"Da dieser Tag in die Wegberger Geschichte wird gehen ein,
sollte unser Erinnerungsstück etwas Bleibendes sein.
Ein Findling aus heimischer Scholle echt,
der war uns für diesen Zweck gerade recht.
Und da wir unser Heimat-Platt wollen erhalten,
ließen wir die Inschrift von Meisterhand gestalten."

Die Inschrift auf dem Findling "Loope - Kiike - Jelle - on Vertelle" wäre auch heutzutage ein tolles Motto für den neuen Wegberger Mühlenmarkt.

Kopie der Schenkungs-Urkunde (Stadtarchiv Wegberg) - Das Original wurde in den Finding eingelassen.
Auf der Rückseite sind die Bürger genannt, die durch ihre Spende die Beschriftung des Findlings ermöglichten, darunter auch die Karnevalsgesellschaft "Flöck op".

Ein großer Tag für Wegberg - Ein Freudentag für die Realschule

An dem Tag fand nicht nur die offizielle Übergabe der Fußgängerzone statt. Noch am Samstagmorgen wurde die Realschule in einer Feierstunde in "Städtische Edith-Stein-Realschule Wegberg" benannt. Hierbei enthüllte der damalige Bürgermeister Fritz Jakobs im Foyer eine Gedenktafel, die an die Namensgebung erinnert.
Die Rheinische Post berichtete in mehreren Artikeln. Hier zunächst die beiden Berichte von Folkmar Pietsch. Über die Benennung der Realschule berichten wir später.
Rheinische Post vom 28. November 1988, erster Teil des Berichts von Folkmar Pietsch
Rheinische Post vom 28. November 1988, zweiter Teil des Berichts von Folkmar Pietsch



11. April 2021
Prinz Philip in Wegberg – Redakteur erinnert sich an besonderen Moment
Besondere Erinnerung
Als mir Prinz Philip einst auf die Füße sprang

WEGBERG Der Tod von Prinz Philip bewegt in diesen Tagen viele Menschen. Für den langjährigen Leiter der Lokalredaktion in Erkelenz, Folkmar Pietsch, gibt es eine ganz persönliche Geschichte, die ihn mit dem nun verstorbenen Ehemann der Queen verbindet – und zwar aus dem Jahr 1974.
Prinz Philip im Jahr 1974 ganz links, RP-Redakteur Folkmar Pietsch ganz rechts. Foto: RP-Archiv
Folkmar Pietsch berichtet:
Im Mai 1974 war Prinz Philip auf dem NATO-Flugplatz Wegberg-Wildenrath der Royal Air Force zu Gast. Ich begleitete den Besuch als Reporter. „Für Prinz Philip strahlende Sonne“ titelten wir am 18. Mai. Der Gemahl der britischen Königin steuerte damals selbst den roten Hubschrauber der königlichen Luftflotte nach Wegberg – und er setzte mit „militärischer Pünktlichkeit“ auf, heißt es in meinem Bericht von damals.
Der Aufwand, der für den Besuch von Philip gemacht wurde, war groß. Wir mussten als Journalisten rund zwei Stunden vorher vor Ort sein, in einem Briefing wurde uns dann genau gesagt, wie der Besuch des Prinzen ablaufen würde – und was wir dabei beachten müssen, wo wir stehen sollen, und so weiter. Eine wichtige Regel, die uns mitgegeben wurde: Wir hätten zu jeder Zeit drei Meter Abstand von Seiner Königlichen Hoheit zu halten.
Doch ein nicht geplanter Vorfall sorgte dafür, dass Prinz Philip selbst genau diese Regel nicht einhielt. An einem Übungs-Unterstand kam es dazu, dass ein Harrier-Düsenjet, ein Senkrechtstarter, einen Alarmstart durchführte. Das ist ein sehr lauter Vorgang. Die Motoren brüllten also auf – unser hoher Gast von der Insel schien darauf jedoch nicht vorbereitet. Prinz Philip erschrak deshalb so sehr, dass er nach hinten wegsprang und mir auf die Füße trat – von wegen drei Meter Abstand. Ich habe mir dann natürlich wochenlang die Schuhe nicht geputzt …
Das Foto oben entstand übrigens nach dem königlichen Tritt auf meine Füße – und der Drei-Meter-Abstand zwischen dem Prinzen und mir war wieder gewahrt, wie man sieht.
In meinem Bericht von 1974 ist von dem Vorfall natürlich nichts zu lesen. Dort heißt es lediglich: „Der Sicherheitsbeamte weicht nicht von des Prinzen Seite. Getarnte Harrier-Feldstellung, Wachensysteme, Pioniere mit Arbeitsgeräten – blank geputzt – neben frisch gefällten Bäumen. Mit ohrenbetäubendem Lärm rollt aus der Feldstellung ein Harrier. Gleichzeitig donnert ein anderer Harrier über die Köpfe hinweg: An ihm montierte Kameras halten das Geschehen auf Fotos fest, die schon eine Stunde später in den Händen der Gäste sind.“
Neben Gesprächen mit den Soldaten stand für Philip auch ein Treffen mit dem damaligen Landrat des Kreises Heinsberg, Josef Rick, sowie den Wegberger und Wassenberger Bürgermeistern Karl Fell und Günter Müller auf dem Programm. Dabei half dem Prinzen vermutlich auch, dass er seine Fragen in „exaktem Deutsch“ stellte und sich „höflich für die Antworten“ bedankte, wie ich seine Gespräche mit deutschen Beschäftigten vor Ort beschrieb. Ein schönes Detail zum Schluss: Das Maskottchen „Mr. Bruggen“, ein indischer Zwergziegenbock, trug während des Empfangs der königlichen Hoheit „stolz einen Karnevalsorden“.
Protokolliert von Henning Bulka. Folkmar Pietsch war ab 1969 maßgeblich am Aufbau der Erkelenzer Lokalausgabe der Rheinischen Post beteiligt und deren langjähriger Leiter.

Lesen Sie auch den Artikel „Für Prinz Philip strahlende Sonne“ vom 18. Mai 1974.
Vielen Dank an Herrn Pietsch, dass er uns diesen Bericht zur Verfügung gestellt hat.

Beiträge 2020

Vor 200 Jahren: Vereinigung der Gemeinden in Wegberg

Eine Grenze ohne Schlagbaum zwischen dem geldrischen und jülichschem Wegberg
Von Dietmar Schmitz und Wilhelm Plate

Berlin, Kerkrade/Herzogenrath und Wegberg: Alle Orte haben eines gemeinsam: Sie sind oder waren geteilt. Berlin war bis vor drei Jahrzehnten in einen kommunistisch geprägten Ostteil und in einen demokratisch-freiheitlichen Westteil geteilt. Kerkrade und Herzogenrath wurden durch den Vertrag von Aachen 1816 getrennt. Die Grenze zwischen den Niederlanden und Preußen verlief über die gemeinsame Hauptstraße. Erst durch das 1985 verabschiedete Schengen-Abkommen fielen die Grenzkontrollen fort.

Und was war in Wegberg? > mehr...

Archiv

Januar 2018: Info & Anfrage
Entwicklung der Gasversorgung im Raum Wegberg

Bislang haben wir uns auf der Website kaum mit der Entwicklung von Handel, Gewerbe und Industrie beschäftigt. Hierzu gehört auch die Entwicklung der Versorgung mit Strom und Gas im hiesigen Raum.
Ein Auszug aus "Die Versorgung von Kommunen mit Wasser, Gas und elektrischer Energie", von Horst A. Wessel, Düsseldorf, S. 49 ff. könnte einen Ansatz liefern.

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2. Oktober 2017
300 Jahre St. Rochus-Kapellchen in Rath Anhoven

Am 2. Oktober 2017 wurde die Rochus-Kapelle in Rath-Anhoven 300 Jahre alt. Hierzu ein Beitrag von Hermann-Josef Heinen, der sich mit der 300-jährigen Geschichte und der aktuellen Situation des Rochus-Kapellchen in Rath-Anhoven beschäftigt hat.

Lesen Sie hierzu das "Interview" mit dem Kapellchen:

> 300 Jahre Rochus-Kapellchen in Wegberg/Rath-Anhoven

Historischer Verein Wegberg e.V. - 18.02.2021 - Letzte Änderung: 02.05.2021

Historischer Verein Wegberg e.V.
Rathausplatz 21, Wegberger Mühle, 41844 Wegberg
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