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Kriegswirren, Epedemien, Naturkatastrophen, Räuberbanden

von der Mitte des 14. Jhs. bis 1910


Auch über die schlimmen Ereignisse im Raum Wegberg, wie Kriegswirren, Epedemien, Naturkatastrophen, Not und Elend, räuberische Banden und Bürgerwachen von der Mitte des 14. Jhs. bis zum Jahre 1910 berichtet Adolf Vollmer sehr ausführlich in seiner Geschichte der Gemeinde Wegberg.


Auszug aus
Adolf Vollmer (1912) Geschichte der Gemeinde Wegberg, S.47ff.

Kriegs- und andere Vorkommnisse in der Gesamtgemeinde

In den Wirren des Mittelalters nahm auch am Niederrhein das Raubwesen überhand. Die Ritter vergaßen ihres edelsten Berufes, eine Stütze der Landesherren und Schutz und Schirm der Armen und Bedrängten zu sein, sie fanden es viel bequemer und einträglicher, das Land auszusaugen. Vorschub wurde dem durch die Uneinigkeit, die Eifersucht und Schwäche der vielen Landesherren geleistet, durch welche das Recht des Stärkeren und der rohen Gewalt begründet wurde. Nach einer Urkunde aus der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde „viel Unfug verübt und täglich auf der Straße und im Lande dem Kaufmanne, den Pilgern, Pfaffen und anderen einheimischen und fremden Leuten Gewalt angetan durch Gefängnis, Raub, Mord und Brand, heimlich und öffentlich, und der Unfug und die Gewalttätigkeit mehrte sich von Tag zu Tag.“ Auch die beiden Burgen zu Wegberg und Tüschenbroich werden damals keine Ausnahmen von der allgemeinen Regel gemacht haben. In Gripekoven, zur Gemeinde Beeck gehörend, bestand wohl die berüchtigste Raubburg der hiesigen Gegend, worauf die Ritter Goswin und Arnold von Cevel, sowie Otto von Dryele hausten. Im Jahre 1351 schlossen Wilhelm, Erzbischof von Cöln, Johann Herzog von Lothringen, Limburg und Braband, dessen Sohn Godart, sowie die Magistrate der Städte Cöln und Aachen ein Bündnis auf 10 Jahre, um das Land und die Straßen zwischen Maas und Rhein gegen die Gewalttäigkeiten zu schützen, die Räuber und Mörder zu strafen und ihre Häuser und Schlösser zu belagern und zu zerstören. 1354 ließ sich u. A. auch Dietrich Graf von Loen, Herr zu Heinsberg und Blankenberg in den Bund aufnehmen und gelobte, zur Belagerung der Feste Gripekoven 300 bewaffnete Ritter und Knechte zu senden, ferner zur Besetzung der 2 Belagerungshäuser mit 30 Mann zu Pferde und 30 Schützen beizutragen und von seinen Landleuten 1000 Mann mit Schüppen und Spaten zum Graben und Zäunen und zu anderer Arbeit zu schicken. Nach mehrwöchentlicher Belagerung mußte sich das Schloß ergeben und die Besatzung schwören, fortan Ruhe zu halten. Die Burg wurde dem Erdboden gleich gemacht und die Steine der Stadt Erkelenz geschenkt, wo sie zum Bau des Brücktores und des Turmes am Burgtore verwendet wurden.

Das Jahr 1557 brachte unserer Gemeinde eine große Dürre, der eine arge Teuerung folgte, 1580 ein „pestilenziarisch Sterben“.

Als Grenzland war Wegberg sehr den Kriegsdrangsalen ausgesetzt. Allerdings finden sich genauere Mitteilungen darüber nur sehr spärlich.

Nach den Mitteilungen des Grafen von Mirbach in der Zeitschrift d. Aach. G. V. Bd. 3, S. 279 ff. mußte Herzog Wilh. von Jülich während der niederländischen Kriege den spanischen Truppen häufig Durchzüge durch sein Gebiet gestatten. Die dadurch verursachten Schäden belaufen sich für die Zeit von 1578–1586 im Jülicher Lande auf die für die damalige Zeit enorme Summe von 801 904 Thlr. 9 Albus 3 Heller, davon entfielen auf das Amt Wassenberg, zu dem der jülicher Teil Wegbergs gehörte in den Jahren:
1578–79 = 16 829 Thlr.
1580 = 18 285 Thlr. 2 St.
1584 = 877 Thlr.
1585 = 3 513½ Thlr.
500 Thlr.
In einer dort mitgeteilten Urkunde heißt es:
„Das Königisch Kriegsvolk, dessen an die elf Fähnlein Carabiner gewesen und zu Schwamen (wo 1585 ein Lager bestand) gelegen ist, den 18. January 85 aufgebrochen und gegen Wegkberg, Tuschenbroich und Beeck ins Ampt Wassenberg vortgerückt volgens unangesehen das Amt Caster seinen Anschlag gereicht, nichts destominder am 21. und 22. January sich ins Ambt Caster in die Dörfer Wanlohe, Keyenberg und Holtzweiler eingelagert und die Underthanen über ihr Vermögen gezwungen.“

Im dreißigjährigen Kriege (1618–1648) besetzten die Hessen und Weimaraner das Oberquartier Geldern. Im heutigen Petersholz soll damals ein Lager gewesen sein. Anfangs Dezember 1635 stand der kaiserliche General Feldobrist Graf Piccolomini in der Nähe. Im Jahre 1642 wurde die ganze Gegend durch die verbündete französisch-hessisch-weimaranische Armee besetzt.

In den sich von 1672 bis 1714 folgenden Kriegen (der holländische Krieg, der Reunionskrieg, der pfälzisch-orleanische, und der spanische Erbfolgekrieg) folgt eine Belastung und Drangsalierung der Einwohnerschaft der anderen. Auf die Unsicherheit damaliger Zeit weisen folgende Eintragungen der Sterberegister hin:
1663 Joes Thonniß von Tuschenbroich wegen eines schädlichen Schoß.
11.1.1672 Johann Kermes von Tuschenbroich todt gestechen worden.
23.7.1679 ist Wilh. Wimmers auf dem Tump zu Ruremundt todt geblieben.

In dem Kampfe um die spanische Herrschaft 1701–1713, in dessen Folge Wegberg (Geldern) an Österreich fiel, wie auch in dem 1740 beginnenden österreichischen Erbfolgekrieg bis 1748 in dessen Verlauf wiederum fremde Kriegsvölker die Gegend beunruhigten muß die Gemeinde stark durch die kriegerischen Wirren gelitten haben. Nach dem Rentenverzeichnis von 1711 (im Pfarrarchiv) wurde 1711 am 17. März eine churfürstliche Steuer ausgeschrieben von 70 Albus cölnisch für den Morgen und am 31. März eine französische Contribution von 40 Albus cölnisch für den Morgen ebenso 1712, 1713, 1714, in letzterem Jahre „obwohl der Fried getroffen“. Die Kaiserin Maria Theresia verlieh der geldrischen Gemeinde im Jahre 1747 durch nachstehende Urkunde Nr. 5 die Gerechtsame zur Deckung der Kriegskosten von 1870 gls 18 St für Logis und Cantonnement der Truppen und von 3576 gls 12 St, für Vorspann zusammen 5366 gls 6 St. Brabanter Münze die sich mit Schaden und Kosten auf zusammen 10813 gls 16 St aufsummiert hatte, eine Summe von 6000 Brabantsche Gulden aufzunehmen, da die Einwohner der Gemeinde „ten achteren gecomen, verarmt ende verdorven“ seien.
Urkunde Nr. 5. (Gemeindearchiv).
Maria Theresia by der Gratie godts Rooms Kayerinne usw. Alle de gene, die dese tegervoordige sullen sien saluyt: Wy hebben ontfangen vornwedige Suplicatie ende regueste van die boorgemesters Schepenen ende gesworens der heerelyckheyt ende gemeynee van Wegberck inhoudende dat buyten de jaerelycke vuytgeschrevene beden ende respective de meraedw penningen de Schaede ende costen gecauseert by het logeeren ende cantonneren van onse trouppen met het begin deses jaere 1747 tot den 26. May jonghut eden inclusive volgens opneminge daer van gedaen beloopt de somme van 1870 gls, 18 Stuyvers te saemen brabants munte, volgens den staet hier op geexhibeert ende daer en boven den voorspaen ende peerds, diensten de welcke des gemeynte t'onsen dienste t'sedert den 7. january 1747 tot den 26. May voors jaers inclusives hadden gedaen ende gelevert, belopt de Somme von 3576 gls 12 Stuyvers ooek te saemen brabant'sche Munte, volgens specificatie hier op ooeck geexhibeert, welcke vuytschryvinghen tot leveringe van voorspaen nogh dagelyx blyven continneren ende also meer ende meer komen te monteren, buyten dyen beloopen de costen gedaen t'onsen diensten, welckers Staeten ende specificatie de vorthoondert hadden overgeleveert ter totale somme 5366 gls ses Stuyvers brabants, volgens het applicaet insgelyckx geexhibeert dus dat het import van voorens gespecificeerde Schaede ende costen te saemen sigh erdraght 10813 gls 16 Stuyvers voor welck een ende „andere der voors, inwoonderen van de selve gemeynte soo danigh ten achteren waeren gecomen, verarmt ende verdorven, dat de selve meestendeels niet meer in staer sonden syn, eenige sulexdanige costen ende schaede te betaelen, oversulex de verthoonders genootsaeekt syn tot vor comnige van een ruyne op de voors. gemeynte eenige pennigen op te nemen, het welck niet en crude geschieden sonder voorgaende permissie ende octroy: Oorsaecke sy ons seer Oormoedelyck hebben gebeden hun te willen versteenen onse brieven van octroy om tot laste van hun gemeynte op te nemen de somme van sessduysend brabants guldens, Doen te weten, dat wy t'gone voorschreven overgemerkt ende darop gehadt het advis van onsen lieven ende getrouwen den Raedt Mambour van onsen Raedt in Gelderland genegen wesende ter beden ende begeerte der Supplicanten hebben hun ter detiberatie van onsen Minister Plenipotentiaris voor het Gourvemement Guaet van onse Nederlanden, gegunt geoctroyeert ende geaccodeert gelyeck wy hun gunnen octroyeren ende accorderen by dese tegenwoordige, dat Sy ten münsten interest also t'mogen sal weven sullen mogen lichten de Somme van ses duysend brabants guldens Wissel gelt, op Aacte ende conditie dat de Supplianten gehouden sullen syn t'observeren in de Settinge der Schattingen de welcke jaerelykx sal moeten geschieden soo om d'interesten van dit capitael te guyten, als om hot selve te rembourseern, eene gelycke proportie op den reelen, personelen ende mixten voet, soo ende gelyck het selve woort geobserveert ten opsiehre van de repartitie van de andere interesten ende Capitaelen met de welcke de Supplianten syn belast, van alle het gene de selve Supplianten sullen oock gehouden syn te doen consteren aen cenene commissarie van onsen voors: Raedt van Gelderlandt daertoe te deputeren gelyck oock van het Emploir dat sy sullen gedaen hebben van de Capitaele te lichten pennigen ende voorders oock van de Middelen de welcke wy hun bevelen t'aenveerden, om het voors rembourse ment de Capitaele pennigen te effectueren ende te blusschen ten münsten ses maenden naer cessatie van desen tegenwoordigen oorlogh, ter conditie eynde lyck „dat sy sullen betaelen in handen van den raedt ontfanger quat van Afferden ofte ander toecomende jaerelyex de somme van een gulden, aen de welcke sy getauxeert syn by onse seer lieve ende getrouwe dien van onsen Raedt van Financien, waer dese tegenwoordige brieven van octroy sullen geenregistreert worden ende geinterineert in onse Recke Camer. Soo bevelen wy onse seer lieve ende getrouwe die hooft President ende huyden van onse Priveen Raedt, Cancellier ende Luyden van onsen Raedt in gelderlandt, ende aen alle andere onse Rechteren, officieren ende ondersaeten aen Wyen dit aengaet ofte roeren sol mogen, dat sy de voors. Supplianten van desen onsen tegenwoordighen octroy inder Vuegen ende Maniere hier boven geschreven, vredelyck ende volkomentliyck saelen genieten ende gebruycken, want ons also gelievt des t'oirconden hebben wy hier aen doon hangen onsen groten Segel, gegeven in de Stadt Aecke den sesentwintighsten octobris int' Jaer onse heereduysent sevenhondert seven en veertig ende van onse Rycken t'sevensten.
(Unterschrift).
Anhängend großes Wachssiegel.
Avers: Frauengestalt auf Thron sitzend, von der 2 Frauengestalten den Vorhang heben.
Revers: Wappen mit Umschrift Maria Theresia usw.

1755 begann der siebenjährige Krieg, in dem Österreich mit Frankreich gegen Preußen verbündet war. Die Gegend hatte wiederum viel durch die Franzosen zu leiden. Nach der Schlacht bei Crefeld am 23. Juni 1758 verwüsteten sie das Land und die Hannoveraner drangen am 1. Juli bis in die Gegend von Wassenberg vor. Ende Juli trieben die Franzosen die Hannoveraner wieder zurück bis über den Rhein. Im Jahre 1779 herrschte vom 12. August bis Mitte November in der Gemeinde die Dyssenterie und der „rooden Loop“ (rote Ruhr). Während sonst während eines ganzen Jahres nur etwa 35–40 Personen starben, sind für diese kurze Zeit im Sterberegister allein als an Dyssenterie gestorben 12 und als an dem „rooden Loop“ gestorben 30 Personen vermerkt.

Im Jahre 1770 erneuert Kaiser Josef auf das Gesuch der Gemeinde Wegberg derselben auf 12 Jahre die Berechtigung zur Erhebung von Passier- (Wege-) Geld, um aus den Einkünften die Brücken und Wege der Gemeinde zu unterhalten.
Es sollte erhoben werden: für das erste Pferd und Karren, geladen mit Früchten oder anderen Waren 1 Stbr.;
für das Vorderpferd ½ Stbr.;
für andere Fuhrkarren geladen mit schwerer Kaufmannsware mit mehr als 2 Pferden das doppelte, namentlich fürs 1. Pferd 2 Stbr. und die vorderen Pferde 1 Stbr. Jülicher Münze.

Urkunde Nr. 6 (Gemeindearchiv).
„Josephus, by de Gratie Gods Roomsch Keyser u. s. w.“
„Allen den genen die dese onse opene Brieven sullen Sien ofte horen lesen Saluyt! Doen te weten, dat wy ontfangen hebben die Supplicatie van de Schepenen Borgemeesters en regenders der heerlykhydt Weghberck en houden de hoe dat sie by haere Majt de Kyserinne Donariere ende Coninginne apostolyk Glorienser memorie onse hooghgeerde Moeder in hooghs desselfs Souverynen Raede des voorss Vorstendoms gelre geimpetreert hebbende opene Brieven van octroy om voor den tydt van twelff aghtereen volgende Jaeren binnen de selve Heerlykhydt te mogen lichten het passagie gelt van de daer door vaerende Karren om uyt desselfs reproduit te konnen onderhouden en repareren de Bruggen, ende weghen de terinyk by het opgelte octroy vervat met den 19 deses quame te expireren en vermits de Suppltn dit passagie gelt naer expiratie van opglten teringn met recht niet en Sonden konnen voorderen, soo keerden hun de selve tot ons oetmoedelyk versoekende, den Ryn sog. geliefden den gedient te syn van t'selve Octroy voor andere twelff jaren te prolongeeren, Waromme soo ist dat wy het geene voorss: aengemerkt by deloberatie van onse seer Lieven, lieve ende getrouwen die Canxellaer ende Raeden van onsen Raede onses voorss voostendoms Gelre by hun alvorens gehoort onsen Raedt „ende Momboir aldaer ende wyders geregen Synde ter oitmoedige Rede van de Suppltn prolongeeren de ende verniriende de voorss Brieven van Octroy hebben de selve Supplte geoctrogeert, geconsenteert ende gepermittert, octroyeren, consenteren ende permitteren mits desen van vremde voerkarren, met vruechten of ondere Waeren gelaeden, hunne gemeente passerende te lichten ende te ontfangen eenen Stuyver guylicks voort eerste peert en Karre ende da vordere peerden enen halven Stuyver ende van de andere voerkarren gelaeden met swaere Coopman Schappen met meer als twe peerden bespannen, het dobbel van dyen, namentlyk voort' Eerste peert en Karre twee Strs. ende de vordere peerden eenen Str, daeren boven van jeder een = Spannigh peert met Karre, komende van vreemde plaetsen, alwaer de inwoonderen der voorss gemeynde passerende gehouden syn Weghgeld te betaelen eenen Stuyver ende van de andere peerden eenen halven Str. alle Brabants wissel, ende dat voor andere twelff jaeren Loop nemende van den 12 Xbr 1780 ten op sien, van t'welk de Supplten soo lange dese permissie Sal duren ten onsen profyte alle jaeren voor Chins sullen betaelen twe en vyfftigh Strs. munte naer de placcaeten alles vorbehouden onse autoriteyt om het voorss: Weghgeld alle jaeren te verminderen, te vermeerderen of te ock int geheel te doen Cesseren, so ende gelyk om voorkomende Redenen Soude konnen vinden te behooren, want ons alsoe gelieft, des te oirconde hebben wy't groot zegel, t'welk hooghgedaegte haere Majt de Kyserinne Donariere ende Conninginne apostolyck glorienser memorie onse hooghgeerde Moeder, herwaerts heeft gebruykt, ende wy gebruyken sullen tot dat den onsen sal syn gemaekt aen deten onsen openen Brieff doch hangen gegeven Binnen onse Stadt an Ruremonds den 16. Xber in den jaer ons heere 1700taehentig ende van onk Rykes bet erste.“

Am 15. August 1775 wurden Harbeck und Rickelrath von einem starken Hagelschlage betroffen. Die betroffenen Einwohner erhielten aus der Gemeindekasse pro Morgen Hafer und Buchweizen 6 Pattacons in specie als Unterstützung.

Die Kriegsdrangsale sollten aber noch kein Ende haben. Als 1794 die französischen Revolutionsheere an den Rhein vordrangen, wurde die Gemeinde wieder unerhört gebrandschatzt. Da die Gemeinde-Insassen verarmt waren, so mußten die Bürgermeister und Scheffen beider Gemeinden Wegberg, (Jülich und Geldern) insgesamt zur Deckung der Kontributionen 18 115 Thlr. 4 Sgr. 7 Pfg. anleihen. Nach den in der Gemeinderechnung von 1826 befindlichen Schuldurkunden, von denen eine hiernach abgedruckt ist, wurden diese Schulden erst im genannten Jahre bezahlt.

Urkunde Nr. 7.
Da wir bei dermaligen so bedrängten Zeiten durchaus unvermögend sind, den gefordert werdenden Kontribuzionen, Requisizionen und Kriegeslasten anderer Art mittelst Ausschlagung von baarem Gelde oder Naturalien um so weniger zu genügen, als die völlig verarmten meisten Gemeinde Einsassen bälder selbst einiger unterstützung bedürften, denn das mindeste beitragen könnten – so bekennen wir Endesunterschriebene sämtliche Scheffen, Bürgermeister und Vorsteher der Herrschaft Tüschenbroich, von unserem H. Vogten Franz Henrich Henrichs und dessen gemahlin Frau Anna Elisabeth Striezen anheute baar lehnbar gegen fünf vom Hundert jährlichst zu dermaligen Kriegsbedürfnissen empfangen zu haben vierhundert französische Kronenthaler, wofür demselben die Besitzungen dieser Gemeinde Einsassen gesamt und sonders verpfändet sein sollen mit dem Versprechen, dieses Kapital sobald es nur unsere Kräften erlauben, mit Zinsen und Kosten obrückzuerstatten. Also unterschrieben Wegberg, Herrschaft Tüschenbroich am 1. Januar 1795.
Neclaß Jackels Bgmstr. Conradus Quacken Scheffen.
Carwilhelm Arretz Bürgmstr. Henricus Jenneß Scheffen.
Mathias Jansen Brgstr. Heinricus Arretz Scheffen.
Joes Herman Josten, Scheffen.
In fidem, et pro Agnitione Mamm.
L. Clever.
Siegel mit dem Wappen der Herrlichkeit Tüschenbroich.
Unter nemlichen Bedingungen und zu eignesten Behufen von H. Vogten Henrichs weiter empfangen zu haben, vierhundert frz. Krthlr., wird anmit eigenhändig bescheinigt.
Wegberg Tüschenbroich am 1. April 1795.

Die Jahre 1816 und 1817 brachten infolge Mißwachs wieder eine außerordentliche Teuerung und Not. In der Bürgermeisterei wurde durch freiwillige Beiträge 45 Scheffel Roggen, 3000 Pfd. Brod und 1721 Rthlr. Clevisch gesammelt und an die Armen verteilt.
Durch die Königliche Regierung wurde Roggen von der Ostsee herbeigeschafft, der leider zu spät eintraf.

Aber nicht allein unter den Kriegswirren, Epidemien und Naturereignissen hat die Bevölkerung gelitten, sondern auch die Streifzüge der Niederrheinischen Räuberbanden machten sich hier unliebsam bemerkbar.

Mit der französischen Revolution und dem Vordringen der Revolutionsheere brachen die alten Staatlichen Einrichtungen zusammen. Das führte wie am Nieder-Rheine und den angrenzenden Gebieten so auch hier zu einer großen Unsicherheit. Die berüchtigteste Räuberbande war die im Dorfe Meersen (Holland), ihren Hauptschlupfwinkel habende Bande der sogenannten Bockreiter. Daneben bestand eine Bande von Crefeld, die sich später nach Neuß verzog und die Krefelder- bezw. die Neußer Bande genannt wurde.

Die Meersener Bande trat das erste Mal ums Jahr 1796, die Krefelder Bande um 1792 und traten beide Banden von 1797 an oft bei Ausführung von Verbrechen gemeinsam auf. Sie waren bald Herren des Gebiets, das sich über den ganzen Niederrhein und Holland erstreckte und scheuten sich nicht, in Stärke von 20–100 Mann hoch zu Roß ihre Raubzüge auszuführen. Die eigentlichen Begründer der Krefelder Bande waren die beiden Scheerenschleifer Friedrich der Einäugige und Franzis Gerards aus Dalheim. Gerards wohnte nachher mit seiner Frau und 4 Töchtern und seinen angeblichen Gesellen Pohr und Brückmann in Arsbeck. Die ganze Gesellschaft lebte sehr flott, ohne aber zu arbeiten. Häufig entfernten sich die Männer, blieben über Nacht aus und kehrten mit neuem Gelde zurück.
Die Bewohner von Arsbeck sahen diesem Treiben untätig zu und schwiegen, weil sie die Rache der Scheerenschleifer fürchteten. Pohr wurde bei einem Raube in Amern-St.Georg in der Nacht zum 22. März 1797 in den Fuß geschossen und schleppte sich mit Brückmann nach Hardt, wo er festgenommen wurde. Es gelang danach, die sich nach ihm erkundigende Frau des Gerards ebenfalls festzunehmen, während Gerards selbst und Brückmann aus Arsbeck flüchteten. Als letztere beiden mit ihrer Schleifkarre nach Süchteln kamen, hatten Knaben in ihrer Abwesenheit eine Schublade der Schleifkarre herausgezogen. Die umstehenden Leute sahen nun, daß darin geschliffene Säbel und Dolche, Feilen, Knebelstricke, Brecheisen, und sonstiges Diebesgerät lagen.
Das führte zu ihrer Verhaftung und Verurteilung zu 20 Jahren Galeerenstrafe.

Die Raubüberfälle hörten aber immer noch nicht auf. Niemand fühlte sich mehr sicher. Erst die französische Okupation führte zu besseren Zuständen, als die Banden zerstreut und durch Verurteilung der Hauptführer aufgerieben waren, wenn auch noch immerhin einzelne Freveltaten vorkamen.

Die Unsicherheit auch noch anfangs des 19. Jahrhunderts war in hiesiger Gegend so groß, daß in jeder Ortschaft Bürgerwachen und Milizen eingerichtet wurden, welche eine ständige Wache, hauptsächlich aber den Nachtwachtdienst wahrnehmen mußten, um den Lokalbehörden in Handhabung der Polizei alle mögliche Unterstützung zu leisten. Die Wache trat abends um 10 Uhr „bewaffnet mit Lanzen, Gewehr, oder sonstigen Instrumenten“ an. Jeder Einwohner über 20 Jahre war wachtpflichtig. Stellvertretung war gestattet. Der Bürgermeister führte ein Verzeichnis der Wachtpflichtigen und bestimmte die Reihenfolge. Die Hälfte der Wache blieb auf der eingerichteten Wachtstube, während die andere Hälfte Patrouillengänge ausführte. Alle Stunden lösten sich die beiden Hälften ab. Für die Heizung und Beleuchtung der Wachtstube wurden für die Nacht 2 Sgr. 6 Pfg. gezahlt.
Diese Einrichtung bestand noch bis gegen 1840.

Als dieses nicht mehr ausreichend erschien, wurde im Januar 1822 ein Husaren-Kommando von 1 Offizier und 30 Mann unter Leitung des Majors von Sastrow in den Kreis Erkelenz gelegt. Von diesem Kommando waren 1 Offizier und 16 Mann im Kreise verteilt, welche abwechselnd in die Gemeinden gelegt wurden und alle Nächte Patrouillen aussandten. Als dann das Revolutionsjahr 1848 herankam, wurden hier zunächst in allen Orten wiederum Sicherheitswachen, bestehend aus dem Nachtwächter und 4 Mann eingerichtet und dann eine aus Freiwilligen bestehende Bürgerwehr gebildet. Ein Antrag auf leihweise Ueberlassung von Waffen aus den Königlichen Militärdepots wurde jedoch abgelehnt. Im Juli 1848 zählte diese Bürgerwehr 124 Mitglieder, eingeteilt in 4 Kompagnien, jede zu 31 Mann. Dieselben sind noch nicht gleichmäßig armiert, sondern mit Gewehr, Säbel oder Stöcken bewaffnet, haben jedoch eine deutsche Fahne und jeder seine Armbinde mit der Kompagnie-Nr. Da aber hier keine Ordnungswidrigkeiten vorkamen, trat die Bürgerwehr auseinander.

In der Wegberger Gemeindechronik von 1828 widmet der Landrat des Kreises Erkelenz dem damaligen Bürgermeister Dillen ehrenvolle Anerkennung indem er sagt:
„Der ausgezeichneten Tätigkeit dieses Ehrenmannes ist es zu verdanken, daß diese Gegenden, worin mehrere Jahren hindurch Eigentum und Personen mannigfach durch eine Diebes- und Räuberbande gefährdet und verletzt worden, jetzt völlig Ruhe und Sicherheit genießen. Sein rühmlicher Eifer hat sich nicht allein auf die Verhaftung und sorgfältige Ermittelung der Verbrecher, wobei er in der sichtbaren Todesgefahr geschwebt, erstreckt, sondern er hat auch nachher durch seltene Ausdauer das Gewebe der verbrecherischen Handlungen zu entlarven und durch gründliche protokollarische Verhandlungen die bündigsten und sachgerechteste Aufhellung zu erteilen gewußt.“
Welche Verbrechen hier ausgeführt wurden, ist nicht ersichtlich, es ist jedoch anzunehmen, daß es sich um Taten von Mitgliedern solcher Räuberbanden handelte. Nach der Einkehr geordneter Verhältnisse unter preußischer Herrschaft ist die Gemeinde auf die Ordnung ihrer durch die Kriegsdrangsale verursachten schlechten Finanzverhältnisse bedacht. Die Schulden beliefen sich im Jahre 1822
für den geldrischen Anteil der Gemeinde auf 15183 Thlr., 20 Sgr.
für den jülich'schen Anteil auf 2931 Thlr., 14 Sgr., 7 Pfg.
insgesamt auf 18115 Thlr., 4 Sgr., 7 Pfg.

Zu ihrer Deckung verkaufte die Gemeinde in dem genannten Jahre ihren Grundbesitz zur Größe von 79 Morgen 156 Ruthen Magdeburger Maß, teils Ackerland, teils Fichten, Heide und Schlagholz, „die Löhe“ genannt, in öffentlicher Versteigerung für 2577 Thaler. Der noch verbleibende Rest der Schulden wurde durch Umlage gedeckt, sodaß mit Ablauf des Jahres 1826 sämtliche Kapitalschulden der Gemeinde, die unverbrieften Schulden jedoch mit Ablauf des Jahres 1832 getilgt waren, „obwohl die deshalb erforderlichen Beischlägen eine schwere Aufgabe für die Einsassen gewesen“. (Gemeindechronik.) Weitere 7 Grundstücke der Gemeinde wurden 1864 für 296 Thlr. verkauft.

Im Jahre 1826 wurde die Gemeinde neu vermessen und katastiert, „wodurch eine gleichmäßige und gerechte Verteilung der Grundsteuer zu Wege gebracht wurde.“
1819 erfolgte hier die Einführung der Feuer-Versicherung und zwar durch die Bergische Feuer-Versicherungsgesellschaft, (jetzt Provinzialfeuerversicherungsanstalt,) bei welcher im Jahre 1828 bereits 120 550 Thaler bergisch versichert waren. „Diese und andere Privatassecuranz-Anstalten namentlich die Aachener äußerte einen wohltätigen Erfolg in der Beruhigung, die dem Hausbesitzer dadurch gewährt ist, ohne Furcht seines Ruins dem Unglücke einer etwaigen Feuersbrunst furchtsam entgegen schauen zu müssen.“

1832 hat die Gemeinde am 13. August sehr durch Hagelschlag gelitten. Der Schaden belief sich auf 13 548 Thlr., 4 Sgr., 1 Pfg. Die Regierung bewilligte den Geschädigten einen Steuer-Nachlaß von 258 Thlr., 4 Sgr., 1 Pfg.

Im selben Jahre haben hier von dem Königl. Preuß. Observations-Corps vom 15. bis einschließlich 26. November in Kantonierung gestanden der Regts.-Stab nebst Hälfte der 4. Eskadron des 8. Husarenregiments und vom 27. Februar 1832 bis einschließlich 23. Januar 1833 der Batl.-Stab nebst 7. Comp. 17. Inf.-Regts.

1846 herrschte in der Gemeinde die „Nervenkrankheit“ und die rote Ruhr, sodaß die Sterbefälle die hohe Zahl von 161 erreichten, ungefähr das Doppelte der normalen Zahl.

Das Jahr 1847 war wieder ein Notjahr. Vom Januar bis Ende Juli wurde an 97 notleidende Familien das 12 pfündige Brot zu 6 Silbergroschen verabreicht, sodaß der Gemeinde noch 690 Thaler 10 Silbergroschen zu zahlen blieben. Der Verkauf frischen Brotes wurde für die Zeit vom Mai bis zum 25. August untersagt, weil frisches Brot nicht so nahrhaft sei, wie altbackenes. Außerdem wurden 340 Scheffel Kohlen verteilt, herrührend aus freiwilligen Gaben. Sodann wurden 18 Familien-Väter mit Gewinnung von Kies beschäftigt und dafür 732 Thaler, 2 Silbergroschen, 6 Pfennig verausgabt.

Im Dezember 1848 und Februar 1850 führte Tauwetter große Überflutungen des Ortes Wegberg herbei, die großen Schaden verursachten. 1855 stiegen die Fruchtpreise infolge der orientalischen Wirren in die Höhe, sodaß das 12 pfündige Roggenbrot 15 Sgr. kostete, damals ein außergewöhnlich hoher Preis.

1856 wurde in Wegberg eine Gendarmeriestation, 1857 die erste Apotheke errichtet.
1864 warf ein heftiger Sturm den Hahn vom Kirchturm und deckte viele Dächer ab.
1867 betrugen die Gemeindeschulden 19 240 Thlr.
1872 herrschten die Menschenpocken in Klinkum, aus Holland eingeschleppt.

Das Jahr 1873 brachte am 22. Oktober geringe Zeichen eines Erdbebens. „Die wenigen, welche hier etwas davon gemerkt, verglichen die Empfindung desselben mit derjenigen, welche uns beim Vorüberfahren eines schweren Fuhrwerks anwandelt.“

Bei der Mobilmachung 1866 wurden aus der Gemeinde 87 Mann zu den Fahnen einberufen. Dieselben kehrten alle aus dem Kriege zurück, vier derselben, Franz Becker aus Rickelrath, Wilhelm Horsten aus Tüschenbroich, Jacob Müller und Isaac Levy aus Geneiken als Invaliden. Außerdem starb hier nach Beendigung des Krieges Wilh. Priesterath aus Watern an der Cholera. Den heimkehrenden Kriegern wurde von der Gemeinde ein Fest bereitet, an dem sich fast alle Einwohner beteiligten. Während des Krieges waren die hülfsbedürftigen Familien der einberufenen Mannschaften vom Kreise und der Gemeinde unterstützt worden, wofür die Gemeinde 150 Thaler aufwandte. Zwecks Sammlungen für die Verpflegung der verwundeten Krieger war ein Komitee gebildet worden. Es kamen ein und wurden der Kreisbehörde zugesandt an Geld 74 Thaler, 140 Flaschen Wein, 1 Kiste mit Erfrischungen aller Art, 2 Fässer, 1 Kiste und 1 Ballen mit Hemden, Bettüchern, Binden, Charpie etc.

Zur Bestreitung der Mobilmachungskosten mußte die Gemeinde insgesamt 1172 Thaler, 26 Silbergroschen und 6 Pfennig beisteuern, wovon später 880 Thaler, 11 Silbergroschen und 2 Pfennig zurückerstattet wurden.

1870 wurden nach geschehener Mobilmachung aus der hiesigen Gemeinde 146 Mann zu den Fahnen einberufen. Wie überall, so bildeten sich auch hier in jedem Orte Vereine, welche neben Geld, Charpie, Binden, Leinewand, Bettücher, Jacken, Wein, Cognak, Zigarren pp. von Haus zu Haus sammelten. Auf diese Weise konnten den im Felde stehenden Kriegern 413 Thaler baar und 625 Pfund der vorbezeichneten Sachen nachgesandt werden. Der Unterricht in den Schulen fiel aus, und es wurden die Kinder mit Zupfen von Charpie beschäftigt. Der Gemeinderat beschloß, eine der vom Kreis gezahlten Unterstützung gleichkommende Summe aus der Gemeindekasse an die hilfsbedürftigen Angehörigen der Einberufenen zu zahlen.

An Pferden hatte die Gemeinde 11 Stück zu stellen und außerdem 11 Fuhrwerke. Am 26. September 1870 wurde die Kolonne, bei der sich die vorbezeichneten Fuhrwerke befanden, bei Königsmachern von Franctireurs überfallen und dabei der Anton Josef Cohnen aus Geneiken nebst Pferd getötet. Vier Einwohner gerieten dabei in Gefangenschaft. Sie wurden später unter Zurückhaltung ihrer Gespanne entlassen.
In Feindesland sind gefallen oder an Krankheit gestorben:
1. obengenannter Cohnen,
2. Wilh. Odilio Jansen aus Rickelrath,
3. Wilhelm Eickels aus Klinkum,
4. Karl Friedrichs aus Uevekoven,
5. Wilhelm Anton Michels aus Klinkum,
6. Peter Theißen aus Klinkum,
7. Matthias Brockers aus Tüschenbroich;
Vor dem Feinde verwundet wurden:
1. Albert Eskens aus Wegberg,
2. Wilhelm Deckers aus Uevekoven,
3. Jacob Nießen aus Watern,
4. Leonhard Maassen aus Broich,
5. Johann Küppers aus Tüschenbroich.

Den heimkehrenden Kriegern wurde seitens der Gemeinde ein Fest bereitet, bestehend aus Festzug mit anschließender Fest-Versammlung und mit Ball.

1874 herrschte im Sommer große Dürre. Wenn es in diesem Jahre in der Gemeindechronik heißt: „Auch der Winzer hat gute Geschäfte gemacht; denn neben dem im Mai erfrorenen Schein der Reben hatte sich ein neuer Fruchttrieb angesetzt, welcher vorzügliche Trauben zur Reife brachte,“ so wird sich dieses wohl nicht auf die hiesige Gemeinde beziehen, da hier Winzer nicht vorhanden waren und Trauben nur als Hausspaliere vereinzelt gezogen wurden.

1875 wurde die Obergrenzkontrolle von Arsbeck hierher verlegt.

Am 2. August 1875 warf ein schwerer orkanartiger Sturm unter anderem den Dampfturm der Flachsbereitungsanstalt von Thenen um und riß das Wasserrad der Knippertzmühle weg.
1876 trat am 12. März ein Orkan auf, welcher Mauern umwarf und Bäume entwurzelte.
1877 werden die Schulden der Gemeinde mit 20 592 Mark angegeben.
1878 machte sich am 26. August eine starke Erderschütterung bemerkbar. Sie dauerte mehrere Sekunden, war von Ost nach West gerichtet und so bedeutend, „daß die Häuser wankten, und von den Insassen in Angst und Schrecken verlassen wurden“.
1880 betrugen die Schulden der Gemeinde 24 621 Mk. die der Pfarrgemeinde 13 600 Mk.

Im Juni und Juli kamen 3 Selbstmorde durch Erhängen vor.

1885 trat am 12. Juli ein starker Hagelschlag in den Gemarkungen Klinkum und Tüschenbroich auf, der die Ernte stark schädigte.
1892 herrschte in Harbeck der Typhus, es kamen 13 Erkrankungen vor, von denen 5 tötlich verliefen.
1895 war am 18. August ein orkanartiger Sturm, der viele Bäume entwurzelte.
1900. Eine vorgenommene Obstbaumzählung ergab 16 881 Obstbäume.

1904. Unterm 28. April erteilte der Minister seine Zustimmung dazu, daß der Ortschaft Potz, den Häusern von Warmershof und einem Teile der Ortschaft Dorp die Ortsbezeichnung Wegberg beigelegt wurde.

1906 wurde die Gasanstalt fertiggestellt. Die Gemeinde Beeck lehnte den Antrag der Gemeinde Wegberg auf einen Gebietsaustausch, durch welchen die in die letztere Gemeinde einschneidenden Gebietsteile der ersteren (Busch, Berg, Freiheid, Forst) nach Wegberg und die zur Gemeinde Wegberg gehörende Ortschaft Großgerichhausen nach Beeck eingemeindet werden sollten, ab.

1907. Im Orte Tüschenbroich wurde für diese Pfarre ein Friedhof angelegt.
1907 fand das Manöver des 8. Armeekorps in hiesiger Gegend statt, wobei vom 7.–9. September in Wegberg 675 Mann und in Rickelrath 181 Mann einquartiert wurden. Die Einquartierten fanden eine überaus herzliche Aufnahme.

1909. Am 12. Juli gegen 3 und 9 Uhr nachmittags gingen außerordentlich starke Gewitter, Unwetter mit Hagelschlägen über den südlichen Teil der Gemeinde nieder, wodurch dort etwa ½ der Ernte beschädigt wurde. Auch die uralte Linde am Forsterkreuz auf der Beeckerstraße wurde dabei umgeworfen.
Bei der regen Bautätigkeit im Orte Wegberg ließ sich die Anfertigung von Fluchtlinenplänen nicht mehr länger aufschieben. Am 29. August 1910 schloß die Gemeinde daher mit einem Ingenieur einen Vertrag wegen Anfertigung solcher Pläne. Letztere wurden 1911 fertiggestellt und 1912 offengelegt.

Historischer Verein Wegberg e.V. - 18.02.2017 - Letzte Änderung: 19.10.2019

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Rathauslatz 21, Wegberger Mühle, 41844 Wegberg
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