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Wegberg im Jahre 1910

Info-, Foto- und Materialzusammenstellung zum Thema


Adolf Vollmer übernahm Ende 1904 die Verwaltung der Bürgermeisterei und Gemeinde Wegberg. Wie er 1912 in seiner Geschichte der Gemeinde Wegberg (1912) schrieb, "fand er das Gemeinde-Archiv in einem außerordentlich schlechtem Zustand."

Die Beschäftigung mit den vorhandenen Archivalien erweckte in ihm "das Interesse an der älteren Geschichte der Gemeinde und den Wunsch, das vorhandene Material zu vervollständigen."


Im Kapitel "Topographisches und Stastistisches" (S. 13-16) geht Adolf Vollmer zunächst auf die Zeit während seiner Tätigkeit als Bürgermeister ein und beschreibt den Zustand der Gemeinde Wegberg im Jahre 1910:


Die Bürgermeisterei Wegberg umfaßt nur die Landgemeinde Wegberg mit folgenden Orten:

Name:                                               Pfarre (kathol.):

Wegberg                                Wegberg
Harbeck-Hau                          Wegberg
Dorp                                      Wegberg
Bißen                                     Wegberg
Watern                                   Wegberg
Großgerichhausen                   Wegberg
Uevekoven                             Wegberg
Rickelrath mit
Bollenberg und Balkhoven       Rickelrath
Tüschenbroich                        Tüschenbroich
Geneiken                               Tüschenbroich
Genfeld                                 Tüschenbroich
Broich                                   Tüschenbroich
Brunbeck                               Tüschenbroich
Klinkum Rektorat                    Klinkum
Petersholz Rektorat                 Klinkum
Arsbeck Rektorat                    Klinkum

Die evangelischen Einwohner gehören zur benachbarten Pfarre Schwanenberg, die jüdischen zur Synagogengemeinde Schwanenberg.

Die Gemeinde zählte bei der Volkszählung 1910 = 910 bewohnte, 52 unbewohnte Wohnhäuser, 930 Haushaltungen, 59 einzellebende Personen, 2334 männliche, 2465 weibliche, zusammen 4799 Einwohner, davon sind 4619 Katholiken, 170 Protestanten, 10 Juden.

Sie gehört zum Kreis Erkelenz des Regierungsbezirks Aachen, zum Amtsgerichtsbezirk Wegberg, Landgerichtsbezirk M.-Gladbach, zum Landwehrbezirks-Kommando Rheydt, zum Oberpostdirektionsbezirk Aachen, zum Eisenbahndirektionsbezirk Cöln.

Die zweigleisige Staatsbahnstrecke M.-Gladbach – Antwerpen durchschneidet die Gemeinde von Osten nach Westen und hat in Wegberg einen Personen- und Güterbahnhof mit regem Verkehr. Ein in Ausarbeitung befindliches Projekt einer Kreisbahn von Erkelenz nach Brüggen durchschneidet die Gemeinde von Süden nach Norden und sieht Bahnhöfe in Tüschenbroich und Wegberg mit Anschluß an die Staatsbahnstrecke in Wegberg vor. Der Ausbau der elektrischen Straßenbahn Rheydt–Rheindahlen nach Wegberg ist nur eine Frage der Zeit. Die Gemeinde wird in außerordentlich günstiger Weise von durchgehenden gut ausgebauten Landstraßen und Wegen durchzogen, insbesondere von den Provinzialstraßen Erkelenz–Wegberg–Kaldenkirchen; Wegberg–Dülken; Wegberg–Arsbeck sowie den durchgehenden ausgebauten Gemeindestraßen Gerderhahn–Wegberg und Wegberg–Beeck–Kipshoven, die sich alle im Hauptorte Wegberg sternförmig schneiden.

Der Gemeindebezirk umfaßt 2939 ha Grundfläche, wovon etwa 570 ha mit Roggen, 25 ha mit Weizen, 450 ha mit Hafer, 210 ha mit Kartoffeln, 160 ha mit Klee bestellt und 25 ha Wiesen sind, von letzteren sind etwa 12 ha Bewässerungswiesen. Die übrige Fläche ist vorwiegend mit Kieferwald und Heide bestanden, oder ist Ödland und Bruch. Der Waldbesitz ist außerordentlich zersplittert. Vielen Eigentümern fehlt das Interesse an einer geregelten Bewirtschaftung und Wiederaufforstung abgeholzter Bestände.

Im südlichen Teile der Gemeinde herrscht guter fetter Lehmboden, im nördlichen Teile Sandboden vor. Mehrere Bäche durchziehen das Gebiet und zwar der im Geneiken und Tüschenbroich entspringende Fußbach sowie der von Beeck–Morshoven kommende Beecker Bach, welche beiden Bäche sich im Orte Wegberg vereinigen. Von dort ab führt der Bach den Namen „die Schwalm“, welche sich unterhalb Roermond in die Maas ergießt. In die Schwalm münden bei Rickelrath noch der Mühlenbach, sowie der Broicher- oder Hellbach. Wegberg, Rickelrath und Tüschenbroich sind wegen ihrer wald- und wasserreichen Umgebung vielbesuchte Ausflugsorte, die namentlich viel aus den Städten M.-Gladbach, Rheydt, Odenkirchen besucht werden.

Der Gemeindebezirk wird begrenzt im Norden von den Gemeinden Kirspelwaldniel und Niederkrüchten, im Westen von den Gemeinden Arsbeck und Wildenrath, im Süden von den Gemeinden Gerderath und Schwanenberg, im Osten von den Gemeinden Beeck und Rheindahlen. Der Westen bildet gleichzeitig die Grenze zum Kreise Heinsberg, der Norden teilweise gleichzeitig die Grenze zum Kreise Kempen, zum Regierungsbezirk Düsseldorf und zum Bistum Münster, der Osten teilweise die Grenze zum Kreise Gladbach und zum Regierungsbezirk Düsseldorf.

Früher eine fast rein ländliche Gemeinde, wird die Gemeinde immer mehr in den nahegelegenen Industriebezirk M.-Gladbach-Rheydt einbezogen, dessen eben erwähnten Hauptstädte nur 15 – 16 km entfernt liegen und wohin überhaupt der gewerbliche Verkehr gravitiert. Die Bevölkerung setzt sich zum größten Teil aus Kleinackerern, Handwerkern und vielen Fabrikarbeitern zusammen. Großgrundbesitz ist außer dem Rittergut Tüschenbroich nicht vorhanden. Die meisten Landwirte bewirtschaften nur bis zu 7½ ha und nur ganz wenige bis zu 25 ha. Die Viehzucht namentlich Rindviehzucht steht auf hoher Entwickelung. Es findet nur Stallwirtschaft statt.

Die Gemeinde zeigt in den letzten Jahren ein erfreuliches Voranschreiten. In dem Jahrfünft von 1905 bis 1910 nahm die Zahl der Einwohner in der Gesamtgemeinde um 5,5%, im Hauptorte Wegberg allein um 10,5% zu, die Zahl der Wohnhäuser stieg insgesamt von 885 auf 958.

Der Hauptort Wegberg ist ein Flecken, hat Eisenbahnstation, Postamt III. Kl., Bürgermeisteramt, Amtsgericht und Notariat, Krankenhaus, Arzt, Tierarzt, Apotheke, mehrere Fabriken und vorwiegend gewerbliches Leben.

Er zählt gegenwärtig 268 bewohnte, 9 unbewohnte Wohnhäuser, 315 Haushaltungen, 675 männliche, 772 weibliche, zusammen 1447 Einwohner. Er bildet mit den dicht dabei liegenden Orten Harbeck (325 Einwohner) und Dorp (100 Einwohner) ein geschlossenes Baugebiet. Der ältere Teil des Ortes ist in dem tiefliegenden Teil des Schwalmgebiets mit hochliegendem Grundwasserspiegel angelegt, in neuerer Zeit wird das höher liegende Gelände am Bahnhof zum Bauen bevorzugt. Der Ort zeigt geschlossene, solide Bauart nach Art eines Landstädtchens und saubere gepflasterte Straßen.

Im Kapitel "Statistisches" zeigt Vollmer umfangreiches Datenmaterial über Bevölkerung, Viehstand, Sterblichkeit, Preisverhältnis und Gemeinderechnungswesen:

Das Lagerbuch der Pfarre Wegberg von 1656 führt S. 57 die Namen der Familien der Pfarre aus dem Jahre 1506 auf und zwar 134 Familien, davon 30 in Klinkum, 19 in Harbeck, 16 in Rickelrath, 47 zu Watern, Tüschenbroich, Uevekoven, Gerichhausen, 22 in Berck (zusammen schätzungsweise 800 Seelen). Nach dem Rentenverzeichnis der Pfarre von 1711 umfaßte die Pfarre um diese Zeit 328 Familien und zwar in Wegberg–Geldern 257 und in Wegberg–Jülich 71 (zusammen schätzungsweise 2000 Seelen).
In dieser Tabelle läßt sich das langsame Anwachsen der Bevölkerungsziffer bis 1866, dann der Niedergang derselben infolge Abwanderung in die Industriestädte und Darniederliegens der Hausweberei verfolgen, bis im letzten Jahrzehnt wieder ein Anwachsen erfolgt. Ferner fällt die hohe Sterblichkeit bis zu den siebziger Jahren auf, namentlich im Jahre 1846. Teilweise überstiegen die Sterbefälle die Zahl der Geburten oder kommen ihr ganz nahe. In den letzten 20 Jahren sind die Sterblichkeitsverhältnisse günstiger geworden, was auch aus folgender Tabelle hervorgeht:
Die früher stark verbreitete Lungentuberkulose ist sehr zurückgegangen,
es starben daran 1908 = 4, 1909 = 7, 1910 = 4 Personen.
An Diphterie erkrankten 1908 keine, 1909 = 10 Personen, 1910 niemand.
Unterleibstyphus kam nur 1908 und 1909 je ein Fall vor.

Historischer Verein Wegberg e.V. - 18.02.2017 - Letzte Änderung: 19.10.2019

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