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Panorama-Aufnahme Wegberg mit Burg Wegberg, Forum, Wegberger Mühle, Rathaus und Pfarrkirche St. Peter & Paul, Foto: Heinen
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Wegberger Ortsteile > Rath-Anhoven

Details zur Ausstattung der Kirche St. Rochus
Die Mettlacher Fliesentableaus
im Chorraum der Pfarrkirche St. Rochus in Rath-Anhoven
Vorwort
Vielen Dank, dass Sie auch diese Seite aufgerufen haben.
Eine Beschäftigung  mit diesem Thema seitens des Historischen Vereins Wegberg fand erstmals im Oktober 2011 statt. Ich hatte die Aufgabe übernommen, eine Radtour durch die Pfarre Rath-Anhoven vorzubereiten und ein Heft im Rahmen unserer Reihe "Unterwegs in Wegberg zu erstellen. Hierbei fand ich Unterstützung beim Mitglied des Kirchenvorstandes und Pfarrgemeinderates Johannes Wyen (+2021), der sich über viele Jahre um die Angelegenheiten der Kirche gekümmert und die Renovierungsarbeiten begleitet hat. Von Ihm erfuhr ich damals, dass es sich bei den beiden Fliesentableaus um Mettlacher Fliesen der Mosaik-Manufaktur Villeroy & Boch handelt
Eine intensivere Beschäftigung erfolgte erst 2023, als weitere Renovierungsarbeiten in der Kirche anstanden.
Hermann-Josef Heinen
Fliesentableau "Päpstliches Wappen"", Villeroy & Boch,
Fotos (2): Hermann-Josef Heinen, Okt. 2011
Fliesentableau "St. Georg im Kampf mit dem Drachen", Villeroy & Boch
s.a.: Unterwegs in Wegberg, Ausgabe 1/2011
Die Fliesentableaus in der Kirche St. Rochus Rath-Anhoven
Bei den in der Beschreibung der Kirche erwähnten Renovierungsarbeiten Mitte der achtziger Jahre wurde auch der Chorraum und der Altar umgestaltet. Wie der Zeitzeuge Johannes Wyen später berichtete, wurde dabei der fest verklebte Teppichboden im Chor entfernt und man entdeckte zur allgemeinen Überraschung einen Boden mit Keramikfliesen. Das Erstaunen war um so größer, als man zwei großflächige Fliesen-Tableaus vorfand. Diese zeigten ein Motiv, das unmittelbar als „St. Georg im Kampf mit dem Drachen“ erkannt wurde und ein Motiv, das eine Tiara und zwei Engel zeigen, die einen Wappenschild halten, auf dem zwei Schlüssel abgebildet sind: ein Motiv, dass offensichtlich zu Ehren eines Papstes entstanden war..
Die Fliesentableaus wurden als Mettlacher Fliesen der Manufaktur "Villeroy & Boch" erkannt. Über die Bedeutung dieser "Entdeckung" war man sich nicht im Klaren, sodass auch keine Mitteilung an zuständige "Denkmalbehörden" erfolgte.
Wie Johannes Wyen mir berichtete, ist im Rahmen der oben genannten Umbaumaßnahmen der gesamte Fliesenboden im Chorraum aufgenommen worden und anschließend durch einen örtlichen Fliesenleger neu verlegt worden. Dies sei erforderlich gewesen, da ansonsten die Fliesentableaus durch den neuen Altar verdeckt worden wären.
Wie Johannes Wyen weiterhin erklärte, seien die Fliesen damals allerdings "falsch" verlegt worden, leider ohne dies näher zu erläutern. Inzwischen weiß ich, was er damit meinte: Zunächst hatte ich vermutet, dass die Fliesentableaus abweichend von der Anordnung wie im Musterblatt der Mosaik-Fabrik "Villeroy & Boch" nicht zusammenhängend verlegt worden seien. Wie ich inzwischen bei Besuchen in Kirchen wie in Rhede (Westfalen) sowie Raalte und Schalkwijk (beide Niederlande) entdeckte, sind die Fliesentableau dort stets als Raute verlegt worden.
Gott sei dank sind in St. Rochus bei Neuverlegung der Tableaus - anders als in anderen Kirchen geschehen - keine umrandeten Text-Fliesen vertauscht worden.
Heutige Lage des Fliesentableaus "Sankt Georg kämpft mit dem Drachen", Foto: Hermann-Josef Heinen, April 2023
Heutige Lage des Fliesentableaus "Sankt Georg kämpft mit dem Drachen" im Chorraum der Pfarrkirch St. Rochus, Foto: Hermann-Josef Heinen, April 2023
Das Tableau "St. Georg" besteht aus einem mehrteiligen Fliesenbild, das innere Bildmotiv wiederum aus 16 Bildfliesen von 17 x 17 cm, insgesamt also 68 x 68 cm groß. Es zeigt  St. Georg als Ritter auf einem Pferd im Kampf mit dem Drachen.
Umrandet ist das Fliesenbild mit weiteren 16 rechteckigen Fliesen (17 x 8,5 cm) auf denen ein lateinischer Text zu lesen ist sowie mit vier quadratischen Fliesen (8,5 x 8,5 cm) an den Ecken des Motivs. Der Text lautet:
Zeile oben:    GEO  RGI   US.F  IDE
Zeile rechts:  LMS  .MIL   ES.X   RI.O
Zeile unten:   FELI   X.ET  .INCL ITUS
Zeile links:    .DNI.   PRO   ELIA  TOR
Dies ergibt zusammengefügt, mit Ergänzungen in Kleinbuchstaben im Uhrzeigersinn zu lesen:
GEORGIUS . FIDEL issi MuS MILES . XRI . OFELIX . ET . INCLITUS . DomiNI. PROELIATOR
      dt.: Georg, getreuer Soldat Chrisiti, glücklicher und berühmter Krieger des Herrn

Sankt Georg (lateinisch: Georgius) ist ein legendärer christlicher Heiliger. Er erlitt   gemäß Überlieferung unter Diokletian (284-305) ein Martyrium. Sankt Georg zählt zu den vierzehn Nothelfern. Seine Attribute, sind seine Darstellung als Ritter mit Lanze und der von ihm getötete Drache.

Zur Hervorhebung gegenüber dem restlichen Fliesenboden ist das Tableau mit einfachen grauen 8,5 cm breiten Fliesen eingerahmt, sodass sich ein Gesamtmaß von 102 x 102 cm ergibt.
Heutige Lage des Fliesentableaus "Wappen von Papst Leo XIII." im Chorraum der Pfarrkirche St. Rochus, Foto: Hermann-Josef Heinen, April 2023
Das Tableau "Papstwappen" besteht ebenfalls aus einem mehrteiligen Fliesenbild mit den gleichen Maßen wie das Fliesentableau "St. Georg".  
Es zeigt  eine Tiara, die Papstkrone und von zwei Engeln gehaltenes Wappenschild des Papstes. Die Schlüssel sind das Attribut des Apostels Petrus und verweisen auf die Bindegewalt des Papstes als Nachfolger Petri und Stellvertreter Jesu Christ auf Erden.
Umrandet wird das Fliesenbild mit weiteren 16 rechteckigen Fliesen (17 x 8,5 cm) auf denen ein lateinischer Text zu lesen ist sowie mit vier quadratischen Fliesen (8,5 x 8,5 cm) an den Ecken des Motivs.. Der Text lautet:
1. Zeile:   CLA   VES   REG  NI.C
2. Zeile:   OEL   ORU  MTR  ADID
3. Zeile:   I .                          TIBI
4. Zeile:   MAT  H C.X VI .   V.XIX
Dies ergibt zusammengefügt, im Uhrzeigersinn zu lesen:
CLAVES REGNI COELORUM TRADID I. TIBI MATH C.XVI V.XIX
oder: claves regni coelorum tradis i tibi Math C.XVI V.XIX
   dt.: Ich gebe dir die Schlüssel des Himmelreichs, Matthäus, Capitel 16, Vers 19

Das "Papstwappen" selber gibt zunächst keinerlei Anhaltspunkte, ob ein bestimmter Papst gemeint sein könnte, der hierdurch eine Würdigung erfahren habe könnte.
Wie "St. Georg" ist auch das "Papstwappen" zur Hervorhebung gegenüber dem restlichen Fliesenboden mit einfachen grauen 8,5 cm breiten Fliesen eingerahmt, sodass sich ein Gesamtmaß von 102 x 102 cm ergibt.
Auf der Suche nach ...
St. Georg und Leo XIII.
Die Darstellung des Heiligen Georg als Drachentöter ist allgemein bekannt. Weitere Erklärungen finden Sie weiter unten auf dieser Seite unter Erläuterungen und Hintergründe.
Schwieriger gestaltete sich die Erklärung des "Papstwappens". Die Darstellung gibt zunächst keinen Hinweis, um welchen Papst es sich handelt. Eine Bildsuche im Internet war hilfreich, als ich auf die Website "Die Geschichte der Fliese" von Wilhelm Joliet stieß und auf das Werksarchiv der Mosaik-Fabrik Villeroy & Boch in Mettlach aufmerksam wurde.
Dort findet sich ein Musterblatt, dass die beiden Motive als einen gemeinsamen Entwurf zeigt. Dieses diente als Vorlage für die Produktion von Villeroy & Boch als Motiv No. 516 für den "St. Georg" und als Motiv No. 517 für das "Papstwappen".
Heutige Lage des Fliesentableaus "Sankt Georg kämpft mit dem Drachen", Foto: Hermann-Josef Heinen, April 2023
Ausschnitt aus einer Mappe mit 184 Musterblättern der Mosaik-Fabrik Villeroy & Boch, Mettlach 1886 (Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, 32/80213)
Dieses Musterblatt wurde entworfen von Philipp Baum (1849-1886), einem Architekten mit dem Schwerpunkt auf kunstgewerbliche Arbeiten. Seine bedeutendsten Entwürfe für Villeroy & Boch sind für die Bodenfliesen aus Mettlacher Platten und die Stiftmosaike für die Stiftskirche zu Einsiedeln der Schweiz.
Zu welchem Anlass und warum Philpp Baum diesen Entwurf anfertigte und weshalb er diese Zusammenstellung von Papstwappen und St. Georg wählte, erfahren Sie weiter unten auf dieser Seite unter Weitere Erläuterungen und Hintergründe.
Das Jahr der Entstehung bzw. der Veröffentlichung des Entwurfs 1886 lässt nun einen Rückschluss auf den damals amtierenden Papst zu. Es handelt sich um Papst Leo XIII. (* 2. März 1810 in Carpineto Romano als Vincenzo Gioacchino Pecci; † 20. Juli 1903 in Rom). Er war von 1878 bis 1903 der 256. Papst der römisch-katholischen Kirche.
Anlass dieses Entwurf war vermutlich das anstehende Goldene Priesterjubiläum von Leo XIII. zum Jahreswechsel 1987/88. Leider konnte Philipp Baum diese außerordentlichen Feierlichkeiten nicht mehr erleben.
Mehr zu diesem Papst und seinem Wirken während des Kulturkampfes sowie über die anschließende besondere Verehrung bei der katholischen Bevölkerung können Sie weiter unten auf dieser Seite unter Historische Hintergründe lesen.
Exkurs: Villeroy & Boch Keramische Werke - Mosaik-Fabrik (Mettlach)
Die Villeroy & Boch AG geht  auf eine Töpferei in Autun-le-Tiche in Lothringen zurück, die der  Eisenschmelzer Jean-François Boch (1700-1754) 1748 dort gegründet hatte.  Der heutige Name entstand 1836 anlässlich der Fusion mit der  Steingutfabrik Villeroy. Diese war 1791 von Nicolas Villeroy (1759-1843)  in Wallerfangen ins Leben gerufen worden. 1843 eröffnete das erste  gemeinsame Werk, die Cristallerie. 1856 wurde die erste selbstständige  Steingutfabrik in Dresden gegründet, 1869 eine Mosaikfabrik in Mettlach  im Saarland.
Mit diesen Mosaikplatten wurden zunächst - entsprechend dem Boom an neuen Eisenbahnlinien - Bahnhöfe ausgestattet. Ab den 1870er Jahren traten Kirchen hinzu, insbesondere ab den 1880er Jahren im Zuge der Entspannung des Kulturkampfes in Württemberg, Elsass-Lothringen, den linksrheinischen Bistümern Trier, Aachen und Köln sowie im Ruhrgebiet, wie auch Schlösser und Villen, seit den 1890ern auch Krankenhäuser, Molkereien und Maschinenräume.
1890 gestaltete Villeroy  & Boch ein Bodenmosaik für den Kölner Dom, ein Bauwerk von hohem nationalen Symbolgehalt, das im 19. Jahrhundert  wiederaufgebaut wurde. Innerhalb von fünf Jahren wurde dieses 1300 qm  messende Mosaik angefertigt und verlegt.
Das Werksarchiv der Mosaikenfabrik Villeroy & Boch
Im Werksarchiv der Firma Villeroy & Boch gibt es ein "Verzeichnis der größeren öffentlichen Bauten", in welchen in den Jahren 1852 bis 1894 Mettlacher Mosaik- und Wand-Platten-Verblender sowie Stiftmosaiken ausgeführt wurden.
Dem Verzeichnis des Werksarchivs können detaillierte Informationen über Jahrgang, Namen der Bauten bzw. Kirchen, Verlegeorte und verlegte Fläche entnommen werden, so sind z.B. auf Seite 29 für die kath. Kirche in Immerath bei Erkelenz sind im Jahr 1890 450 qm Mettlacher Mosaikplatten nachgewiesen. Leider finden sich keine Hinweise für die Verlegung in St. Rochus Rath-Anhoven.
Mosaikfliesen in Deutschland
- Verlegeorte der Fliesentableaus "St. Georg" und "Papstwappen"
In seiner ausführlichen Beschreibung der "Geschichte der Fliese" führt Wilhelm Joliet drei Kirchen in Deutschland auf, in denen die Tableaus "St. Georg" (No. 516) und das "Papstwappen" (No. 517) und verlegt worden sind.
  • die Liebfrauenkirche in Dortmund
  • die Pfarrkirche St. Gudula in Rhede und
  • in der Sankt-Anna-Kapelle in Haltern am See.

Bis zum April 2023 waren Herrn Joliet die Fliesentablaus in derKirche St. Rochus in Rath-Anhoven nicht bekannt.
> Siehe hierzu im Folgenden meine Recherchen, meist auch vor Ort.

Mettlacher Bildplatten in der Liebfrauenkirche in Dortmund
Die Kirche wurde von 1881 bis 1883 nach dem Entwurf von Oberbaurat Schmidt (Wien) erbaut, damals die größte Kirche Deutschlands
Anlässlich des Goldenen Priesterjubiläums von Papst Leo XIII am 31. Dezember 1987 wurden die beiden Entwürfe von Philipp Baum durch die Mosaik-Fabik Villeroy & Boch hergestellt und erstmals  in der Liebfrauenkirche in Dortmund verlegt.
Allerdings sind die beiden Bildplatten nicht mehr zu sehen. Nach Auskunft von Frau Strotmeier von der Liebfrauenkirche in Dortmund wurden die Mettlacher Bodenfliesen bis auf kleine Reste während des Zweiten Weltkriegs zerstört.
Das Kirchengebäude wurde teilprofanisiert und wird seit 2009 als Grabeskirche Liebfrauen genutzt.
Quellen & weitere Informationen:
Grabeskirche Liebfrauen in Dortmund, Foto: Mathias Bigge
Während des Zweiten Weltkriegs, besonders in der Bombennacht zum 5. Mai  1943, wurde die Liebfrauenkirche stark beschädigt. Das Dach und Gewölbe waren total zerstört, die beiden Seitenwände wiesen klaffende Lücken auf, Maßwerk der Fenster und die Inneneinrichtung waren bis auf wenige Ausnahmen vernichtet.
Grundriss Grabplan
Mettlacher Mosaikplatten in der Sankt-Anna-Kapelle Haltern am See
Die Wallfahrtskapelle in Haltern auf dem Sankt Annaberg ist der hl. Anna Selbdritt gewidmet. Anna Selbdritt bezeichnet eine Darstellung der heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind.
Die schon 1378 als St. Anna Selbdritt erwähnte Kapelle ist seit 1556 Ziel von Wallfahrten. Die heutige schlichte Kapelle wurde 1674 als Saalkirche mit eingezogenem Altarraum erbaut. Zur Ausstattung gehört das im 15. Jahrhundert geschnitzte Gnadenbild Anna Selbdritt.
Sankt-Anna-Kapelle bei Haltern am See
Laut Werksarchiv der Mosaik-Fabrik Villeroy & Boch Mettlach wurden im Jahrgang 1880/81 85 qm Mosaikplatten für die Kirche in Haltern geliefert und  verlegt. Hierbei handelt es sich laut Wilhelm Joliet eindeutig um die keramischen Bodenbeläge in der Wallfahrtskapelle.
Fliesentableau "Papstwappen",
in der Sankt-Anna-Kapelle bei Haltern am See
Fliesentableau "Sankt Georg",
in der Sankt-Anna-Kapelle bei Haltern am See
Ob allerdings sich die abgebildeten Tableaus heute noch in der Kapelle befinden, ist fraglich. Wie in der Chronik zu "Annaberg" zu lesen ist, wurde 1970 der Altarraum umgestaltet. Ob dabei die Mosaike entfernt oder zerstört wurden, bedarf noch einer Klärung.
Mettlacher Mosaikplatten in der Pfarrkirche St. Gudula in Rhede
Laut Wilhelm Joliets "Geschichte der Fliese" wurden Fliesen aus Mettlach, im Besonderen auch verschiedene Fliesentableaus nach den Entwürfen von Philipp Baum nicht nur in der Liebfrauenkirche in Dortmund, sondern auch später in St. Gudula (Baubeginn 1898) in Rhede verlegt. Wie Diakon Heiner Renzel vorab mitteilte, sind trotz umfangreicher Umbaumaßnahmen noch viele Bodenfliesen und Mosaik-Tableaus von Villeroy & Boch im Gegensatz zu den in der Liebfrauenkirche Gott sei Dank noch erhalten.
Fotos aus St. Gudula: Hermann-Josef Heinen
Der Bau wird von Fachleuten als bedeutendstes Exemplar einer neugotische Kirche im Westmünsterland bewertet, auch wegen ihrer vorzüglich dazu passenden, kunsthandwerklich wertvollen neugotischen Innen-ausstattung, die weitgehend erhalten blieb. Auch die großartigen Farbfensterbänder haben den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Neben dem Hauptaltar, den zwei Seitenaltären (Marien- und Josefsaltar) und dem reichverzierten Chorgestühl haben sich von der Originalausstattung unter anderem noch zahlreiche Skulpturen, die Beichtstühle, die prachtvolle, aus Eichenholz geschnitzte Kanzel erhalten.
Der Kirchenraum wurde in den 60er Jahren umgebaut. Im Zentrum wurde ein neuer Altarraum auf  einer das Oktogon aufgreifenden achteckigen Altarinsel mit Altartisch  und Ambo aus weißem Carrara-Marmor gebildet.
Wie auf dem Foto erkennbar, wurden hierbei allerdings neue "moderne" Bodenfliesen verlegt. Immerhin wurden die besonderen Bildmotive von Villeroy und Boch weiterhin verwendet und an anderer Stelle verlegt.
Leider ist beim Verlegen des Fliesentableaus "St. Georg" - wie auch in anderen Kirchen - ein Missgeschick passiert: Zwei umrandende Textfliesen sind hiebei vertauscht worden
Detail-Aufnahme: Fliesentableau "St. Georg" - ohne umliegenden Fliesenboden
Fläche zwischen Oktogon und Fläche vor dem Hochaltar
Vor dem Hochaltar ist eine eine große Fläche mit Mosaik-Fliesen von Villeroy & Boch verlegt worden.
Detail aus der Fläche: Der Hirsch, der Schlangen zertrampelt, gilt als Bezwinger des Bösen
In den Seitenschiffen findet sich weitere Motive mit dem Hirsch, umrandet mit Mosaiken von Villeroy & Boch.
An der Ecken der Fläche vor dem Hochaltar finden sich vier kultur- und   architekturgeschichtlich   wertvolle Mettlacher Mosaikplatten.
Der Löwe symbolisiert das Element Erde.
Der Adler symbolisiert das Element Luft.
Der Fisch symbolosiert das Element Wasser.
Der Salamander symboliisiert das Element Feuer
Zur Bedeutung von St. Gudula in Rhede
Pfarrpatronin war von Anbeginn die heilige Gudula aus Brabant/Belgien
(* um 650, + 8.Jan.712). Es ist das einzige Gudula-Patrozinium in Deutschland.
Mit dem heutigen Kirchbau wurde im Jahre 1898 begonnen, der bereits nach dreijähriger Bauzeit vollendet war.
Die Einweihungsfeierlichkeiten fanden am 12. Juni 1901 statt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich eine kunstgeschichtliche Wende durchgesetzt, wonach die klassizistische Neubaugestaltung zugunsten der neuen Form "Neugotik" weichen musste. Der Kirchenvorstand beauftragte das in dieser Bauform hervorragend geeignete Architekturbüro Hertel in Münster mit der Planung und Realsisierung des Neubaues. Vorrangig war es Regierungsbaumeister Hilger Hertel der Jüngere, der hier in den Jahren 1898 bis 1901 sein neugotisches Meisterwerk setzte.
> Fotos aus der Kirche St. Gudula: Hermann-Josef Heinen
> Weitere Fotos aus St. Gudula in Rhede sehen Sie in einer > Bildergalerie (i.V.)
Mettlacher Fliesen in Kirchen in den Niederlanden
- Verlegeorte der Fliesentableaus "St. Georg" und "Papstwappen"
Auch in den Niederlanden setze sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts der neugotische Stil beim Bau von Kirchen durch. Neben Pierre Cuypers war Wilhelm Victor Alfred Tepe (* 1840 in Amsterdam - † 1920 in Düsseldorf) einer der bedeutensten Architekten der Neugotik in den Niederlanden.
Die Tätigkeit der St. Bernulphusgilde ist in einem Kirchenfenster der St. Michaelskirche in Schalkwijk festgehalten.
Tepe war führender Architekt der St. Bernulphusgilde, einer Gruppe katholischer Geistlicher, die die Wahrung der nationalen Tradition und Fachkunde in religiöser Kunst und Architektur zum Ziel hatten und die in der niederländischen Neugotik großen Einfluss hatte.
Die durch die niederrheinische Gotik inspirierte Neugotik dieser Utrechter Schule unterscheidet sich deutlich von der moderneren Amsterdamer Schule  rund um Cuypers.
Tepes Kirchen zeichnen sich durch einen meist einfachen, aber  durchdachten Baustil aus, mit nach Möglichkeit hohen Westtürmen.  Aufwändige Ornamente an den Außenseiten sucht man vergeblich. Ausnahme  sind die typisch rheinländischen Balustraden, Nischen und Ziertürmchen  an den Stirnfassaden an einigen von Tepes Bauwerken.
Von 1865 bis 1867 arbeitete Tepe in Köln für einen der wichtigsten deutschen Architekten der Neugotik, Vincenz Statz, und war auch an der Restauration des Kölner Doms beteiligt. 1867 kehrte Tepe nach Amsterdam zurück, wo er bei einem Architekten namens Ouderterp arbeitete. 1872 zog er nach Utrecht. Dort wurde er zu einem der wichtigsten Unterstützer der St. Bernulphusgilde.
Insbesondere der Gebrauch von einheimischen Materialien wie Backsteine war von Bedeutung. So entwarf Tepe zwischen 1871 und 1905 70 Backsteinkirchen. Die Innenausstattung der Kirchen wurde in vielen Fällen durch Künstler, die ebenfalls der St. Bernulphusgilde angeschlossen waren, ausgeführt. Alfred Tepe arbeitete in mehreren Kirchen, so auch in Raalte, mit dem Bildhauer Friedrich Wilhelm Mengelberg (* 1837 Köln - † 1919 Utrecht) zusammen.
P. M. Heijmink Liesert führt in seinem Buch über die Kirche in Schalwijk "De Kathedraal van het Sticht" eine Reihe von Kirchen auf, die von Architekt Alfred Tepe entworfen worden sind:
  • 1874–1875 Jutphaas: St. Nikolauskirche (Sint-Nicolaaskerk)
  • 1874–1876 Arnhem: St. Martinskirche (Sint-Martinuskerk)
  • 1876 - Mijdrecht-Wilnis
  • 1876–1877 Utrecht: St. Willibrord (Utrecht) (Sint-Willibrorduskerk)
  • 1877 - Beesd
  • 1878–1879 Schalkwijk: St. Michaelskirche (Sint-Michaëlskerk)
  • 1879 - Vianen
  • 1880–1881 Harlingen: St.-Michael-Kirche (Sint-Michaëlskerk)
  • 1881–1883 Amsterdam: Sint-Franciscus Xaveriuskerk
  • 1883 - Vinkeveen
  • 1885 - Houten
  • 1885 - Maarsen
  • 1885–1887 IJsselstein: St. Nikolauskirche (Sint-Nicolaaskerk)
  • 1888 - Benschop
  • 1891–1892 Raalte: Kreuzerhöhungsbasilika (H. Kruisverheffingskerk)
  • 1895–1897 ’s-Heerenberg: St. Pankratius
  • 1897 Tubbergen: St. Pancratius
  • 1899 - Everdingen
  • 1899–1901 Utrecht: Sint-Martinuskerk
  • 1904–1906 Bawinkel: St. Alexander

Für Bodenbeläge in den von Tepe erbauten Kirchen hatte Villeroy & Boch Mettlach fast eine Monopolstellung. Besonders schöne Arbeiten mit Mettlacher Platten wurden von Villeroy & Boch in folgenden Kirchen ausgeführt:
  • 1887 - Heilige Michaëlkerk in Schalkwijk
  • 1889 - Sint Nicolaasbasiliek in Ijsselstein
  • 1890 - Onze-Lieve-Vrouwe-Hemelvaart in Vianen
  • 1891 - Onze-Lieve-Vrouwe-Hemelvaart in Houten
  • 1891-92 - Basiliek van de Heilige Kruisverheffing in Raalte

In St. Michael in Schalkwijk und in der Kreuzerhöhungskirche in Raalte wurden auch die Mettlacher Bildtafeln No. 516 "St. Georg" und No. 517 "Papstwappen" verlegt. (siehe die weiteren Ausführungen)

Wilhelm Joliet nennt auf seiner Website "Die Geschichte der Fliese" noch zwei weitere Kirchen in den Niederlanden:
  • St. Antonius von Padua in Kortenhoef und in der
  • Petrus und Paulus-Kirche in Hengevelde
Er beruft sich hierbei auf die Publikationen von P.M. Heijmink Liesert. Er belegt dies allerdings lediglich mit Fotos aus Raalte und einem Foto (St.Georg) aus Schalkwijk.


Mettlacher Bildplatten in der Kreuzerhöhungsbasilika in Raalte, Overijssel, NL
Die zum Erzbistum Utrecht gehörende römisch-katholische "Basiliek van de Heilige Kruisverheffing" wurde in den Jahren 1891 und 1892 als dreischiffige Hallenkirche mit Turm nach einem Entwurf von Alfred Tege in neugotischem Stil errichtet.
Basiliek van de Heilige Kruisverheffing in Raalte, NL, Overijssel
Der neugotische Hochaltar und zwei Seitenaltäre wurden in der Werkstatt von Friedrich Wilhelm Mengelberg, wie Alfred Tepe Mitglied der St. Bernulphusgilde, ausgeführt.
Petrus Matthias Snickers, Erzbischof von Utrecht, weihte die Kirche am 19. Oktober 1892 ein. Sie erhielt neben dem Patrozinium des heiligen Kreuzes auch das des hl. Antonius von Padua. Am 25. April 1992 wurde die Kirche zur ‚Basilika minor‘ erhoben. Dies ist ein Ehrentitel, den der Papst einem bedeutenden Kirchengebäude verleihen kann. Die Kreuzerhöhungsbasilika ist als Rijksmonument 32265 eingetragen.
Architekt Alfred Tepe ließ 1891 die Kirche in Raalte umfangreich und mit besonders schönen Motiven aus der Mosaik-Fabrik Villoroy & Boch ausstatten. Da es in Raalte - Gott sei dank - keine Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen gegeben hat, finden sie sich auch heute (2025) noch an den originalen Verlegeorten. Hierzu zählet ein sternenförmiges Ornament, das bereits im Eingangsbereich beeindruckt. Auch findet sich in Raalte vor dem Altarpodest das Fliesentableau "St. Georgius" (St. Georg, ndl. St. Joris, V&B, No. 516) sowie in den beiden Seitenschiffen vor den Seitenaltären das Fliesentableau "Papstwappen" (V&B, No. 517) gleich zweifach!
Sternenförmiges Ornament im Eingangsbereich der Kirche
Fliesen-Tableau "St. Geogius" vor dem Altarpodest
Detail: Sternenförmiges Ornament im Eingangsbereich der Kirche
Detail: Fliesen-Tableau "St. Geogius" vor dem Altarpodest
Mosaik-Tableau "Papstwappen" vor dem linken Seitenaltar
Mosaik-Tableau "Papstwappen" von dem rechten Seitenaltar
Detail; Fliesen-Tableau "Papstwappen"
Quellen:
Geschiedenis van Raalte, Th. A.M. Thielen en H. Kruisverheffing 1892-1992, W.G.Th. Ramaekers o.s.b
Fotos:
Hermann-Josef Heinen, 2025
> weitere Fotos von der Kirche sehen Sie in einer Bildergalerie (i.V.)
Mettlacher Fliesen in der Pfarrkirche St. Michael in Schalkwijk, NL
Schalkwijk ist ein Ort in der Provinz Utrecht. Die H.Michaëlkerk ist eine römisch-katholische Pfarrkirche im niederländischen Dorf Schalkwijk (Gemeinde Houten). Die Kirche ist dem Erzengel Michael geweiht.
Die St.-Michael-Kirche stammt aus dem Jahr 1879 und ist eine neugotische Kreuzbasilika. Der Hauptarchitekt ist Alfred Tepe. Die Innenausstattung wurde von Friedrich Wilhelm Mengelberg entworfen. Die Kirche hat einen hohen Westturm.
Pfarrkirche St. Michael in Schalkwijk, NL
H.Michaëlkerk in Schalkwijk
Gemeinde Houten, Provinz Utrecht
Jonkheer Ramweg 18,
3998 JP Schalkwijk, Niederlande
Telefon: +31 6 29473968
Die St. Michaelskerk in Schalkwijk wurde in der Jahren 1877 bis 1879 erbaut. Man nennt sie auch "De Kathedral an het Sticht" (so auch der Titel des Buches von P.M. Heijmink Liesert). Sie verdankt diesen Namen ihrer enormen Höhe und Größe.
"Het Sticht" war das Gebiet, über das die Bischöfe von Utrecht im Mittelalter ihre Herrschaft als lokale weltliche Autorität ausübten.
Die St. Michaeliskirche ist einer der Höhepunkte in der Karriere des Architekten Alfred Tepe. Sie ist eine große, dreischiffige, kreuzförmige Basilika im neugotischen Stil. Nur wenige Kirchen sind so reich mit Ornamenten wie diese verziert, mit Nischen, Balustraden und Fialen. Das Querschiff ist viel detailreicher als üblich für Tepe und zeigt Einflüsse der norddeutschen Gotik.
Der Turm ist mit Blendnischen verziert; die tribünenartigen Nischen im dritten Turmsegment wurden von denen der reformierten Kirche in Houten inspiriert. An der Südseite des Chors befindet sich eine achteckige Sakristei mit einem hölzernen Dachreiter. Das Seitenschiff hat auf der Nordseite einen polygonalen Abschluss, auf der Südseite ist ihm eine polygonale Kapelle vorgelagert. Beidseitig des Mittelschiffs schließen sich an die Seitenschiffe kleine Räume an. Der südliche Raum besitzt einen achteckigen Treppenturm.
Der Innenraum Pfarrkirche St. Michael in Schalkwijk beeindruckt durch seine polychrome und farbenfrohe Bemalung und aufwändige Boden- und Wandfliesen.
Nach der Restaurierung 2010/11 erstrahlt der Innenraum von allen Seiten. Anschließend wurde die polychrome und farbenfrohe Bemalung fachmännisch gepflegt, die die Mitglieder der St. Bernulophus-Gilde hier Ende des 19. Jahrhunderts geschaffen haben.
Der Innenraum Pfarrkirche St. Michael in Schalkwijk beeindruckt durch seine polychrome und farbenfrohe Bemalung und aufwändige Boden- und Wandfliesen.
Andachtsstatuette der "Maria van Schalkwijk" aus dem 14. Jh. vor der aufwendigen Wandgestelatung mit Wandfliesen der Mosaik-Fabrik Villeroy & Boch
Figur des Heilgen Antonius von Padua, Otto Maria Maximilian Mengelberg (Aachen-Burtscheid 1867 - Utrecht 1924), vor der aufwendigen Wandgestelatung mit Wandfliesen der Mosaik-Fabrik Villeroy & Boch
P.M. Heijmink Liesert hat auch zur Verlegung der Bodenfliesen recherchiert und dies ausführlich in seinem Buch über die Schalkwijker Kirche geschildert. Als Zeitraum der Verlegearbeiten der Mettlacher Boden und Wandfliesen nennt er den August 1887. Darüber hinaus kann er auch die Stifter mit ihrem Namen und die Höhe der Spenden belegen.
Die kurze Bauzeit der Kirche von 1877 bis 1879 blieb nicht ohne Folgen, denn einige Jahre später traten Mängel zutage. Aufsteigende Feuchtigkeit beschädigte den Innenraum und es entstanden Risse im Mauerwerk. Letztlich befand sich die Kirche in einem so schlechten Zustand, dass über einen Abriss nachgedacht wurde. Glücklicherweise wurde 1930 eine andere Entscheidung getroffen.
Auch der Mettlacher Fliesenboden war in einem sehr schlechten Zustand. Bei der umfangreichen Restaurierung 1931–1933 wurde der Boden 1931 entfernt und im Juli 1932 weitgehend neu verlegt. Der Boden wurde 1987 erneut restauriert.
Im Februar 2010 wurde erneut mit der grundlegenden Stabilisierung und Sanierung der Kirche begonnen. Die abgeschlossene Restaurierung wurde am 2. Juni 2011 feierlich gefeiert. Der Mettlacher Fliesenboden ist wieder ein wesentlicher Bestandteil der Innenausstattung von St. Michael.

Gleich im Eingangs wurden die auch in Raalte verlegten Fliesentableaus mit den Tiersymbolen verlegt, allerdings mit einer anderen Randeinfassung.
Fliesentableau "Löwe"
Fliesentableau "Fisch"
Fliesentableau "Adler"
Fliesentableau "Salamander"
Vor den Seitenaltären und Gängen finden sich weitere Motivfliesen.

Fliesentableau "Hirsch mit Schlange" in der Pfarrkirche St. Michael in Schalkwijk, NL
Bodenfliese in der Pfarrkirche St. Michael in Schalkwijk, NL.
Vor dem Altarpodest im Kirchenschiff ist ein großes Fliesentableau in den Boden eingearbeitet, das Georgius oder den Heiligen Georg in Rüstung zu Pferd zeigt.
 
 
Georgius oder St. Georg ist das Symbol des kämpferischen Christen, der die Kirche verteidigt. Er wurde zum Schutzpatron der Ritter (insbesondere der Kreuzfahrer), der Kavallerie und der Pfadfinder.
Fliesentableau "St. Georg"
Fliesentableau "St. Georg" in der Pfarrkirche St. Michael in Schalkwijk, NL
Bei den Renovierungsarbeiten 1931-1932 ist ein Missgeschick passiert: P.M. Heijmink Liestert (1995, S.51-52) schreibt hierzu (dt. Übersetzung):
Sechzehn Kacheln mit Text wurden wie eine Randbeschriftung um das Kacheltableau herum platziert. Bei der Restaurierung im Jahr 1931 wurden alle Fliesenböden aus dem Kirchengebäude entfernt und 1932 zurückgegeben oder durch andere ersetzt. Die sechzehn Kacheln rund um das Kacheltableau des Heiligen Georg wurden nicht in der richtigen Reihenfolge zurückgegeben. Dies wurde später entdeckt, aber es konnte nichts geändert werden.
1987 wurde dieses Tableau, das 1964 unter der provisorischen Altarbühne gelandet war und daher nicht mehr sichtbar war, durch die Platzierung vor der letzten Altarbühne wieder sichtbar gemacht. Aufgrund der Unwissenheit der am Umzug im Jahr 1987 beteiligten Personen wurden die Fliesen nicht in der richtigen Reihenfolge verlegt.
Der Text in der Reihenfolge der sechzehn Kacheln lautet jetzt: GEO RI.O US.F IDE LMS TOR .DNI. X.ET. FELI ELIA PRO RGI .MIL ES.X .INCL ITUS
Die richtige Reihenfolge sollte sein: GEO RGI US.F IDE LMS .MIL ES.X RI.O FELI X.ET .INCL ITUS .DNI. PRO ELIAH TOR
Der korrekte Text lautet dann: Georgius fidel(issi)m(u)s miles Xri (= Christi) o felix et inclitus D(omi)ni proeliator.
(O Georgius, der treueste Soldat Christi, glücklicher und berühmter Krieger des Herrn).
Die Richtigkeit der korrekten Reihenfolge der sechzehn Kacheln konnte anhand desselben Kacheltableaus in der Pfarrkirche des Heiligen Antonius von Padua in Kortenhoef, außerdem in der Peter-und-Paul-Kirche der Wegdam-Gemeinde in Hengevelde in Twente und auch in der Pfarrkirche der Erhöhung des Heiligen Kreuzes in Raalte in Sallandse überprüft werden. (P.M. Heijmink Liesert, 1995).
Anm.: siehe hierzu das gleiche "Missgeschick" in der Kirche St. Gudula" in Rhede.

Kirche St. Antonius von Padua in Kortenhof
Kortenhoef ist ein Dorf in der Gemeinde Wijdemeren in der niederländischen Provinz Nordholland
1879 erteilte der Erzbischof von Utrecht die Genehmigung, den Bau der Kirche und des Presbyteriums nach einem Entwurf des Architekten Alfred Tepe auszuschreiben. Die Arbeiten begannen im Juli diesselben Jahres und im Juni 1880 wurde die fertige Kirche geweiht.
Algemeine informatie Antoniusparochie
Wim Balk, diakon
Adresgegevens
Kerklaan 24,
1241 CM Kortenhoef
Tel. 035 - 656 1285
E-mail: secretariaat@kanparochies.nl
Openingstijden secretariaat
Dinsdag en donderdag van 9:00 tot 12:00
Contactpersonen:  
Jan Hesp  Anneke Dorlandt

Die Kirche ist wie alle Kirchen von Tepe im neugotischen Stil gehalten. Es handelt sich um eine dreischiffige Hallenkirche mit einem eher schlichten Äußeren, abgesehen von den diagonal angeordneten Strebepfeilern an den äußeren Ecken des Kirchenschiffs.
Das Innere der Kirche
Die gesamte Innenausstattung der Antoniuskirche konnte in relativ kurzer Zeit fertiggestellt werden. Sie wurde im Laufe der Jahre nach den Richtlinien der Sint Bernulphusgilde entworfen und gefertigt. Die Altäre, die ehemalige Kanzel (1939 entfernt) und die Kommunionbank (1967 entfernt) wurden vom Bildhauer Mengelberg gestaltet.
Die Wandfliesen
Das Besondere an dieser Kirche ist die vollständige Fliesenverkleidung aller Wände im Innenraum, eine Seltenheit in unserem Land. Dies geschah aus technischen Gründen, nämlich um das Eindringen von Feuchtigkeit in die Wände zu verhindern. Die bunt verzierten Fliesen waren ein Überbleibsel aus dem Bau des Amsterdamer Hauptbahnhofs und wurden zwischen 1887 und 1900 von Klaas Windt, einem Gemeindemitglied aus ’s-Graveland, angebracht, der dies ganz allein tat.
Die vielfarbigen Fliesen, die auf jeden Besucher, der die Kirche zum ersten Mal betritt, einen überwältigenden Eindruck machen, waren während der Vorbereitungen zur großen Restaurierung der Kirche in den 1980er Jahren Gegenstand heftiger Diskussionen.
Die bedeutendste Veränderung im Inneren erfolgte 1986 mit dem Bau des heutigen liturgischen Zentrums. Hierbei wurden die ursprünglichen Fliesenböden übernommen und in den neuen Boden des liturgischen Zentrums eingearbeitet. Das ursprünglich vor der Kommunionbank befindliche Fliesenmosaik mit der Darstellung des Heiligen Georg mit dem Drachen erhielt dort einen prominenten Platz.
Quelle: Het kerkgebouw van de Antoniusparochie > Website der Pfarre Kortenhoef
Petrus und Paulus-Kirche in Hengevelde
Hengevelde ist ein Dorf in den östlichen Niederlanden in der Provinz Overijssel an der Grenze zum Münsterland.
Die Kirche Peter und Paul in Hengevelde ist 1845 erbaut worden. Sie wurde während des Zweiten Weltkrieges so sehr zerstört, dass sie 1945 abgerissen werden musste.
1953 wurde ein Neubau errichtet. Daher lag die Vermutung nahe, dass die beiden in der alten Kirche verlegten Fliesentableaus "St. Georg" und das "Papstwappen" ähnlich wie in der Liebfrauen-Kirche in Dortmund auch hier zerstört worden wären.
H.H. Petrus en Pauluskerk Hengevelde
Goorsestraat 19
7496 AB  Hengevelde
Niederlande
Prov.: Overijssel


Im Februar 2025 melde sich das Pfarramt von Hengevelde mit einer erfreulichen Nachricht: "Het goede nieuws is dat de beide tegeltableaus behouden zijn en zich  bevinden in de nieuwe kerk die na de Tweede Wereldoorlog is gebouwd.  Pastoor Kormelink heeft zich destijds ingespannen deze twee tableaus uit  de gebombardeerde kerk van Te Riele over te brengen naar de nieuwe  kerk."
Zusammengefasst: Pastor Kormelink hat sich beim Bau der neuen Kirche dafür eingesetzt, dass beide Tableaus gerettet wurden und im Neubau der Kirche wieder einen Platz fanden. Lediglich die Einfassung sei verloren gegangen.
Hier zwei Fotos aus "Peter und Paul" aus Hengefelde, die Jan G.M. Put, Vicevoorzitter/secretaris parochiebestuur Heilige Geestparochie aus Hengevelde zur Verfügung gestellt hat.
Fliesentableau "Papstwappen",
in der Kirche "Peter und Paul",
Hengevelde, NL

Fotos (2):
parochiebestuur Heilige Geestparochie
Fliesentableau "St. Georg",
in der Kirche "St. Peter und Paul",
Hengevelde, NL
Vorläufiges Resumee (März 2025)
Von den ursprünglich verlegten und von Wilhelm Joliet beschriebenen Fliesentableaus "Papstwappen" und "St. Georg" sind inzwischen einige durch Kriegseinwirkung oder bei Renovierungsarbeiten zerstört worden.
in Deutschland:
  • In der Liebfrauenkirche in Dortmund sind beide Motive zerstört,
  • in der Kapelle St. Anna in Haltern am See mittlerweile fraglich,
  • in der Kirche St. Gudula in Rhede ist nur "St.Georg" vorhanden.
in den Niederlanden:
  • In der Kreuzerhöhungsbasilika in Raalte sind beide Motive vorhanden. Das "Papstwappen" ist zweifach verlegt worden.
  • Aus der zerstörten Kirche Petrus und Paulus in Hengevelde sind beide Motive dank des Pfarrers gerettet worden und haben 1953 im Neubau der Kirche ihren Platz gefunden. Hier fehlt noch der Fotonachweis.
  • In der Kirche St. Michael in Schalkwijk ist nur "St. Georg" vorhanden, ebenso in St. Antonius in Kortenhoef.
Die beiden zusammengehörigen Fliesentableaus "Papstwappen" und "St. Georg" sind außer in der Kirche St. Rochus in Rath-Anhoven folglich nur noch in der Kreuzerhöhungsbasilika in Raalte und ohne Umrandung in der Kirche Petrus und Paulus in Hengevelde, evtl. noch, aber fraglich, in der St. Anna-Kapelle in Haltern am See vorhanden.
"St. Georg" als Einzelmotiv ist in Rhede, in Schalwijk und Kortenhoef zu sehen.
Trotz aller Recherchen konnte letztlich nicht die Frage geklärt werden, warum und wann derart selten verlegte Bildplatten der Mosaik-Fabrik Villeroy & Boch in der Pfarrkirche, der heutigen Filialkirche "St. Rochus" in Rath-Anhoven verlegt worden sind.

Weitere Erläuterungen und Hintergründe
Der  Heilige Georg (lateinisch St. Georgius, ndl. St. Joris) ist ein beliebter Heiliger und er zählt zu den vierzehn Nothelfern. Der Überlieferung nach wurde er zu Beginn der Christenverfolgung unter Diokletian (284–305) wurde zum Tode verurteilt und im Jahre 303, im Alter von etwa 22 Jahren, enthauptet.
Die Legende vom Drachentöter Georg, der das Land von einem tyrannischen Drachen befreit, wenn sich das Volk dafür taufen lässt, kam im 12. Jahrhundert auf und ist in der mittelalterlichen Textsammlung Legenda aurea überliefert.
Sein Symbol in der Heraldik ist das Georgskreuz. Das rote Kreuz auf weißem Grund ist in vielen Wappen und Flaggen enthalten. Heiligenattribute, die neben dem Georgskreuz als Erkennungszeichen des Heiligen dienen, sind der Drache sowie seine Darstellung als Ritter mit Lanze auf einem Pferd; teils wird Georg auch mit dem Palmwedel des Martyriums dargestellt.
Es gibt nur wenige Informationen über Georgs Leben. Pilgerberichte und Kirchenweihen sind jedoch bereits aus dem 4. Jahrhundert bezeugt, so dass also einiges für seine historische Existenz spricht. Aufgrund der Unklarheit darüber wurde Georg in der römisch-katholischen Kirche 1969 aus dem römischen Generalkalender gestrichen, jedoch 1975 wieder eingefügt.
Der Kampf mit dem Drachen wurde später der Legende zugefügt und symbolisiert den mutigen Kampf gegen das Böse.
Und hier ist eine mögliche Erklärung zu finden, warum Philipp Baum in seinem Entwurf für die Mosaik-Fabrik in Mettlach das Motiv "St. Georg" (No. 516) neben das "Papstwappen" (No. 517) zu einem gemeinsamen Bild zusammengesetzt hat. Es ist zu vermuten, dass Baum hier den erfolgreichen Kampf Georgs gegen den Drachen, d.h. gegen das "Böse", und den  Kampf von Papst Leo XIII. gegen Bismarck während des Kulturkampfes, der für die katholische Kirche ebenfalls erfolgreich endete, in einen symbolischen Zusammenhang stellen wollte.



Historische Hintergründe:
Der Kulturkampf und die besondere Verehrung von
Papst Leo XIII. bei der katholischen Bevölkerung
Die Frage, die sich zu Beginn stellte:  Aus welchen Gründen hat Philipp Braun im Jahr 1880 das abgebildete Musterblatt mit dem Papstwappen für die Mosaik-Fabrik Villeroy & Boch entworfen?
Im Besonderen die Zusammenstellung mit dem Motiv "St. Georg" verweist auf den erfolgreich beendeten Kulturkampf. Hierdurch erlangte Papst Leo XIII. eine große Verehrung bei der katholischen Bevölkerung liegen.

Mehr zum Begriff des "Kulturkampfes" können Sie bei der Bundeszentrale für politische Bildung erfahren. Lesen Sie hierzu den Auszug weiter unten.


Karikatur von Wilhelm Scholz zur Beendigung des Kulturkampfes. Papst und Reichskanzler fordern sich gegenseitig zum Fußkuss auf, im Hintergrund Ludwig Windthorst.

Karikatur „Modus vivendi“ aus dem Kladderadatsch, 1878. Die Bildunterschrift lautet: Pontifex: „Nun bitte, genieren Sie sich nicht!“ Kanzler Bismarck: „Bitte gleichfalls!“
Kladeradasch? - Nr. 14/15, 18. März 1878.





Wer war dieser Papst Leo XIII.?
Sie können zwar den nachfolgenden Text Text lesen, alles Wissenswerte erfahren Sie auch beim Hören der Radiosendung des NDR erfahren:
Leo XIII. (* 2. März 1810 in Carpineto Romano als Vincenzo Gioacchino Pecci; † 20. Juli 1903 in Rom) war von 1878 bis 1903 der 256. Papst der römisch-katholischen Kirche.
Leo XIII. ist als politischer Papst in die Geschichte eingegangen. Die von vielen gefürchtete Dogmenhäufung nach der Unfehlbarkeitserklärung aus dem Jahre 1870 unter Pius IX. blieb aus. Wohl aber kann man Leo XIII. den ersten Enzyklikenpapst nennen; er verfasste 86 dieser päpstlichen Rundschreiben, darunter sieben zur Marienverehrung. Sein Ziel war es, die Kirche aus ihrer selbstgewählten Isolation gegenüber den neuzeitlichen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen herauszuführen, jedoch war er von der Notwendigkeit einer „zeitlichen Macht“ (Kirchenstaat) des Papstes überzeugt. Einerseits orientierte er sich an der hochmittelalterlichen Ordnung von Kirche und Staat, andererseits verfasste er die erste Sozialenzyklika der römisch-katholischen Kirche und wertete damit die katholische Soziallehre  auf. Wegen seiner Anteilnahme an sozialen Fragen wurde er mit dem Attribut „Arbeiterpapst“ und dem Beinamen „der Soziale“ bekannt.
Leo XIII. starb am 20. Juli 1903 in Rom im Alter von 93 Jahren.
Stärkung der Katholischen Soziallehre
Die berühmte Enzyklika Rerum Novarum (dt. Geist der Neuerung) 1891 begründete den Ruf Leos XIII. als „Arbeiterpapst“. Er prangerte die Ausbeutung der Arbeiter an und wies auf ihre Verelendung infolge der Industrialisierung hin. Zudem beschrieb er deren negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Staat und zeigte einen Weg zur Besserung der Verhältnisse auf. Gleichzeitig wandte er sich gegen den Sozialismus als Ausweg aus der Misere und befürwortete das Privateigentum. Der Papst entwickelte mit dieser Enzyklika eine Lehre von der menschlichen Person und ihren Rechten, von der Ordnung der Wirtschaft, von der Koalitionsfreiheit der Arbeiter und der sozialen Verpflichtung des Staates. Arbeitsschutz sei eine staatliche Aufgabe, ebenso der gesetzliche Rahmen für die Arbeiterrechte. Seitdem kann man von einer lehramtlich fundierten kirchlichen Soziallehre sprechen. Diese Enzyklika wird als die „Mutter aller Sozialenzykliken“ betrachtet; die nachfolgenden Päpste bezogen sich darauf mit „Fortentwicklungsenzykliken“. Laut André Habisch, Professor für Wirtschafts- und Sozialethik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, ist die Enzyklika bis in die Gegenwart prägend für die deutsche Wirtschaftsordnung.

Das Goldene Priesterjubiläum von Papst XIII.
Das Jubiläum im Jahre 1887 gab Anlass für große Feierlichkeiten, nicht nur in Rom, wo sich die Feiern über mehrere Wochen hinzogen, sondern auch in vielen deutschen Städten, so in Aachen und Köln. Hier war Leo XIII. offensichtlich sehr belebt, hatte er die beiden Städte bereits während seiner Zeit als päpstlicher Nuntius in Brüssel besucht.

Pressenotiz vom 25. Dezember 1887 in der Zeitung "Echo der Gegenwart" aus Aachen. (> zum Vergrößern anklicken)
Anlässlich des 50jährigen Priesterjubiläums fanden auch in Aachen große Feierlichkeiten mit einem umfangreichen Programm statt, so mit feierlichem Tedeum, großem Festzug, großer Festversammlung und Illumination des Doms durch bengalische Beleuchtung. Zur Teilnahme wurden Vereine und Bürgerschaft aufgerufen und "so unserer alten Kaiserstadt Aachen auch bei dieser außerordentlichen Gelegenheit neuen Glanz zu verleihen", wie am 25. Dezember 1887 in "Echo der Gegenwart" zu lesen war.

Zusätzlich veröffentlichte das "Echo der Gegenwart" zu Weihnachten 1887 eine mehrseitige Festzeitung als Beilage.

Aber nicht nur in den großen Städten wurde das Goldene Priesterjubiläum Leo's XIII. gefeiert, sondern auch in Wegberg wurde am 27. Dezember 1887 mit einem Ehrentag begangen, wie in der Zeitung "Echo der Gegenwart" am 5. Januar 1888 zu lesen ist:

Zusammenstellung aus "Echo der Gegenwart" vom 5. Januar 1988
> zum Vergrößern bitte anklicken oder hier nachlesen:
Wegberg, 27. Dez. Das fünfzigjährige Priesterjubiläum Leo XIII. wurde hier recht glänzend gefeiert. Das Komite hatte ein Programm entworfen, wie es umfassender in größeren Städten nicht aufgestellt werden konnte. Die Feier gestaltete sich nicht nur zu einem Ehrentage für das Oberhaupt der Kirche, sondern auch zu einem Ehrentage für Wegberg selbst, welches seiner katholischen Gesinnung dabei unverkennbar Ausdruck gab. Am Vorabend kündigten längeres Glockengeläute und Böllerschüsse das Fest an, während am Morgen die Feier durch Choralmusik am Südportale der Pfarrkirche eingeleitet wurde. Sämmtliche Straßen des Ortes prangten in reichstem Flaggenschmucke, und viele Häuser zeigten in Transparenten bald das Bild des h. Vaters, bald das päpstliche Wappen. Gegen 9 Uhr bewegte sich ein prächtiger Festzug vom Lokale des St. Josepsvereins aus zur Kirche. Derselbe wurde eröffnet von der Kapelle des St. Josephsvereins, ihr folgte der Kirchenchor mit seiner neuen schönen Fahne mit dem wegberger Wappen geschmückt, drei goldene Aehren auf blauem Grunde; das Spruchband zeigt die Devise:„crescat, ut alat“. Ihm reihte sich der St. Josephsverein an mit seinen beiden Fahnen, deren eine, ein Kunstwerk der Schwestern vom armen Kinde Jesu, noch immer zur Bewunderung hinreißt. Wir bemerkten weiter den kath. Bürgerverein, der unter dem neuen päpstlichen Banner recht freudig und wacker einherschritt. Der Kriegerverein trat sogar mit einem besonderen Musikchore auf; seine geschmackvolle Fahne war die sechste im Zuge. Auch die Gemeindeverordneten mit dem Herrn Bürgermeister Hoeren, die kirchliche Gemeindevertretung und der Kirchenvorstand nahmen an dem Festzuge Theil. Das Hochamt celebrirte Herr Pfarrer Braun unter Assistenz des Herrn Kaplans Baum.
Einen herrlichen Verlauf nahm die eigentliche Festfeier im lohrenschen Saale. Herr Wilhelm Scheres, ein Mitglied des St. Josephsvereins, sprach den Prolog. Nachdem der Kirchenchor mehrere auf das Fest bezügliche Lieder zum Vortrage gebracht hatte, hielt Herr Kaplan Baum die Festrede. Er wies hin auf die Bedeutung des Tages und schilderte in ergreifenden Worten das Wirken des h. Vaters in seiner dreifachen Würde als oberster Hirt, Lehrer, Priester, sowie als Friedensfürst, dem auch die deutschen Katholiken zum Danke verpflichtet seien. Es gelangte dann das Festspiel „St. Petrus" durch Mitglieder des St. Josephsvereins zur Aufführung. Die Dichtung, von einem in Gelehrtenkreisen vielgenannten Protestanten für die Feier des Tages verfaßt, behandelt in sieben Bildern die Hauptmomente aus dem Leben des Apostelfürsten. Während die Festversammlung tagte, hatte der Kriegerverein eine Separatfeier, bestehend in einem Konzerte, veranstaltet.
Gegen ½8 Uhr ordnete sich der Fackelzug. Vorauf schritt die Feuerwehr mit Pechfackeln, es folgten die Vereine derselben Ordnung wie beim Festzuge. Kein Haus gab es, welches nicht im Kerzenscheine funkelte, selbst Andersgläubige hatten illuminirt. Die Straßen, durch welche der Zug seinen Weg nahm, erglänzten in bengalischem Feuer. Auch die Kirche war hübsch beleuchtet, und Raketen, die von Zeit zu Zeit aufstiegen, Sonnen und anderes Kunstfeuerwerk erfreuten die Zuschauer, unter denen viele von auswärts herbeigeströmt waren, um Zeuge des schönen Festes zu sein. Den Wegbergern wird der Tag, der ihnen so sehr zur Ehre gereichte, unvergeßlich bleiben.

Gedenkmedaillen zum fünfzigsten Priesterjubiläum


Ein Diskurs zur deutsche Geschichte: Der Kulturkampf
Hier der Auszug zum Begriff des "Kulturkampfes" und dessen Ende ab 1880
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung (2015)
Das erste "Milderungsgesetz" am 14. Juli 1880 leitete das Ende des "Kulturkampfes" ein. Otto von Bismarck wollte die Trennung von Kirche und Staat ausbauen. Seinen Kampf gegen die katholische Kirche und deren politische Vertretung, die Zentrumspartei, hatte der Reichskanzler mit einer Reihe von Gesetzen geführt.
Als der preußische König Wilhelm I. am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen wurde, hatte Otto von Bismarck sein Jahrzehnte altes Ziel verwirklicht, das Reich "von oben" zu einen. Doch in der Wahrnehmung des Reichskanzlers und vieler Zeitgenossen war das Reich vom Moment seiner Gründung an von inneren Feinden bedroht. Die größte Gefahr für die nationale Einheit des preußisch-protestantisch geprägten Kaisertums waren in Bismarcks Augen die katholische Kirche und ihre Anhänger.
Die Karikatur, erschienen Mai 1875 in "Kladderadatsch", befasst sich mit dem Kulturkampf zwischen der katholischen Kirche und Otto von Bismarck an.
In der Karikatur sieht man Otto von Bismarck und Papst Pius IX, die Schach spielen. Die Schachfiguren sehen aus, wie Geistliche, Politiker, Journalisten oder §-Zeichen. Einige Figuren sind bereits geschlagen.
In der unteren linken Ecke des Tisches ist beispielsweise zu sehen, dass bereits mehrere Bischöfe von Bismarck inhaftiert (interniert) wurden. Manche Schachfiguren tragen Worte wie beispielsweise Interdict, Encycl, Syllab und Klostergesetz. Der Papst trägt sein päpstliches Gewand und eine Pileolus Kappe. Pius IX. schmunzelt und überlegt, wie er das Spiel gewinnen könnte. Otto von Bismarck trägt seine Uniform und schaut ihn hingegen überlegen beziehungsweise siegessicher an.
Ultramontanismus und Unfehlbarkeisdogma
Seit 1870 existierte mit der Zentrumspartei, eine politische Vertretung der katholischen Minderheit. Bereits ein Jahr später zog die Partei als drittstärkste Fraktion in den Reichstag ein. Aus Sicht Bismarcks war sie ein Sammelbecken der Gegner der nationalen Einheit. Denn die katholische Kirche unter Papst Pius IX. lehnte den Liberalismus und den säkularen Staat ab. Das 1870  erlassene "Unfehlbarkeitsdogma" sprach dem Papst gar Unfehlbarkeit in Fragen der Glaubens- und Sittenlehre zu. Der Zentrumspartei wurde dabei die politische Haltung des "Ultramontanismus" vorgeworfen. Der Begriff  wurde unter Bismarck zum Schlagwort für die vermeintliche  Vatikanhörigkeit der Katholiken  (von lateinisch "ultra montes", jenseits der Berge).
Das  Ziel des Reichskanzlers Bismarck war die Trennung von Kirche und Staat  und die Schwächung der Zentrumspartei. Sie stand in politischer Opposition zu den Freikonservativen und den Nationalliberalen, mit denen  Bismarck im Parlament zusammenarbeitete. Ende des 19. Jahrhunderts war der Antikatholizismus unter den Anhängern des Liberalismus weit verbreitet, sowohl in Preußen als auch in großen Teilen Europas. Mit  seinem Angriff auf die Katholiken sicherte sich der Reichskanzler die Unterstützung liberaler Journalisten und der Politiker der Nationalliberalen Partei. Im neuen Reichstag und preußischen  Abgeordnetenhaus waren sie die stärkste Kraft und zu unverzichtbaren  Verbündeten geworden.
Gesetze gegen die katholische Kirche
Der  Begriff "Kulturkampf“ für die sich entfaltende Auseinandersetzung wurde von dem linksliberalen Politiker Rudolf Virchow geprägt. Wann genau die  Bezeichnung zuerst fiel, ist nicht vollständig geklärt: Virchow verwendete sie ab 1872 oder 1873 als Charakterisierung des Vorgehens  Bismarcks gegen die katholische Kirche in seinen Reden im preußischen  Abgeordnetenhaus. Der Begriff ist unabhängig vom Zeitpunkt seiner  Entstehung als Bezeichnung für den Konflikt zwischen dem Deutschen Reich und der katholischen Kirche in die Geschichtsschreibung eingegangen.
Die Rechte der Kirche beschnitt Bismarck ab den frühen 1870er Jahren mittels einiger Reichs- und preußischer Landesgesetze. Auf der einen Seite standen Gesetze, die die Säkularisierung in Preußen und im Deutschen Kaiserreich beförderten. Ihr vorrangiges Ziel war es zwar, die katholische Kirche und deren politischen Arm zu schwächen, sie betrafen aber auch die protestantische Kirche und ihre Geistlichen, indem sie kirchliche Befugnisse –  zum Beispiel in Bildung und Eheschließung – zugunsten des Staates beschnitten. Auf der anderen Seite gab es Gesetze, die sich ausschließlich gegen die katholische Kirche richteten. So wurden Klöster verboten und die Zahlung staatlicher Mittel nur an die katholische  Kirche ausgesetzt.
Den Anfang des "Kulturkampfes“ markiert der so  genannte "Kanzelparagraph“, der im Dezember 1871 als Reichsgesetz  eingeführt wurde. Geistliche jeglicher Konfession, die in der Ausübung  ihres Amtes staatliche Angelegenheiten kommentierten, konnten demnach  mit einer Haftstrafe belegt werden.
Im preußischen "Schulaufsichtsgesetz" wurden ein Jahr später alle Schulen unter staatliche Kontrolle gestellt. Allen Kirchen in Preußen, auch der protestantischen, wurde damit die geistliche Aufsicht über die Schulen entzogen. Noch im selben Jahr wurde im gesamten Reichsgebiet der Jesuitenorden verboten.
Alle  diplomatischen Beziehungen zum Vatikan wurden abgebrochen. Die katholische Kirche reagierte empört auf die neuen Gesetze: 1872  protestierte die Fuldaer Bischofskonferenz gegen die kirchenfeindlichen  Maßnahmen mit einer Denkschrift, Papst Pius IX. bezeichnete sie  gegenüber seinen Kardinälen als "Kirchenverfolgung".
Weitere  Maßnahmen zur Reglementierung der katholischen Kirche folgten: Die Maigesetze vom 11. Mai 1873 bildeten schließlich einen Höhepunkt des "Kulturkampfes" in Preußen. Dort erließ man ein Gesetz, das dem Staat  ein Einspruchsrecht bei der Anstellung von Geistlichen gewährte. Voraussetzung für die Beschäftigung war ein Studium an einer deutschen Universität und die Absolvierung eines "Kulturexamens". Ein "Königlicher Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten" wurde ins Leben gerufen. Kirchenaustritte wurden gesetzlich geregelt und erleichtert.
Einführung der allein gültigen Zivilehe
Nach  der Bildung drang der Staat in ein weiteres Kompetenzgebiet der katholischen Kirche ein: Erst in Preußen (1874), dann im gesamten  Kaiserreich (1875) wurde die Zivilehe als allein gültige Form der Ehe eingeführt. Mit dem preußischen "Brotkorbgesetz" wurden sämtliche staatliche Geldzuwendungen an die katholische Kirche gestoppt, bis die  Geistlichen die neuen Gesetze ausdrücklich akzeptierten. Das Klostergesetz verbot alle Orden in Preußen, die nicht ausschließlich mit der Krankenpflege betraut waren. Außerdem wurden das katholische Vereins- und Pressewesen stärker überwacht und der Religionsunterricht mehr kontrolliert.
Gleichzeitig nahmen die Sanktionen gegen Vertreter der katholischen Kirche zu. Allein innerhalb der ersten vier  Monate des Jahres 1875 wurden 136 katholische Zeitschriftenredakteure zu Geldstrafen verurteilt oder inhaftiert. Im selben Zeitraum wurden 20  katholische Zeitungen konfisziert, 74 katholische Gebäude durchsucht, 103 katholische politische Aktivisten ausgewiesen oder interniert. 55 katholische Organisationen und Vereine wurden geschlossen.
Bis zum Ende der 1870er Jahre hatte die katholische Kirche im Deutschen  Reich erheblich an Einfluss verloren, ihre Lage war verheerend: Über die Hälfte der katholischen Bischöfe Preußens befand sich 1878 entweder im Exil oder im Gefängnis. In einem Viertel aller preußischen Pfarreien gab es keinen Priester. Am Ende des "Kulturkampfes" waren mehr als 1800 Priester inhaftiert oder des Landes verwiesen. Kirchenbesitz im Wert von 16 Millionen Goldmark war beschlagnahmt worden.
Bismarck verfehlte sein Ziel
Sein Ziel, mit den kirchenpolitischen Maßnahmen das Zentrum und den politischen Katholizismus zu schwächen, erreichte der Reichskanzler nicht. Im Gegenteil, die Sanktionen und Diskriminierungen führten zu einem stärkeren Zusammenhalt der katholischen Bevölkerung und zu einer Welle der Solidarität mit den in Not geratenen Geistlichen. Das Zentrum konnte bei den Reichstagswahlen 1874 sein Ergebnis um 9,3 Prozent der Stimmen auf 27,9 Prozent steigern. Als  Papst Pius IX. 1878 starb und sein Nachfolger Leo XIII. Gesprächsbereitschaft signalisierte, zeigte auch der Reichskanzler seinen Willen, den "Kulturkampf" zu beenden. Nachdem Bismarck in der Folge des Streits um die Militärorganisation mit den Nationalliberalen brach, konnte er im Parlament nicht mehr auf ihre Unterstützung zählen und näherte sich der Zentrumspartei an, um weiterhin eine Mehrheit für seine Vorhaben zu erreichen. Mit den erstarkenden Sozialdemokraten war in den Augen des Reichskanzlers zudem eine neue, noch größere Gefahr für die Gesellschaft aufgekommen. Das erste Milderungsgesetz vom  14. Juli 1880 leitete das Ende des "Kulturkampfs" ein: Dadurch wurden die Bischöfe vom Staatseid befreit und die preußische Regierung ermächtigt, wieder Zahlungen an die Kirche vorzunehmen. In der Folge wurden fünf Bistümer wieder neu besetzt.
1882 und 1883 folgten das zweite und dritte Milderungsgesetz, die weitere Restriktionen aufhoben: Demnach wurde das Kulturexamen abgeschafft und bischöfliche Weihe- und Amtshandlungen wurden für straffrei erklärt. Von den Maßnahmen, die Bismarck im "Kulturkampf" in die Wege geleitet hatte, blieben das Jesuitengesetz bis 1917, der Kanzelparagraph bis 1953 und die Zivilehe sowie die staatliche Schulaufsicht bis heute bestehen.
Folgen des "Kulturkampfes" für Politik und Gesellschaft
Die katholischen Bevölkerungsteile wurden während des "Kulturkampfes" als Bürger zweiter Klasse behandelt, indem sie sozial ausgegrenzt und staatlich verfolgt wurden. Viele von ihnen reagierten darauf mit einer solidarischen Hinwendung zur katholischen Kirche. Das hatte auch einen positiven Effekt auf das katholische Vereinswesen. Die staatliche Diskriminierung der Katholiken – wie später auch der Sozialdemokraten – trug wesentlich zur Milieubildung bei. Die Wahl von Zentrumspartei oder SPD war nicht nur eine politische Entscheidung, sondern die Entscheidung für eine eigene Lebensweise und ein Milieu, das durch eine eigene Ideologie und Organisation nach außen abgegrenzt war. Der "Kulturkampf"  hatte damit weitreichende Folgen für die deutsche Parteiengeschichte.

Quellen

  • mündliche Informationen von Johannes Wyen aus Rath-Anhoven
  • Wilhelm Joliet aus Königswinter für seine Auskünfte zu seiner umfangreichen Sammlung in "Die Geschichte der Fliese".
  • Dr. Christa Grund, V&B Museum
  • Frau Strotmeier, Liebfrauenkirche in Dortmund
  • Diakon Heiner Renzel, St. Gudula in Rhede
  • Jan G.M. Put, Vicevoorzitter/secretaris parochiebestuur Heilige Geestparochie, Heldefelde, NL
  • Angelika Füßner, Pfarre St. Sixtus, Haltern am See
  • Dr. Oliver Karnau, LWL Denkmalpflege

Historischer Verein Wegberg e.V. - 18.02.2021 - Letzte Änderung: 19.02.2025

Historischer Verein Wegberg e.V.
Rathausplatz 21, Wegberger Mühle, 41844 Wegberg
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