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Panorama-Aufnahme Wegberg mit Burg Wegberg, Forum, Wegberger Mühle, Rathaus und Pfarrkirche St. Peter & Paul, Foto: Heinen

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BERKER

NOTIZEN
27.03.2023 - Vor 200 Jahren geboren
- Johann Benedikt Heinen (1823 - 1903)
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Vor 200 Jahren geboren:
Johann Benedict Heinen (1823 – 1903)

Von Hermann-Josef Heinen



Am 28. März 1823 erscheint vor dem Wegberger Bürgermeister Johann Godfrid Dillen der Ackerer Johann Engelbert Heinen und zeigt die Geburt eines Kindes männlichen Geschlechts an und erklärt, dass dieses Kind „den 27. Merz gebohren“ ist als sein Kind und das seiner Ehefrau Anna Catharina Gehlen und er erklärt ferner diesem Kinde den Vornamen Johann Benedict zu geben. Die Geburtsurkunde Wegberg 1823 No. 23 ist unterzeichnet von Johann Engelbert Heinen, Michael Heinen, Johannes Math. Schmitz sowie vom Bürgermeister Dillen.
Um wen handelt es sich nun bei diesen Personen? Um es gleich vorweg zu nehmen: Bei dem erwähnten Kinde handelt es sich um den Urgroßvater des Verfassers. Benedikt Heinen wird vor 200 Jahren am 27. März 1823 geboren und verstirbt 80-jährig am 5. Mai 1903.
 
Der Verfasser hatte sich bereits früher mit der Erforschung seiner Familie beschäftigt, war allerdings irgendwann mit vielen Fragen nicht weitergekommen. Beispielsweise konnte er sich nicht erklären, wieso sein Urgroßvater Benedikt als einziges der sechs Kinder in Wegberg geboren worden ist, seine Geschwister allesamt in Rath im Haus Nr. 30. Mit Unterstützung von Stadtarchivar Thomas Düren und den beiden Heimat- und Familienforschern Horst-Dieter Jansen und Dietmar Schmitz kam man einen Schritt weiter.
 
Die Geburtsurkunde stellt klar, dass Benedict in Wegberg geboren ist und zwar im Haus Nr. 18. Hier konnte Dietmar Schmitz nun weiterhelfen: Er lokalisierte diese Adresse als am Markt in Wegberg gelegen, direkt neben dem alten Rathaus und zwar als die Parzelle, wo heute das Haus von Dr. Montz steht. Als Eigentümer konnte Schmitz einen Michael Heinen ausmachen, der sich sogleich als der Großvater des Benedict herausstellte, daher auch seine Unterschrift auf der Geburtsurkunde. Hieraus ergab sich nun schlüssig: Benedict ist im Hause seines Großvaters Michael geboren. Möglicherweise war es eine überraschende Geburt; andere Gründe sind derzeit nicht erkennbar.
 
Der dritte Unterzeichner der Geburtsurkunde ist Johann Mathias Schmitz. Er heiratet 1820 in Wegberg Maria Elisabeth Heinen, die Tochter von Michael Heinen. Er ist also der Schwager von Johann Engelbert und hat im Hause Wegberg Nr. 16 die Schusterei seines Vaters übernommen.
 
In Kürze einige Namen und Daten aus der Familiengeschichte Heinen: Fangen wir an mit Michael Heinen aus Wegberg, geb. 1760, als Beruf wird Winckelier und auch Ackerer genannt, heiratet 1785 Anna Gertrud Sassen aus Bissen bei Wegberg, geb. 1759. Sie haben 7 Kinder, darunter als 3. Kind Johannes Engelbert, geb. 1790.
 
Dieser Johannes Engelbert, als Beruf wird Ackersmann genannt, heiratet 1820 Anna Catharina Gehlen aus Rath, geb. 1793. Ihre 7 Kinder sind alle samt in Rath geboren, mit Ausnahme des zweiten Kindes, des oben genannten Benedict. Seinen alternden Vater Michael holt er von Wegberg nach Rath, wo dieser 1845 stirbt.
 
Benedikt Heinen, 1823 in Wegberg geboren, wohnhaft in Rath, heiratet 1856 Maria Josepha Wolters aus Sittard bei Rheindahlen. Sie wohnen in Rath und haben 9 Kinder, darunter als 7. Kind Leo Heinen, geb. 1868, der Großvater des Verfassers.
 
So weit zu den Fakten. Wie ging es mit dem Knaben Benedict nun weiter? Nach seinem Studium im Seminar zu Kempen wirkt er zunächst zwei Jahre als Lehrer in Ellen bei Düren und wird am 1. April 1847 als Oberstufen-Lehrer in Rath angestellt. Die Schülerzahl der inzwischen drei Klassen umfassenden Schule wird beispielsweise für das Jahr 1881 mit 212 angegeben. Lehrer Heinen ist dort – und um es hier kurz zu machen – sage und schreibe 45 Jahre tätig. Während dieser Zeit, so lässt es sich in der Schulchronik nachlesen, gibt es an der Schule ein „Kommen und Gehen“ von mehr als zehn Lehrern. Im Februar 1892 erkrankt der fast 69-Jährige und reicht sein Entlassungsgesuch ein, welches mit Wirkung vom 4. Juni genehmigt wird.
 
Alleine seine 45-jährige kontinuierliche Tätigkeit als Lehrer in Rath ist bereits bemerkenswert. Doch steht sein Leben und Wirken typisch für eine Zeit des gesellschaftlichen und sozialen Umbruchs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, von der bäuerlich geprägten Ordnung in den Dörfern zu einem mittelständig geprägten, aufstrebenden Bürgertum in den Städten.
 
Dabei ist er in seiner Allokationsfunktion als Lehrer in besonderer Weise bei seinen Söhnen erfolgreich und gibt ihnen offensichtlich das Rüstzeug für ein erfolgreiches Unternehmertum mit auf den Weg: Sie betreiben bis zum Krisenjahr 1923 in Rath eine außerordentlich gewinnbringende Rossleder-Gerberei, wie sich am Wohnhaus von Sohn Leo aus dem Jahr 1904 erahnen lässt. Zunächst sind es Josef und Carl, gerade 23 und 25 Jahre alt, die ab 1884 auf dem Grundstück ihres Vaters eine Gerberei anlegen. 1891 übersiedelt Josef Heinen nach Wegberg und gründet dort die ‚Lederfabrik Heinen‘. Carl Heinen führt das Geschäft zunächst alleine weiter; später steigen die jüngeren Brüder Clemens, Leo und Albert mit in den Betrieb ein, der sich 1904 auf einem Briefkopf ‚Lederfabrik Gebr. Heinen Rath‘ nennt. Carl zieht 1908 nach Erkelenz und übernimmt dort eine Drogerie.
 
Das oft zitierte, aber empirisch nicht belegte Sprichwort "Lehrers Kinder, Pfarrers Vieh, geraten selten oder nie!" wäre damit widerlegt.
 
Sollte jemals über eine Umbenennung der jetzigen „Kastanienschule“ in Rath-Anhoven – was eher nach Baumschule klingt - nachgedacht werden, so böte sich hier ein angemessener Name an.

Anhang mit Fotos
Die Totelzettel der Jahrhundertwende sind eine wahre Fundegrube für Familenforscher - solange sie keine Fehler enthalten, wie in diesem Falle:
Das Geburtsdatum ist fälschlicherweise mit 23. März angegeben.
Gut, dass das Datum auf der Grabplatte, in Stein gemeißelt, korrekt ist.
Wer hat schon die Grabplatte seines Urgroßvaters zu Hause?
Briefkopf der Lederfabrik Gebr. Heinen Rath
Gerbereibesitzer Leo Heinen mit seiner Ehefrau Berta
Carl Engelbert Heinen (1860-1930),
3. Kind von Benedikt Heinen,
Gerbereibesitzer, Bruder von Leo Heinen
Albert Heinen (1874-1941),
9. und jüngstes Kind von Benedikt Heinen,
Gerbereibesitzer, Bruder von Leo Heinen
Briefkopf der Lederfabrik Joseph Heinen Wegberg
Die Dorfstraße in Rath (vor 1904) mit dem 'Stammhaus' Heinen (Haus 30 mit Giebel) >>>
<<< und heute (2021) mit Wohnhaus von Leo Heinen (Haus mit Erker)
Wer weiterhin zur Erforschung der Geschichte der Familie(n) Heinen beitragen möchte, - oder einen Beirag über die eigene Familie einstellen möchte - möge sich bitte bei Hermann-Josef Heinen unter hermann-josef.heinen(at)t-online(dot)de oder telefonisch unter 02431 71741 melden.

Historischer Verein Wegberg e.V. - 27.03.2023 - Letzte Änderung: 29.03.2023

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