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Panorama-Aufnahme Wegberg mit Burg Wegberg, Forum, Wegberger Mühle, Rathaus und Pfarrkirche St. Peter & Paul, Foto: Heinen
Mundart in der wissenschaftlichen Erforschung
Georg Wenker und sein Sprachatlas
Die Arbeitsgruppe Mundart innerhalb des Historischen Vereins hat es sich zum Ziel gesetzt, das Kulturgut "Platt" zu pflegen und aufzuwerten.
Ausgehend von den seit über 20 Jahren monatlich stattfindenden Mundart-Abenden haben sich im Laufe der Zeit weitere Aktivitäten entwickelt. Schon seit längerem unterhalten wir Kontakte zum LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, zum Germanistischen Institut an der Universität Bonn und aktuell zum Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas an der Universität Marburg.

Der Deutsche Sprachatlas (DSA)
Der Deutsche Sprachatlas ist eine Gründung des Rheinländers Georg Wenker (1852-1911), der im Jahre 1876 in Tübingen über ein Thema der historischen Sprachwissenschaft promovierte.

Georg Wenker und sein Sprachatlas

Rücksende-Adresse des Wenkerbogens von 1876
Georg Wenker, 1878

Georg Wenker wurde 1852 geboren und wuchs in Düsseldorf auf – und damit in einem Gebiet, in dem unterschiedliche sprachliche Formen, die sich aufgrund der sogenannten Zweiten Lautverschiebung unterscheiden (etwa maken vs. machen ), aufeinandertreffen. Dies muss Georg Wenker schon früh fasziniert haben, untersuchte er doch in seiner Dissertation 1876 gerade dieses Phänomen.

Bei seiner Arbeit fiel ihm auf, dass für viele Gebiete des deutschen Sprachraums gar nicht klar war, wie sich die dort gesprochenen Dialekte in Bezug auf die Zweite Lautverschiebung, aber auch viele andere sprachliche Entwicklungen, verhalten.

Er entschloss sich deshalb, diese Daten selbst zu erheben, und begann damit in seiner rheinischen Heimat. Um möglichst flächendeckende Daten zu bekommen, verschickte Georg Wenker deshalb – mit Unterstützung der Schulbehörden – Fragebogen an die „Herren Lehrer des Rheinlands“, in denen vor allem standardsprachliche Sätze in den Dialekt zu übersetzen waren. Sein Ziel bestand darin, die verschiedenen Mundarten und Dialektgrenzen der Rheinprovinz geographisch aufbereitet auf einer Karte abzubilden.

Die Daten des Rheinischen Platts wurden vom Frühjahr 1876 bis zum  Frühjahr 1877 erhoben. Befragt wurden überwiegend Volksschullehrer aus 1.500 Schulorten des Erhebungsgebietes des Rheinischen Platts. Die Datenerhebung fand indirekt mittels versendeter Fragebögen statt, die 42 Fragen umfassten.

Die Lehrer erhielten ein Blatt mit der standardsprachlichen Vorlage und ein Formular mit vorgedruckten Nummern. In diese Formulare trugen sie die Übersetzung ein – in der Regel dürfte es sich bei diesen heute im Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas archivierten „Wenkerbogen“ um Reinschriften handeln. Viele der Bogen sind ausgesprochen sorgfältig ausgearbeitet (manche allerdings auch nicht).

Diese im Rheinischen Platt veröffentlichte „Sprachkarte der Rheinprovinz“ ist die erste publizierte Dialektkarte, in der Daten rezenter deutscher Dialekte kartiet sind, die durch Fragebogen erhoben wurden.
Georg Wenker: Das rheinische Platt.
Den Lehrern des Rheinlandes gewidmet. Düsseldorf, Selbstverlag, 2. Auflage, 1877
Auch wenn in der Abbildung nicht deutlich erkennbar: Auf der Sprachkarte sind Gebiete gleicher sprachlicher Merkmale durch Isoglossen zusammengefasst und mit Großbuchstaben zur Kennzeichnung von Mundarten, Mischmundarten und Übergangsmundarten sowie Ziffern zur Kennzeichnung von Untermundarten, ggf. auch mit einfacher Strichschraffur versehen. Die jeweiligen Grenzlinien, Buchstaben und Ziffern werden über eine der Karte beigefügte Legende aufgeschlüsselt.
In seiner Schlussbemerkung schreibt Georg Wenker über die Rheinländer:



Die "Rheinischen" und "Westfälischen Wenkersätze"
 
Um sprachliche Daten zu erheben, gab Georg Wenker den angeschriebenen Lehrern (Lehrerinnen gab es um 1880 noch kaum!) die Aufgabe, mit Hilfe ihrer SchülerInnen standardsprachliche Sätze in den ortsüblichen Dialekt zu übersetzen. Dabei probierte Wenker verschiedene Versionen von Sätzen aus: Zunächst wurden 1876 im Rheinland die 42 „Rheinischen Sätze erhoben, kurz danach in Westfalen die 38 „Westfälischen Sätze“.
Die 42 "Rheinischen Sätze" - von 1876
1. Thu Dir ein Tuch um den Kopf binden!
2. Sie hat zu mir gesagt, sie wollte heut Abend wieder nach Haus kommen.
3. Wir sind von ihnen bestellt worden.
4. Im Winter fliegen die Blätter durch die Luft.
5. Unter dem Apfelbäumchen da hinten stehen zwei Bänkchen.
6. Der Schnee ist diese Nacht bei uns liegen geblieben; er liegt drei Fuß hoch.
7. Ich hätte euch gute Liederbüchlein gegeben; ihr seid mir aber nicht artig gewesen.
8. Man muß ihn bedauern, er ist ein gutmüthig Schaf.
9. Gestern war schlecht Wetter.
10. Euer Hund hat uns das Fleisch aufgefressen.
11. Habt ihr kein Stückchen Seife auf dem Tisch gefunden?
12. Ich konnte es nicht finden.
13. Wir müssen hier noch ein Augenblickchen warten.
14. Die Bauern hatten fünf Ochsen und neun Küh und zehn Schäfchen vor das Dorf gebracht.
15. Mein lieb Kind, du mußt erst noch ein bißchen wachsen und größer werden und laufen lernen.
16. Ich schlage dich gleich mit dem Kochlöffel um die Ohren, wenn du nicht bald gehst, du Affe!
17. Unser ältester Bruder soll bei Eurem Meister in die Lehre gehen.
18. Ich habe eben von ihr gehört, es wären über zwölf Häuser und eine Scheuer abgebrannt.
19. Er macht heut ein wüthig Gesicht.
20. Es sind schlechte Zeiten.
21. Sie hatten sich die Köpfe blutig geschlagen.
22. Der ewige Regen soll die Äpfel wohl theuer machen.
23. Meiner Mutter hatte alte Kleider von meiner Tochter herausgelegt.
24. Ich möchte ein halb Pfund Wurst haben.
25. Was sind das für schöne Äffchen!
26. Wollt ihr lieber ein Gläschen rothen Wein trinken oder ein Gläschen weißen?
27. Der Teufel hat Pferdsfüße.
28. Der Rhein ist sehr hoch gewesen.
29. Hättst du das gewußt!
30. Der darf man nicht trauen, die hat es hinter den Ohren!
31. Geht Kinder! ihr sollt unserm Kecht sagen, er sollte uns das große Buch neben den Ofen legen.
32. Ich bin arm und wäre gern reich.
33. Seid so gut und bringt mir eine Flasche frisch Wasser herauf!
34. Wir haben es ihm erzählt.
35. So etwas thut sehr weh, das könnt ihr mir wohl glauben!
36. Er sagte ihr, er hätte das Geld selber nöthig.
37. Ich will es auch nicht mehr wieder thun!
38. Es kommt mir von Herzen!
39. Wir haben Durst gehabt wie ein Pferd!
40. Deine Schwester sagte zu ihm, es säßen sechs Täubchen oben auf dem Mäuerchen
41. Du da! bleib einmal stehen! wo bist du heut wieder herumgelaufen? was hast du gethan? geh nach Haus!
42. Seine Frau hat sich gestellt, als thät sie ihn nicht kennen; sie hat ihn aber doch gekannt, und er sie auch.

Auch "Lehrpersonen" aus dem heutigen Stadtgebiet Wegberg nahmen 1876 teil und schickten ihre bearbeiteten Bögen an Georg Wenker zurück. Sehen Sie im Folgenden zwei Beispiele:
(1) Wenkerbogen aus Klinkum (29045)
(2) Wenkerbogen aus Rath(-Anhoven) (29052)
Auszugsweise sehen Sie die ersten 10 bearbeiteten Sätze der Lehrperson des jeweiligen digitalisierten Bogens (siehe Seite A im Wenkerbogen-Katalog).
Auf der Rückseite (siehe Seite B) machten die Lehrpersonen Angaben zum Ort, Kreis, Namen des Lehrers und dessen Geburtsort sowie zu speziellen Fragestellungen von Georg Wenker und konnten diese durch Anmerkungen ergänzen.

Wie unschwer erkennen können, bereitet das Lesen dieser Kurrentschrift heutigen Lesern erhebliche Probleme.
Die Transliterationen dieser Wenker-Sätze und noch viele(s) mehr können Sie in unserem Citizen Science-Projekt Dä Berker-Wenk-er nachlesen.
Wenkerbogen 29045 aus Klinkum aus dem Jahr 1876
Auszug Seite A mit den ersten 10 Sätzen,
ausgefüllt durch Lehrer Corn. Queck, gebürtig aus Würselen
Wenkerbogen 29045 aus Klinkum aus dem Jahr 1876
Auszug Seite B mit den Angaben zum Schulort und zur Lehrperson,
hier: Lehrer Corn. Queck, gebürtig aus Würselen und weiteren Angaben
Wenkerbogen 29052 aus Rath-Anhoven aus dem Jahr 1876, damals noch Rath
Auszug Seite A mit den ersten 10 Sätzen,
ausgefüllt durch Lehrer Benedict Heinen, gebürtig aus Wegberg
Wenkerbogen 29052 aus Rath-Anhoven aus dem Jahr 1876, damals noch Rath
Auszug Seite B mit den Angaben zum Schulort und zur Lehrperson,
hier: Lehrer Benedict Heinen, gebürtig aus Wegberg und weiteren Angaben

Gerade die ältesten Bogen mit den Übersetzungen der Wenkersätze aus dem damaligen Deutschen Reich sind überwiegend in der deutschen Kurrent geschrieben – und damit in einer Schriftform, die schon seit längerer Zeit nicht mehr an den Schulen gelehrt wird und die heute nur noch den wenigsten spontan zugänglich ist. Da es sich um handschriftliche Dokumente handelt, ist es bisher nicht gelungen, sie mit technischen Mitteln (etwa OCR oder Texterkennung) elektronisch lesbar zu machen – dafür ist nach wie vor Handarbeit nötig.

Daher der Aufruf in der Wenkerbogen-App des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas DSA: Mitmachen – Über das Citizen Science-Projekt

> zum aktuellen Stand unseres Citizen Science-Projekts: Dä Berker Wenk-er


Die 40 Sätze Georg Wenkers

Ab 1879 lag eine Fassung aus 40 Sätzen vor, die später oft als „Wenkersätze“ (oder genauer: „Die 40 Sätze Georg Wenkers“) bezeichnet wurden.

Allerdings gibt es auch in diesen 40 Sätzen noch kleine Unterschiede zwischen der Version, die in Nord- und Mitteldeutschland 1879/80 erhoben wurde, und einer leicht unterschiedlichen Fassung, die 1887/88 in Süddeutschland und später auch in anderen Gebieten, etwa Österreich und der deutschsprachigen Schweiz, verwendet wurde. In Luxemburg wurden den 40 Sätzen noch 4 weitere hinzugefügt.

Die 40 Wenkersätze - ab 1879
1. Im Winter fliegen die trocknen Blätter durch die [süddeutsche Erhebung: in der] Luft herum.
2. Es hört gleich auf zu schneien, dann wird das Wetter wieder besser.
3. Thu Kohlen in den Ofen, daß die Milch bald an zu kochen fängt.
4. Der gute alte Mann ist mit dem Pferde durch’s Eis gebrochen und in das kalte Wasser gefallen.
5. Er ist vor vier oder sechs Wochen gestorben.
6. Das Feuer war zu heiß [süddeutsche Erhebung: stark], die Kuchen sind ja unten ganz schwarz gebrannt.
7. Er ißt die Eier immer ohne Salz und Pfeffer.
8. Die Füße thun mir sehr weh, ich glaube, ich habe sie durchgelaufen.
9. Ich bin bei der Frau gewesen und habe es ihr gesagt, und sie sagte, sie wollte es auch ihrer Tochter sagen.
10. Ich will es auch nicht mehr wieder thun!
11. Ich schlage Dich gleich mit dem Kochlöffel um die Ohren, Du Affe!
12. Wo gehst Du hin, sollen wir mit Dir gehn?
13. Es sind schlechte Zeiten!
14. Mein liebes Kind, bleib hier unten stehn, die bösen Gänse beißen Dich todt.
15. Du hast heute am meisten gelernt und bist artig gewesen, Du darfst früher nach Hause gehn als die Andern.
16. Du bist noch nicht groß genug, um eine Flasche Wein auszutrinken, Du mußt erst noch ein Ende [süddeutsche Erhebung: etwas] wachsen und größer werden.
17. Geh, sei so gut und sag Deiner Schwester, sie sollte die Kleider für eure Mutter fertig nähen und mit der Bürste rein machen.
18. Hättest Du ihn gekannt! dann wäre es anders gekommen, und es thäte besser um ihn stehen.
19. Wer hat mir meinen Korb mit Fleisch gestohlen?
20. Er that so, als hätten sie ihn zum dreschen bestellt; sie haben es aber selbst gethan.
21. Wem hat er die neue Geschichte erzählt?
22. Man muß laut schreien, sonst versteht er uns nicht.
23. Wir sind müde und haben Durst.
24. Als wir gestern Abend zurück kamen, da lagen die Andern schon zu Bett und waren fest am schlafen.
25. Der Schnee ist diese Nacht bei uns liegen geblieben, aber heute Morgen ist er geschmolzen.
26. Hinter unserm Hause stehen drei schöne Apfelbäumchen mit rothen Aepfelchen.
27. Könnt ihr nicht noch ein Augenblickchen auf uns warten, dann gehn wir mit euch.
28. Ihr dürft nicht solche Kindereien treiben!
29. Unsere Berge sind nicht sehr hoch, die euren sind viel höher.
30. Wieviel Pfund Wurst und wieviel Brod wollt ihr haben?
31. Ich verstehe euch nicht, ihr müßt ein bißchen lauter sprechen.
32. Habt ihr kein Stückchen weiße Seife für mich auf meinem Tische gefunden?
33. Sein Bruder will sich zwei schöne neue Häuser in eurem Garten bauen.
34. Das Wort kam ihm von Herzen!
35. Das war recht von ihnen!
36. Was sitzen da für Vögelchen oben auf dem Mäuerchen?
37. Die Bauern hatten fünf Ochsen und neun Kühe und zwölf Schäfchen vor das Dorf gebracht, die wollten sie verkaufen.
38. Die Leute sind heute alle draußen auf dem Felde und mähen.
39. Geh nur, der braune Hund thut Dir nichts.
40. Ich bin mit den Leuten da hinten über die Wiese ins Korn gefahren.


Die Nacherhebung im Rheinland im Jahr 1884

Nach der erfolgreichen Datenerhebung von 1879 bis 1880 in ganz Nord- und Mitteldeutschland mit einem Bogen mit 40 Sätzen (den "Wenkersätzen"  im eigentlichen Sinne) wurde dieser überarbeitete Fragebogen 1884 auch nochmals in das bereits sieben Jahre zuvor – jedoch mit anderem Bogen – erhobene Rheinland gesandt. In dieser zweiten Phase beteiligten sich 12 Lehrpersonen aus dem heutigen Stadtgebiet, siehe Tabelle weiter unten.
Als zwei Beispiele sehen Sie die Ausschnitte:
(1.) Wenkerbogen Wegberg (23755)
(2.) Wenkerbogen Holtum (23757)
Wenkerbogen 23755 aus Wegberg aus dem Jahr 1884
Auszug Seite A mit den ersten 10 Sätzen
ausgefüllt durch Lehrer Heinr. Gatzenmeier gebürtig aus Cörrenzig
Wenkerbogen 23755 aus Wegberg aus dem Jahr 1884
Auszug Seite B mit den Angaben zum Schulort und zur Lehrperson,
hier: Lehrer Heinr. Gatzenmeier gebürtig aus Cörrenzig
Wenkerbogen 23757 Holtum aus dem Jahr 1884
Auszug Seite A mit den ersten 10 Sätzen
ausgefüllt durch den Lehrer Carl Will, gebürtig aus Beeck
Wenkerbogen 23757 aus Holtum aus dem Jahr 1884
Auszug Seite B mit Angaben zum Schulort und zur Lehrperson
hier: Lehrer Carl Will, gebürtig aus Beeck
Sprach-Karte der Rheinprovinz nördlich der Mosel bearbeitet von Dr. G. Wenker

1878 stellte Wenker auf dieser Datengrundlage eine kartographische Darstellung seiner wichtigsten Resultate zusammen - und legte damit den ersten Sprachatlas vor: seine "Sprachkarte der Rheinprovinz nördlich der Mosel".

Weil die Resultate sehr vielversprechend waren, wurde die Erhebung über mehrere Stufen und mit einigen Modifikationen ausgeweitet, bis im Herbst 1888 das gesamte damalige Deutsche Reich abgedeckt war – Wenker hatte über 48.000 Fragebogen gesammelt!
Ausschnitt aus der "Sprach-Karte der Rheinprovinz":
Der Ausschnitt zeigt detailliert den Verlauf der "Grenze von Benrath".
Zum Vergrößern bitte anklicken.
Der Sprach-Atlas von Nord- und Mitteldeutschland

1881 veröffentlichte Georg Wenker seinen "Sprach-Atlas von Nord- und Mitteldeutschland auf Grund von systematisch mit Hülfe der Volksschullehrer gesammeltem Material aus circa 30.000 Orten bearbeitet, entworfen und gezeichnet"

Der Sprachatlas des Deutschen Reiches (1888-1923)
Georg Wenkers handgezeichnetes Original (WA)
Georg Wenker stand vor einer Mammutaufgabe: Wie lässt sich diese riesige Menge von handgeschriebenen Bögen mit Dialektübersetzungen auswerten und kartieren?
In dem Beitrag "Die Anfänge der Sprachkartographie" (Ganswindt, Brigitte. 2021. Die Anfänge der Sprachkartographie. Sprachspuren: Berichte aus dem Deutschen Sprachatlas 1(11). https://doi.org/10.57712/2021-11) können Sie in einer  Animation sehen, wie Georg Wenker dies bewältigte und der  “Sprachatlas des Deutschen Reichs” entstand.




Die 1.668 von Georg Wenker, Ferdinand Wrede und Emil Maurmann handgezeichneten Teilkarten des WA wurden in zwei Exemplaren angefertigt. Das erste vollständige Exemplar wird im Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas in Marburg archiviert. Das zweite nicht vollständige Exemplar, das für den damaligen Geldgeber, das preußische Innenministerium gezeichnet wurde, befindet sich heute in der Staatsbibliothek Berlin.
Die Karte "Kleid" aus dem Wenker-Sprachatlas,
hier: als Wandbild im Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas an der Universität Marburg,
Foto: Hermann-Josef Heinen > Zum Vergrößern bitte anklicken.
Karte aus dem Wenker-Sprachatlas, Karte "Kleid", Ausschnitt Detail Rheinland, Forschungsstelle Deutscher Sprachatlas, Foto: Hermann-Josef Heinen
Zum Vergrößern bitte anlicken.
Aktuell in der ARD-Mediathek zu sehen:
02.03.1962 ∙ hr Retro | hessenschau
Deutscher Sprachatlas für Dialekte
Das Forschungsinstitut für deutsche Sprache an der Universität Marburg untersucht die deutschen Mundarten. Georg Wenker begründete den Deutschen Sprachatlas.
Literatur

Georg Wenker. Schriften zum Sprachatlas des Deutschen Reiches. Gesamtausgabe.
Band 1: Handschriften: Allgemeine Texte, Kartenkommentare 1889–1897.
Band 2: Kartenkommentare 1898–1911, Druckschriften: Veröffentlichungen 1877–1895;
Georg Wenker. Schriften zum Sprachatlas des Deutschen Reiches.
Band 3: Erläuterungen und Erschließungsmittel zu Georg Wenkers Schriften

Im Mai 2006 gelang Alfred Lameli ein sensationeller Fund in der Berliner Staatsbibliothek: 433 handgeschriebene Hefte mit ausführlichen Kommentaren zu den vielfarbigen Karten des Sprachatlas des Deutschen Reiches, die Georg Wenker (zusammen mit den Karten) bei der Preußischen Staatsbibliothek abgeliefert hatte, so wie es sein Vertrag mit dem Kultusministerium vorsah. „Erst nach Abschluß dieser Arbeiten soll[te] eine Kommission über die Karten- und Materialpublikation entscheiden“ (Knoop et al. 1982: 67). Von 1889 bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1911 arbeitete Wenker an den Karten und Kommentaren. Seinem Mitarbeiter und Nachfolger Ferdinand Wrede scheinen sie bekannt gewesen zu sein, so dass er sie in seinen regelmäßigen Berichten (sehr verkürzt) auswerten konnte. Danach verlor sich in den Wirren zweier Weltkriege und der Teilung Deutschlands die Spur. Über seinen Fund hat Lameli erstmals auf der Bayerisch-Österreichischen Dialektologentagung in Klagenfurt im September 2007 berichtet. Mit Unterstützung der Thyssen-Stiftung hat er sich dann der Aufgabe angenommen, Wenkers Texte zu transkribieren, mit den inzwischen im Marburger Archiv aufgefundenen Konzepten zu kollationieren und in den vorliegenden drei Bänden zu edieren.

Historischer Verein Wegberg e.V. - 08.11.2022 - Letzte Änderung: 19.09.2023

Historischer Verein Wegberg e.V.
Rathausplatz 21, Wegberger Mühle, 41844 Wegberg
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