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Panorama-Aufnahme Wegberg mit Burg Wegberg, Forum, Wegberger Mühle, Rathaus und Pfarrkirche St. Peter & Paul, Foto: Heinen
"Berker Notizen"
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Die Wegberger und ihr Trinkwasser - Teil 3
Von Maria Tannhäuser
Teil 3 - Die Abwasserreinigung
Die Kläranlagen werben damit, dass ohne funktionierende Abwasserreinigung Gewässer verschmutzen, Ökosysteme kollabieren und die Trinkwasserversorgung gefährdet wäre. Dennoch muss man festhalten, dass Kläranlagen eine ziemlich neue Erfindung sind. Die erste Kläranlage auf dem europäischen Festland entstand in den 1880er Jahren. Vor allem in den großen Städten wurde dies am Ende des 19. Jahrhunderts unumgänglich. Immer mehr Menschen zogen in die Städte, den Flüssen blieb weniger Platz, um sich bei Starkregen auszubreiten.
Die vielen Menschen und auch die Industrie, die sich in den Städten ansiedelte, leiteten ihr Schmutzwasser ungefiltert in Bäche und Flüsse. In Perioden von Trockenheit behinderten Abfälle die Fließgeschwindigkeit des Wassers, sodass manchmal nur stinkende Kloaken übrigblieben. Bei Starkregen traten Bäche und Flüsse über die Ufer und verteilten den mitgeführten Unrat in der Stadt. Nicht selten führte dies zum Ausbruch von Seuchen.
Zunächst packte man das Problem in größeren Städten an, indem man das Abwasser grob entschlammte. Die Kläranlage Wegberg wurde erst in den 1950er Jahren gebaut und von1992 bis 1996 umgebaut und erweitert. Das Einzugsgebiet umfasst die Ortslagen Balkhoven, Berg, Busch, Bissen, Ellinghoven, Gripekoven, Holtum, Isengraben, Kehrbusch, Kipshoven, Klinkum, Mehlbusch, Merbeck, Moorshoven, Rath-Anhoven, Rickelrath, Schwaam, Schönhausen, Tetelrath, Tüschenbroich, Uevekoven, Venn, Venheyde, Watern, und Wegberg. Ausgelegt ist die Kläranlage für 47.000 EW mit einer Jahresschmutzwassermenge von 2.230.000 m³. Berücksichtigt wurden dabei die bereits angeschlossenen Einwohner und Industriebetriebe sowie prognostizierte Baugebiete und Industrieansiedlungen.
Anders als Erkelenz hat Wegberg zwei Kläranlagen. Neben dem Klärwerk in Wegberg gibt es eine weitere Anlage in Dalheim (Ecke Dammweg 1a), die nur für die Ortschaften Arsbeck, Dalheim, Rödgen, Petersholz und Wildenrath zuständig ist. Die Netze beider Anlagen sind komplett voneinander getrennt.
Was geschah vor dem Bau der Kläranlagen mit dem Schmutzwasser?
Mundartkenner Theo Schläger beschrieb es in seinem Gedicht Fröhjohrsbote (Frühjahrsboten):
FröhjohrsboteFröher wuar et Hüsske vam Huus separat.Früher war das Häuschen vom Haus separat,Meeschtens abseits, wie z.B. em Jaat.Meistens abseits, z.B. im Garten.Dat hodde du su fass alle Lüüt,Das hatten da so fast alle Leute,doch die aal Fröhjohrsbote fiäle hüüt.doch die alten Frühjahrsboten fehlen heute.Et wu-ed du immer d’r Klo liächjefahre,Es wurde da immer das Klo leergefahrenmet jrute Tonne op hölzere Kaare.mit großen Tonnen und hölzernen Karren.Dat wuar jo-e Dünger för d’r Jaad,Das war guter Dünger für den Garten,for Muhre, Jäze, Jemös un Schlaat.für Möhren, Erbsen, Gemüse und Salat.Dä Driet wu’ed dann trek ongerjewirk,Die Jauche wurde dann direkt untergearbeitet,Soms stonk et och all eens bis en de Kerk.sonst stank es auch schon mal bis in die Kirche.Drietschürjer heeschete die wirklich du.„Drietschürjer“ hießen die wirklich da.Dat wuar kenne Heeschnaam, dat wuar du su.Das war kein Schimpfname, das war da so.Et juav sujar Profis, es dat net interessant?Es gab sogar Profis, ist das nicht interessant?„Driet-Döres“ un „Secktonne-Nelle“ waren bekannt.Scheiß-Theo und Pisstonnen-Nellen waren bekannt.Os kleen welt stonk du ku-ete Zick.Unsre kleine Welt stank da kurze Zeit.Ech jlöv, dat hätt du keene jejück.Ich glaube, das hat da keinen gejuckt.Dat et dat hüüt su net mieh jött,Dass es das heute so nicht mehr gibt,Ech mott sare, ech vermeeß dat net.ich muss sagen, ich vermisse das nicht.(Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Herrn Theo Schläger)
Da Rickelrath erst spät an das Kanalnetz angeschlossen wurde, kann ich mich noch gut an die Zeit erinnern, in der man sich selbst um die Reinigung des eigenen Abwassers kümmern musste. Zumindest hatte man eine Jauchegrube, die man in regelmäßigen Abständen leeren lassen musste. Wahrscheinlich wurden die Jauchefässer auf den Feldern entleert. Abwasch- Bade- und Waschwasser konnte man auch in diese Grube leiten. Oft wurde dieses Wasser aber im Garten entsorgt, wahrscheinlich, weil man die Jauchegrube nicht so oft leeren lassen wollte.
Wer neu baute, musste für sein Haus ein Dreikammersystem vorsehen. Jede Kammer war für eine spezifische Reinigungsaufgabe bestimmt. In der ersten Kammer setzten sich größere Feststoffe und Fette ab. In der zweiten Kammer fand eine anaerobe Zersetzung organischer Stoffe statt. In der dritten Kammer wurden verbleibende Feststoffe entfernt. Dann konnte das Wasser in den Untergrund versickern oder in eine Kleinkläranlage geleitet werden.
Bei neu angelegten Siedlungen wurden manchmal Kleinkläranlagen errichtet. Das war z.B. am Betelsberg der Fall. Die Abwässer von allen neuerrichteten Häusern wurden in die Kleinkläranlage geleitet, dort gereinigt und anschließend über Rohre in die Schwalm geleitet. Als der Kanal angelegt wurde, musste die Straße nicht mehr aufgebrochen werden, die Stadt übernahm das Kanalnetz und schloss es an den neuen Kanal an. Die Kleinkläranlage wurde abgebrochen.
Kurt Braß aus Wildenrath berichtet von einer Kleinkläranlage, einer Fertigteilanlage, die in Wildenrath für etwa 1200 Personen errichtet wurde (Braß, S. 320).
Das Kanalnetz
Das Stadtgebiet ist in die zwei Entwässerungsgebiete der mechanisch-biologischen Kläranlagen "KA Wegberg" mit ca. 189 km Kanal und "KA Dalheim" mit ca. 65 km aufgeteilt. Die Netze beider Anlagen sind komplett voneinander getrennt. Über 60 Pumpen und Sonderbauwerke wie Regenklär- und Umlaufbecken sorgen dafür, dass die Abwässer auch dort ankommen, wo sie gereinigt werden. Pro Jahr sind es etwa zweieinhalb Millionen Kubikmeter, die maximale Verarbeitungskapazität der Anlagen liegt bei 330 Litern pro Sekunde. Betreiber der beiden Kläranlagen ist die Stadt Wegberg. Beide Kläranlagen sind vollautomatisiert.
Die Verlegung des Kanals führte zu Großbaustellen in den Ortschaften. Wie hinderlich das war, konnte man im April dieses Jahres in Rickelrath erahnen. Dort musste für den Kanalanschluss nur eines Hauses für drei Tage die Dülkener Straße gesperrt und der gesamte Verkehr umgeleitet werden.
Abb. 1: Die Verlegung des Kanals (Dülkener Straße/Ecke Schwaamer Straße) Ende der achtziger Jahre in Rickelrath. Foto: Archiv Angerdorf Rickelrath
Abb. 2: Verlegung des Kanals an der Schwaamer Straße in Rickelrath, Foto: Archiv Angerdorf RickelrathWie arbeitet die Kläranlage?
Das Reinigen des Abwassers ist deutlich teurer als die Gewinnung des frischen Trinkwassers. Vom 5.2.2025 bis zum 31.1.2026 verlangte das Kreiswasserwerk 1,70 € pro Kubikmeter Frischwasser. Vom 1.1.2025 bis zum 30.6.2025 wurden für die Beseitigung des Abwassers von der Stadt 4,61 € pro Kubikmeter Abwasser gefordert, vom 1.7.2025 bis zum 30.6.2026 werden Gebühren von 5,32 € pro Kubikmeter erhoben. Das zeigt schon, dass es wesentlich komplizierter sein muss, Abwasser zu entsorgen, als Frischwasser zu gewinnen und zu verteilen.
Häusliche Abwässer, industrielle Abwässer, Abwässer von Deponien, Oberflächenabfluss und Regenwasser gelangen in die Kläranlagen. Eine Kläranlage liegt nach Möglichkeit am tiefsten Punkt im Stadtgebiet. So kann man sich das natürliche Gefälle zunutze machen und muss weniger Pumpleistung erbringen. Die Kläranlage muss aber auch in der Nähe eines Wasserlaufes errichtet werden, weil das geklärte Wasser irgendwohin abgeleitet werden muss.
Vor der ersten Reinigungsstufe pumpt ein Einlaufhebewerk das Abwasser hoch, damit es alle Reinigungsstufen im freien Gefälle durchlaufen und danach in die nahegelegene Schwalm fließen kann.
Abb. 3: Das Einlaufhebewerk vom Grenzlandring aus fotografiert, 2026, Foto: Maria Tannhäuser:
Theoretisch könnte man die stinkende Wassermasse, die in der Kläranlage ankommt, so reinigen, dass man sie wieder trinken kann. Astronauten wenden diese Techniken an, weil sie nicht unbegrenzt Trinkwasser mit auf die Reise nehmen können. Ihre Abwässer enthalten allerdings weniger Fremdstoffe als die Abwässer, die in der Kläranlage ankommen. In Wegberg wird in drei Stufen gereinigt mit einer Reinigungsleistung von 95%. Eine hundertprozentige Reinigungsleistung wäre erheblich komplizierter und teurer.
1. Stufe: Die mechanische Reinigung: Rechen, Sand- und Fettfang, Vorklärbecken
Die mechanische Reinigung besteht aus einer Feinrechenanlage und aus einem belüfteten Sand- und Fettfang. Zunächst werden die vom Abwasser mitgeführten Grobstoffe (Papier, Windeln, Binden, Lebensmittel, die über die Toiletten entsorgt werden) von den nebeneinander angeordneten Rechen aufgefangen, aus dem Wasser gehoben und in eine Transportschnecke abgeworfen. Vor vielen Jahren habe ich einmal eine Kläranlage in Köln besichtigt und mit Entsetzen gesehen, welche riesigen Mengen Lebensmittel offensichtlich über die Toiletten entsorgt worden waren. Heute ist es nicht mehr so viel, damals wurde Mülltrennung noch nicht großgeschrieben. Der Rechen besteht aus Blechlamellen mit 5 mm Zwischenraum. An dieser Stelle werden also alle Stoffe größer als 5 mm zurückgehalten. In einer Waschpresse werden die Fäkalien weitgehend ausgewaschen und dem Abwasser wieder zugegeben. Das ausgesonderte Rechengut wird entwässert und fällt in einen Container.
Sand- und Fettfang, Vorklärbecken
Nach dem Rechen durchfließt das Abwasser zunächst den Sand- und dann den Fettfang. Im Sandfang wird an einer Längsseite Luft eingeblasen. Dadurch bildet sich eine Wasserwalze mit einer Geschwindigkeit von ca. 30 cm/s, so dass sich der Sand absetzen kann, die leichteren organischen Stoffe wie Kaffeesatz, Toilettenpapier etc. jedoch in Schwebe bleiben. Der Sand wird per Pumpe in einen Container befördert, in dem er abtransportiert wird. Am Sandfang teilt sich der Abwasserstrom in zwei Teilströme, die jeweils getrennt die Abwasserreinigung durchfließen.
Jetzt wird das Fett mit eingeblasener Luft in die seitlich angeordnete Fettkammer abgetrieben und schwimmt dort auf. Mit einem Räumschild werden die Fettstoffe von der Oberfläche geräumt und entsorgt.
Dann fließt das Wasser in die Vorklärbecken. Alle Stoffe, welche sich absetzen können, aber nicht im Sandfang zurückgehalten wurden, setzen sich in den Vorklärbecken ab. Ein Räumschild schiebt kontinuierlich den Schlamm am Boden zur Mitte hin.
Von dort wird er in die Schlammbehandlung gepumpt, und anschließend zur Ausfaulung in Faultürme gebracht. Nach dem Vorklärbecken enthält das Abwasser nur noch gelöste Stoffe und Schwebstoffe, die sich durch die Schwerkraft nicht abscheiden lassen, vor allem Kohlenstoff-, Stickstoff- und Phosphorverbindungen. Es fließt jetzt der biologischen Reinigung zu.
Abb. 4: Kläranlage am Grenzlandring: Der Turm im Hintergrund ist der Faulturm, das runde Becken davor ist ein Pufferbecken, das kleinere runde Becken vorne ein sog. Prozesswasserbecken, 2026, Foto: Maria Tannhäuser,
Abb. 5: Kläranlage vom Grenzlandring aus fotografiert, der schmale blaue Turm ist eine Kreidesilo, 2026 Foto: Maria Tannhäuser
Stufe 1 reduziert bereits etwa 30 % der organischen Belastung.
2. Stufe: Die biologische Reinigung
In der biologischen Stufe bauen Mikroorganismen gelöste organische Verbindungen ab. Um die gelösten Stoffe zu entfernen, ist die Umwandlung in eine ungelöste Form notwendig. Diese Aufgabe erfüllt der Belebtschlamm. Er besteht im Wesentlichen aus Bakterien und Einzellern. Sie fressen den gelösten organischen Schmutz. Da sie reichlich Nahrung finden, vermehren sie sich zahlreich. Für den Abbau der Kohlenstoffverbindungen eignen sich viele Bakterienarten. Versorgt mit ausreichend Sauerstoff setzen sie die organischen Verbindungen in Zellsubstanz, Kohlendioxid, Wasser und Energie um. Der Schlamm im Belebungsbecken vermehrt sich in dem Maß, wie der organische Schmutz abnimmt. Der Belüftungsprozess ist entscheidend für die Funktionsweise.
Die Entfernung des Stickstoffs: Nitrifikation und Denitrifikation
Unter anderen muss der im Abwasser gelöste Stickstoff entfernt werden. Unterschiedliche Bakterien sind an diesem Prozess beteiligt: aerobe und anaerobe. Deshalb läuft der Prozess in zwei Phasen ab. Zunächst wird eine große Menge Sauerstoff zugeführt. Mit Hilfe dieses Sauerstoffs formen die aeroben Bakterien in zwei Phasen Stickstoff zunächst um zu Nitrit und dann zu Nitrat. In einem weiteren Becken wandeln die anaeroben Bakterien das Nitrat um zu gasförmigem Stickstoff, der in die Atmosphäre entweicht, die zu fast 80% aus diesem Gas besteht.
Die Gebläse-Station, die den Sauerstoff für die aeroben Bakterien in den Belebtschlamm einbläst, ist der größte Energieverbraucher der Kläranlage.
Aus dem Nitrifikationsbecken fließt das Wasser in die zwei Nachklärbecken in denen der Schlamm abgeschieden und über eine Rezirkulationspumpe in den Zulauf des Denitrifikationsbeckens zurück gepumpt wird.
3. Stufe: Die chemische Reinigung
Die chemische Reinigung entfernt Phosphor und andere schwer abbaubare Stoffe durch Zugabe von Fällmitteln.
Phosphat ist ein essenzieller Rohstoff für die Düngemittelproduktion. Hohe Phosphateinträge in Gewässer können zu Eutrophierung (Kippen der Gewässer) führen, die Wasserqualität nachhaltig negativ beeinflussen und das Ökosystem verändern. Um diese Belastung der Gewässer zu vermeiden, muss das Phosphat aus dem Abwasser entfernt werden.
Diese erweiterte Abwasserbehandlung wird bei erhöhten Anforderungen an die Wasserqualität eingesetzt.
Im Nachklärbecken wird ähnlich wie im Vorklärbecken die Fließgeschwindigkeit stark reduziert, so dass sich in der oberen Schicht das gereinigte klare Wasser sammelt. Es fällt über Kanten, die am Beckenrand angeordnet sind und fließt zur Kontrollstation am Auslauf und weiter in die nahegelegene Schwalm, die unmittelbar an der Kläranlage durch ein Naturschutzgebiet fließt. Die Einleitstelle der Kläranlage Wegberg liegt im Bereich Mühlenbach bis Beeckbach. Der ökologische Zustand des Gewässerabschnittes, in dem die Einleitstelle der Kläranlage Wegberg liegt, wird als schlecht bewertet.
Abb. 6: Die Schwalm rechts neben der Kläranlage, die unter dem Grenzlandring verläuft und hier an die Oberfläche kommt, 2026, Foto: Maria Tannhäuser
Das Wasser ist jetzt ungefähr zu 95 % gereinigt, aber trinken sollte man es so nicht. Unterhalb dieses Schwalmbereiches liegen keine weiteren Trinkwasserentnahmestellen vor.
In der gesamten Schwalm können eine große Anzahl an Rückständen von Medikamenten, Hormonen, Röntgenkontrastmitteln, aber auch Mikro- und Nanoplastik, Schwermetalle und Pestizidwirkstoffe nachgewiesen werden.
Technisch wäre es möglich, auch diese Schadstoffe zu eliminieren, aber der Aufwand wäre fast so groß wie der Aufwand bei den ersten drei Reinigungsstufen.
Die Stadt Wegberg hat eine Machbarkeitsstudie für eine 4. Reinigungsstufe in Auftrag gegeben.
Klärschlammbehandlung und Schlammfaulung
Klärschlamm ist ein Nebenprodukt der Abwasserreinigung, er muss fachgerecht behandelt werden. Er enthält organische Stoffe, Mikroorganismen und teilweise Schadstoffe, die eine spezielle Schlammbehandlung erfordern.
Die Schlammbehandlung umfasst mehrere Verfahrensschritte. Zunächst wird der Klärschlamm durch Wasserentzug eingedickt. Durch anaerobe oder aerobe Faulung werden organische Stoffe abgebaut. Zentrifugen und Filterpressen entziehen dem Schlamm dann weiteres Wasser. Durch thermische und chemische Behandlung werden anschließend Krankheitserreger abgetötet.
Bei der anaeroben Faulung des Klärschlamms wird Biogas erzeugt (Methan und Kohlendioxid). Das Biogas dient zur Strom- und Wärmeerzeugung und macht Kläranlagen teilweise energieautark.
Der Belebtschlamm fließt im Kreislauf durch die Becken. Ein ununterbrochen umlaufender Räumer schiebt den Schlamm am Boden zur Beckenmitte. Von dort fließt er als sogenannter Rücklaufschlamm zum Rücklaufschlammpumpwerk. Ein Teil davon wird zurück in das Belebungsbecken befördert, der Überschussschlamm wird aus dem Kreislauf herausgenommen und in die Schlammbehandlung gepumpt. Mittels eines Bandeindickers wird der Überschussschlamm auf 70 g/l Feststoffe eingedickt und dann in die Faulung gepumpt (Schlammfaulung).
In den Faultürmen wird in einem Gärprozess durch Bakterien ein Teil der organischen Masse in Faulgas umgewandelt. Das Faulgas enthält rund 60 % Methan und ist brennbar. Es wird in einem Heizkraftwerk zur Erzeugung von Strom genutzt und dieser anschließend in das Stromnetz der Kläranlage eingespeist. Die Stadt plant, eine Photovoltaikanlage östlich der Kläranlage im Eckbereich Grenzlandring und Feltenbergweg zu errichten (rechts von der Schwalm, wenn man am Grenzlandring steht). So könnten schätzungsweise 450.000 kWh Strom pro Jahr für den Betrieb der Kläranlage erzeugt werden.
Funktionsweise von Pumpstationen
Bevor das Abwasser gereinigt werden kann, muss es aus den einzelnen Ortschaften zur Kläranlage transportiert werden. Das geschieht mit Hilfe von über 60 Pumpstationen und Sonderbauwerken wie Regenklär- und Umlaufbecken.
Diese sammeln Abwasser in einem Sammeltank und heben es mit Hilfe von Pumpen auf ein höheres Niveau, um es in die Kanalisation zu leiten. Dieser Prozess ist notwendig, wenn das Abwasser aufgrund von unzureichendem Gefälle oder anderen Hindernissen nicht von selbst abfließen kann.
Rückschlagventile verhindern, dass Wasser aus der Kanalisation zurück in die Pumpstation gedrückt wird, was besonders bei Starkregenereignissen wichtig ist.
Pumpstationen gibt es z.B. in Rickelrath, Wildenrath Nähe St. Joh. Baptist, Klinkum am Busbahnhof, Kipshoven Schriefersmühle und Hl. Kreuz-Kapelle.
Abb. 7: Pumpstation in Rickelrath, Schwaamer Straße, auf dem ehemaligen Gelände der Neumühle, 2026, Foto: Maria Tannhäuser
Abwasserrechnung
Gemeinde trennt sich von Wasserwerk
Bis 2012 war das Kreiswasserwerk auch für die Abrechnung des Abwassers zuständig. Im Jahre 2012 wandte sich das Kreiswasserwerk Heinsberg an alle Kunden im Stadtgebiet Wegberg. Dort wurde mitgeteilt, der Rat der Stadt Wegberg habe in der nicht öffentlichen Sitzung vom 20.12.2011 beschlossen, das Vertragsverhältnis über den Einzug von Abwasser und Niederschlagsgebühren durch die Kreiswasserwerk Heinsberg GmbH zu beenden. Das Kreiswasserwerk bedauerte diesen Schritt und kritisierte, hierdurch verlören die Kunden die Abrechnungstransparenz, denn auf den bisherigen Rechnungen wären die Menge für Frisch- und Abwasser identisch. Ferner wurde mitgeteilt, ab sofort würden von der Kreiswasserwerk Heinsberg GmbH keine Abschläge mehr für Abwasser- und Niederschlag berechnet. Die Kunden wurden gebeten, sich in Fragen bezüglich Abwasser- und Niederschlagsgebühren sowie bei Fragen zu Gartenzählern ausschließlich an das Steueramt der Stadt Wegberg zu wenden, da dieses für die zukünftige Abrechnung der Abwasser- und Niederschlagsgebühren ab jetzt zuständig sei.
Fortan bekommen die Wegberger also 2 große Abrechnungen mit Abschlagsbescheiden. Zunächst kommt die Wasserabrechnung (etwa im Januar), einige Monate später folgt der Bescheid über Schmutzwassergebühren. Das Niederschlagswasser wird im Bescheid über die Grundbesitzabgaben berücksichtigt.
Seit Jahren wird beklagt, dass die Abwassergebühren in Wegberg vergleichsweise hoch sind. 2018 z.B. lag die Schmutzwassergebühr mit 4,44 Euro mehr als doppelt so hoch wie in Erkelenz (1,91 Euro). Auch in der Gemeinde Brüggen (2,80 Euro) war die Abwasserbeseitigung im Vergleich zu Wegberg rund 40 Prozent günstiger.
Hauptkostentreiber sind die beiden in Wegberg zu betreibenden Kläranlagen. Für beide muss Personal gestellt, für beide müssen laufende Ausgaben für Unterhaltung und Bewirtschaftung getätigt, für beide müssen fixe Kosten umgelegt werden. Das schlägt nach Angaben der Stadtverwaltung im Kostenvergleich zwischen Erkelenz und Wegberg deutlich zu Buche. Darum wurde diskutiert, ob man die Kläranlage in Dalheim nicht aufgeben könne. Aus technischer Sicht wäre eine Verknüpfung der Kanalsysteme und ein zentraler Transport der Abwässer nach Wegberg möglich. Dann müsste die Anlage in Wegberg allerdings erheblich vergrößert werden. Eine Transportleitung müsste gebaut, neue Pumpstationen müssten betrieben werden. Die Kosten hierfür würden die Ersparnisse über Jahre hinweg auffressen.
Ein weiteres Problem ist darin zu sehen, dass das Kanalsystem in die Jahre gekommen ist und regelmäßig große Reparaturen nötig werden, weil alte Rohre platzen. Auch ist zu berücksichtigen, dass die Stadt Wegberg aus 40 Ortsteilen besteht, die räumlich oft voneinander getrennt liegen, was ein großes Transportnetz nötig macht.
Zusätzlich spielt der hohe Verschmutzungsgrad des Abwassers in Wegberg eine nicht zu unterschätzende Rolle. Darum ließ die Stadt Wegberg den Einfluss des gewerblichen Abwassers auf die Kläranlagen untersuchen. Das führte zu dem häufig geäußerten Verdacht, die Gebührenzahler in Wegberg würden durch gewerbliche Abwasserfrachten unverhältnismäßig belastet. Ein 2020 eingeführter Starkverschmutzerzuschlag sollte für mehr Gerechtigkeit sorgen, führte aber nicht zu erheblich verringerten Abwassergebühren für die Bürger.
Dass die Kläranlage Wegberg zuletzt temporär immer wieder drastisch überlastet war, dokumentiert die Statistik der Verwaltung. Die Kläranlage ist für einen Einwohnergleichwert von 48 000 ausgelegt. Im Jahr 2011 wurde eine Belastung gemessen, die einem Einwohnergleichwert von 82 372 entspricht, im Jahr 2012 von 81 327, im Jahr 2013 von 102 029 und im Jahr 2014 sogar von 161 676.
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Führungen durch das Kreiswasserwerk Uevekoven und durch die Kläranlage Dalheim
Der historische Verein Wegberg hat eine Führung durch das Kreiswasserwerk Heinsberg und durch die Kläranlage Dalheim organisiert. Einzelheiten hierzu werden in einem Rundschreiben bekanntgegeben.
Historischer Verein Wegberg e.V. - 11.05.2026 - Letzte Änderung: 11.05.2026
