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Historischer Verein Wegberg e.V.

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Panorama-Aufnahme Wegberg mit Burg Wegberg, Forum, Wegberger Mühle, Rathaus und Pfarrkirche St. Peter & Paul, Foto: Heinen
"Berker Notizen"

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BERKER

NOTIZEN
Die Wegberger und ihr Trinkwasser - Teil 2
Von Maria Tannhäuser
Teil 2 - Als das Trinkwasser aus dem Hahn kam
Die Trinkwasserversorgung ist heute ein Element der kommunalen Daseinsvorsorge. Sie entwickelte sich in unserer Region vom Beginn des 20. Jahrhunderts an und war ein Mammutprojekt.
Bevor wir Wasser aus dem Wasserhahn beziehen konnten, mussten die geeignetsten Wasserentnahmestellen gefunden, Wasserwerke und Wassertürme errichtet und ein circa 900 km langes Rohrnetz verlegt werden. Die Bürger mussten für das Projekt interessiert, ca. 43.000 Hausanschlüsse realisiert werden. Dafür mussten lt. einer Information des Kreiswasserwerks in Uevekoven 500 km Hausanschlussleitungen verlegt werden. Das dauerte seine Zeit, nicht alle Regionen konnten gleichzeitig bedient werden. Wie bereits in Teil 1 erwähnt, geschah das hier zwischen 1903 und 1957.
Abb. 1: Die geschichtliche Entwicklung der "Wasserentnahmearmaturen", dargestellt in der Ausstellung in den Römerthermen Zülpich / Museum der Badekultur, Foto: Hermann-Josef Heinen (2022)
In unserer Region: Wassergewinnung aus dem Grundwasser
Das Rohwasser wird heutzutage aus Talsperren, Seen, Uferfiltraten und zu etwa 65 % aus angereichertem Grundwasser gewonnen. Letzteres kam für unsere Region in Frage.
Zunächst mussten umfangreiche Untersuchungen über die räumliche Abgrenzung des möglichen Gewinnungsgebietes und über seine geologischen, hydrogeologischen, meteorologischen und hydrochemischen Verhältnisse angestellt werden. Langanhaltende Grundwasserentnahmen müssen sich an der verfügbaren Grundwasser-Ressource orientieren. Geschieht das nicht, kann es zu Beeinträchtigungen der Ökosysteme kommen, oberirdische Gewässer oder Quellen können trockenfallen. In Abhängigkeit von der Größe der Wassereinzugsgebiete und der Grundwasserneubildungsrate wurden aufgrund von Gutachten die möglichen Wassermengen, die hier ohne Beeinträchtigung der Umwelt gefördert werden können, festgelegt. Die Genehmigungsbehörden haben dem Kreiswasserwerk Heinsberg GmbH Fördermengen von 9.800.000 m³/Jahr bewilligt. Etwa 7.200.000 m³ werden zurzeit pro Jahr vom Kreiswasserwerk an die Verbraucher weitergegeben.
Zu beachten waren nicht nur die Menge des verfügbaren Grundwassers, sondern auch seine qualitative Beschaffenheit.
Was auch zu berücksichtigen war, waren konkurrierende Nutzungsansprüche, wie zum Beispiel Wasserentnahmen für Produktionszwecke, Abwassereinleitungen aus Industrie und Kommune, aus Krankenhäusern und Altenheimen. Diese können der Gewinnung von Trinkwasser entgegenstehen.
Wassergewinnungsanlagen wurden letztendlich errichtet in Arsbeck, Beeck, Holzweiler, Matzerath, Mennekrath, Uevekoven und Wassenberg.
Die Wasserwerke, das Kreiswasserwerk
Ein weiterer wichtiger Schritt war der Bau von Wasserwerken.
Ein Wasserwerk dient der Aufbereitung von Trinkwasser. So wird sichergestellt, dass nur sauberes Wasser in gleichbleibender Qualität in die Haushalte gelangt.
Im Wasserwerk sorgen Filter, Pumpen, Wasserspeicher, Hochbehälter für Reinigung und Weiterleitung des Wassers. Die chemische und biologische Zusammensetzung des Wassers wird hier regelmäßig kontrolliert. Nach der Aufbereitung wird das Trinkwasser in unterirdische Behälter zur Zwischenspeicherung geleitet und von dort über ein umfangreiches Leitungsnetz zu den Verbrauchern gepumpt.
Das Leitungswasser in Erkelenz, Hückelhoven, Wegberg und Wassenberg wird von drei Wasserwerken geliefert: Arsbeck, Erkelenz und Uevekoven. In Arsbeck hat man zur Gewinnung des Grundwassers vier Tiefenbrunnen gebohrt, für das Wasserwerk Erkelenz 3 Tiefenbrunnen. Das Trinkwasser aus dem Wasserwerk Uevekoven wird aus 11 Flachbrunnen und 3 Tiefenbrunnen gefördert. Tiefenbrunnen sind 55 – 300 m, Flachbrunnen 21 – 25 m tief.
In Arsbeck begannen die Arbeiten 1913, in Erkelenz 1902/03, in Uevekoven 1934.
Betreiber dieser Wasserwerke ist seit 1934 die Kreiswasserwerk Heinsberg GmbH mit Sitz in Uevekoven, Am Wasserwerk 5. Sie koordiniert die Wasserversorgung von ca. 135.000 Einwohnern der Städte Erkelenz, Hückelhoven, Wegberg und Wassenberg. Im Durchschnitt verbraucht hier jeder 45 m³ Wasser/Jahr.
Die Versorgungsbereiche Uevekoven/Holzweiler, Arsbeck, Wassenberg und Erkelenz werden unabhängig voneinander betrieben. Insgesamt verfügt das Kreiswasserwerk über sieben Trinkwasservorratsbehälter mit einem Speichervermögen von 13.600 m³ insgesamt. 29 Reinwasserpumpen speisen das Trinkwasser mit einer Leistung von 20 – 1000 m³/Stunde ins Netz. Der Netzdruck liegt je nach Höhenlage zwischen 3,0 und 8,5 bar. (Zahlen vgl. Schautafeln vor dem Kreiswasserwerk)

Abb. 2 Haupteingang Kreiswasserwerk in Uevekoven, 2026, Foto: Maria Tannhäuser
Abb. 3 Linker Seitenflügel des Kreiswasserwerkes Uevekoven 2026, Foto: Maria Tannhäuser
Prozess der Wasseraufbereitung
Grundwässer unterscheiden sich in ihren physikalischen und chemischen Eigenschaften nicht selten deutlich voneinander. Im Wasserwerk wird das Rohwasser so aufbereitet, dass es überall in gleicher Qualität aus dem Kran kommt, was bei einer Wasserversorgung durch Pumpen oder Gartenbrunnen nicht der Fall ist.
Zunächst wird das Rohwasser in das Wasserwerk gepumpt. Dort wird es gefiltert. Kommt das Wasser aus Tiefenbrunnen, müssen oft Eisen und Mangan entfernt werden. Ist das Rohwasser mit Bakterien behaftet, müssen diese durch Chlor und Ozon abgetötet werden. Anschließend müssen diese Chemikalien wieder aus dem Wasser entfernt werden. Danach wird das Wasser belüftet, Kohlendioxyd wird entfernt, Sauerstoff hinzugefügt. Dann wird das Wasser noch weiter gefiltert.
Probleme bei der Aufbereitung von Rohwasser kann es geben, wenn die Gewässer mit zu vielen Schadstoffen belastet sind. Zur Entfernung dieser Stoffe sind technisch aufwendige und teure Aufbereitungsverfahren erforderlich. Nur etwa ein Viertel des dem natürlichen Wasserkreislauf entnommenen Rohwassers kann ohne vorherige Aufbereitung zur Trinkwasserversorgung genutzt werden.
Wasserschutzgebiete
Um die Qualität des Trinkwassers langfristig zu sichern, müssen die Einzugsgebiete der Wassergewinnung zuverlässig geschützt werden. Hierfür werden zum Beispiel Wasserschutzgebiete ausgewiesen, in denen bestimmte landwirtschaftliche, industrielle oder bauliche Aktivitäten eingeschränkt sind. Das kann z.B. zu einem Verbot von Weidetieren führen.
Zum Schutz des Grundwassers im Einzugsgebiet der Wassergewinnungsanlagen Wegberg -Uevekoven und Erkelenz -Mennekrath der Kreiswasserwerk Heinsberg GmbH wurde ein Wasserschutzgebiet festgesetzt. Das gliedert sich in eine weitere Schutzzone (Zone 3) die engere Schutzzone (Zone 2) und die Fassungsbereiche (Zone 1). Das Wasserschutzgebiet erstreckt sich innerhalb der Stadt Wegberg auf Teile der Gemarkung Wegberg und innerhalb der Stadt Erkelenz auf Teile der Gemarkungen Erkelenz, Schwanenberg, Gerderath, und Golkrath.
Foto 4: Maria Tannhäuser: Wasserschutzgebiet und Naturschutzgebiet am Wasserturm Arsbeck

Funktion der Wassertürme
Circa 50 Mitarbeiter des Kreiswasserwerks sorgen dafür, dass wir unser Trinkwasser täglich und zu jeder Zeit erhalten. Nicht zu jeder Tageszeit ist der Bedarf an Wasser gleich hoch. Versorgungsengpässe zu Stoßzeiten müssen ausgeglichen werden.
1934, als die Wasserleitungen in Wegberg verlegt wurden, benötigte man noch Wassertürme. Damit wurde eine riesige Menge Wasser in Hochbehältern gespeichert. Die Höhe der Wassertürme sorgte für den notwendigen hydrostatischen Druck, der benötigt wurde, um das Wasser zu den Verbrauchern zu transportieren. Das Wasser fließt durch die Schwerkraft. Alle Abnehmer mussten tiefer liegen als der Wasserbehälter des Turms. Inzwischen wurden die Wassertürme in unserer Region durch Pump- und Speicherwerke ersetzt.
Nach der Speicherung wird das Trinkwasser über ein weit verzweigtes Netz aus Wasserleitungen zu den Verbrauchern transportiert. Pumpenanlagen und Regelventile sorgen dabei für einen gleichmäßigen Wasserdruck – unabhängig davon, ob sich ein Haus am Ortsrand, auf einer Anhöhe oder direkt neben dem Wasserwerk befindet.
Der Wasserturm Arsbeck
Der Wasserturm Arsbeck wurde bereits 1913 erbaut. Was die Höhe betrifft, findet man unterschiedliche Angaben (27 m? oder 38,4 m?). Sein Behälter fasst 150 m³ Wasser. Der Umgang wurde mit verputztem, weiß gestrichenen Bimsbeton verkleidet. Seit Anfang der 80er Jahre ist der Wasserturm nicht mehr in Betrieb, 1985 wurde er unter Denkmalschutz gestellt.
Foto 5: Maria Tannhäuser, Der Wasserturm Arsbeck 2026

Der Wasserturm Uevekoven
Der Wasserturm Uevekoven wurde 1934 auf einer leichten Anhöhe erbaut und im
Dezember dieses Jahres in Betrieb genommen. Er ist 53 m hoch, der Speicherbehälter
hat einen Durchmesser von 10 m und ein Fassungsvermögen von 400 m³ Wasser. Bis Anfang der 80er Jahre war er in Betrieb. Seit dem 29. Juli 1991 steht er unter Denkmalschutz. Seit 1995 ist der Wasserturm in Privatbesitz.

Foto 6: Maria Tannhäuser: Wasserturm Uevekoven 2026

Der Wasserturm in Erkelenz/Matzerath
Dieser 32 Meter hohe Backsteinturm an der L227 wurde 1934 mit einer doppelschaligen Konstruktion erbaut, um so dem Trinkwasser auch bei hohen Außentemperaturen seine Frische zu erhalten. Der Behälter hinter der Mauer ist aus Stahlbeton und fasst 300 m³ Trinkwasser. Der Turm steht seit 1991 unter Denkmalschutz.
Dieser Turm wird nach wie vor aktiv als Wasserturm genutzt. Er dient als Trinkwasserspeicher, gleicht Druckschwankungen im Netz aus und fungiert als Puffer, wenn der Verbrauch in Spitzenzeiten steigt. Durch die Höhe des Turms entsteht ein hydrostatischer Druck, der für einen konstanten Wasserdruck sorgt. Gesteuert wird dies inzwischen automatisch – moderne Pumpen halten den Wasserstand im Turm präzise auf dem erforderlichen Niveau.
Da der Turm noch für die Trinkwasserversorgung gebraucht wird, gehört er zur kritischen Infrastruktur. Deshalb ist er von einem Zaun umgeben.
Seit 1992 ist er ein geschütztes Baudenkmal.
Foto 7: Maria Tannhäuser: Wasserturm Matzerath 2026
Die Verlegung der Wasserrohre
Heute wirbt das Kreiswasserwerk damit, dass es ca. 135.000 Einwohner der Städte Erkelenz, Hückelhoven, Wegberg und Wassenberg mit Trinkwasser versorgt und über ein ca. 900 km langes Rohrnetz mit ca. 45.000 Hausanschlüssen verfügt.
1933 begann man in Beeck mit der Verlegung der 80 bis 125 Millimeter großen Rohre für ein modernes Wasserversorgungsnetz. Viele Bewohner leisteten dabei selbst die notwendigen Erdarbeiten, um Kosten zu sparen (vgl. Heinz Gerichhausen, Als Licht und Wasser nach Beeck kamen, in: Beecker Blätter, Hrsg. Heimatverein Beeck, Ausgabe 10, Mai 1990, S. 7).
31 Ortschaften der Gemeinden Schwanenberg und Wegberg konnten am 15.12.1935 mit Wasser aus dem Gruppenwasserwerk Wegberg mit Brunnen in Uevekoven mit gutem Wasser versorgt werden (Heinz Gerichhausen, S.7).
Auch in Wildenrath wurde 1935/36 kräftig an der Wasserleitung gearbeitet. 1936 war die Hauptleitung vom Wasserturm Dalheim bis durch den Ort durchgeführt und man konnte sich daran machen, die Hausanschlüsse anzulegen. Eine Reihe Arbeitslose fanden damals dadurch eine lohnende Beschäftigung, zumal der Anschluss der Leitung von dort nach Myhl folgte (vgl. Kurt Braß, Eine Sammlung von Berichten von und über Wildenrath im Wandel der Zeit, Wann war was?, Erkelenz 2018/2019, S. 295).
Der Eckart, das Haus Wildenrath und das Ende der Hochstraße wurden allerdings erst im September 1947 an das Wasserleitungsnetz angeschlossen (Kurt Braß, S. 299).
Ein Rohrnetz von 900 km ließ sich nur in Etappen verlegen. Wie bereits in Teil 1 erwähnt, kam Erkelenz zunächst dran, Wegberg 1934, Busch, Rickelrath und Schwaam mussten bis 1957 warten.

Die Verlegung der Wasserrohre im Kreisnorden
Im November 1956 notierte Frau Zermahr, Leiterin der Rickelrather Volksschule, in der Schulchronik:
„Am ______ wurden die Arbeiten zur Versorgung des Kreisnordens mit Wasser der Kreiswasserwerke aufgenommen. Bei einer kleinen Feier, zu der die Gemeinde Wegberg eingeladen hatte, vollzog Herr Oberkreisdirektor Steinhüser in Berg bei Wegberg den ersten Spatenstich.
Mit diesem Projekt von 2,4 Millionen DM werden die Gemeinden Elmpt, Niederkrüchten und die restlichen Teile der Gemeinde Wegberg versorgt. Es handelt sich um ein Gebiet mit 8300 Einwohnern und 2100 Haushaltungen. 63 Kilometer Rohre müssen verlegt werden.“
(Schulchronik für die Zeit vom 18.11.1953 bis zum 04.07.1969)
Bei der Verlegung der Wasserrohre machte man folglich nicht an den damals bestehenden Kreisgrenzen halt.
Auch die Westdeutsche Zeitung beschäftigte sich mit dem Thema. So konnte man am 24.10.1956 in der Zeitung lesen:
„Hausfrauen werden sich freuen: Rickelrath und Busch erhalten bald Wasseranschluss“
 Wie die Zeitung berichtete, waren die Bewohner der Ortschaften Rickelrath und Busch zu einer Dorfversammlung eingeladen worden, die gut besucht wurde. Bürgermeister Kohlen, der Leiter des Kreiswasserwerkes Laumen und auch der Vorsitzende des Bauausschusses nahmen an der Versammlung teil. Laumen versicherte, dass mit den im September begonnenen Arbeiten der Anfang für die Versorgung des Nordens gemacht sei. Bis zur Heranführung der neuen Transportleitung von Uevekoven aus würden Busch und Rickelrath zunächst an die Leitung angeschlossen, die bis zur Ortschaft Berg verlegt sei. Man rechne damit, dass noch in diesem Jahr in einem Teil der Haushaltungen das Wasser fließe. Wegen der Verlegung der Hausanschlüsse verhandele das Wasserwerk in eigener Zuständigkeit mit den Hauseigentümern. Ein Hausanschluss werde pro laufenden Meter etwa 16 DM kosten. Durch Eigenleistungen könnten Eigentümer die Kosten verringern. Die Hauptleitung werde sehr dicht an die Grundstücke herangeführt.
Im Anfang der Belieferung werde keine Abrechnung nach Wasseruhr erfolgen. Abnehmer sollten eine Pauschale in Höhe von 2,70 DM je Monat zahlen. Bestimmte Aufstockungen des Betrages würden im Rahmen einer erhöhten Bedürfnisfrage geprüft werden. Nach Abschluss des ersten Bauabschnittes würden alle Haushaltungen mit kostenlos gelieferten Wasseruhren versehen. Es würden auch mehrere Hydranten zur Aufstellung kommen, und auch der Friedhof werde eine Wasserleitung erhalten. Die Höhe der durch die Landwirtschaft und Industrie zu zahlenden Wasserpreise werde nach erträglichen Sätzen berechnet.
Bürgermeister Kohlen betonte, dass das fließende Wasser aus dem Kran die Hausarbeit erheblich erleichtere. Die Mühe werde sich lohnen, denn der Tagesverbrauch betrage nicht einmal den Wert einer Zigarette.
In einem weiteren Zeitungsartikel konnten die Leser erfahren, dass etwa 60.000 bis 70.000 Kubikmeter Erde bewegt werden müssten. Das zu errichtende neue Leitungsnetz werde eine Gesamtlänge von 60 -70 km haben.
Die große Transportleitung, bestehend aus Asbest-Zement-Rohren, werde von Uevekoven bis Berg einen Querschnitt von 300 Millimetern haben.
Sie führe vom Kreiswasserwerk über Großgerichhausen und Beeckerheide nach Berg. Beeckerheide werde zunächst umgangen. Von der Ecke Welz ab verlaufe die Leitung dann im Zuge der Straße und des Weges an der Spinnerei Bartmann vorbei nach Berg.
Die bereits angefangene Leitung in Berg habe bis Niederkrüchten einen Querschnitt von 250 Millimetern. Von Rickelrath führe die Haupttransportleitung über Schwaam, Vennheyde, Tetelrath, Silverbeck und Ryth nach Niederkrüchten. Die Stichleitung für Merbeck zweige zwischen Vennheyde und Venn ab.
Von Niederkrüchten ab werde eine Ringleitung verlegt, die bis Elmpt einen Querschnitt von 200 Millimetern habe. Sie führe über Oberkrüchten, Boscherhausen und Steinkenrath nach Elmpt. 150 Millimeter betrage der Querschnitt der Rohre von Elmpt bis Overhetveld. Von hier aus über Kapelle und Dilborn bis Heyen würden Rohre mit 125 Millimeter Querschnitt und dann wieder bis Niederkrüchten mit 150 Millimeter verlegt.
Von Heyen aus führe die Leitung über Gützenrath und Brempt wieder nach Niederkrüchten. Die Versorgungsleitungen der Ortschaften innerhalb dieses Ringes würden zum großen Teil an zwei Stellen der Haupttransportleitungen angeschlossen, so dass der große Ring wieder unterteilt werde.
Der Druck auf den Leitungen werde durch den Wasserturm in Matzerath sichergestellt. Sein Wasserbehälter liege etwa 130 Meter über dem Meeresspiegel, während die Häuser im Norden des Kreises etwa halb so hoch liegen. Außerdem sei in Ryth eine Druckerhöhungsstation vorgesehen (vgl. EVZ, 31.12.1956).
Mit dem fließenden Leitungswasser wurde der Anfang gemacht für Toiletten mit Wasserspülung, vollautomatische Waschmaschinen, Badezimmer. Aber noch waren dafür nicht alle Probleme gelöst. Die Wasserleitungen mussten noch innerhalb der Häuser verlegt werden. Sie mussten an Heizsysteme angeschlossen werden, um warmes Wasser zu produzieren. Auch der Abwasserkanal fehlte noch.

Erste Bäder
Waren alle erforderlichen Leitungen im Haus verlegt, konnten die Bewohner an die Einrichtung eines Bades denken. Da das nicht bei jedem sogleich möglich war, boten die Gemeinden Hilfen an.
In Rickelrath wurde 1953 eine neue Schule gebaut. Obwohl damals das Wasser im Ort noch nicht verlegt war, wurde die Schule mit Toilettenräumen versehen, in denen die Toiletten Wasserspülung und in denen es auch Waschbecken zum Händewaschen gab. Das muss damals dann über ein Wasserreservoir geregelt worden sein. Im Keller wurde eine Duschanlage errichtet, wahrscheinlich, weil damals die meisten Leute kein eigenes Badezimmer hatten. Der Samstag war kein unterrichtsfreier Tag. Samstags war in der Schule Duschtag. Das Duschen fand nach Geschlechtern getrennt statt. Die Mädchen wurden dabei von der Lehrerin beaufsichtigt, die Jungen vom Lehrer. Geduscht wurde im Badeanzug. Der Duschraum war so groß, dass 20-30 Kinder gleichzeitig darin duschen konnten. Später, als nur noch ein Lehrer da war, fiel für die Mädchen das Duschen weg. Während der Lehrer die Jungen im Keller beaufsichtigte, blieben die Mädchen unbeaufsichtigt oben im Klassenraum, schrieben einen Aufsatz und malten dazu etwas.
In der Wildenrather Schule wurde 1954 im Erdgeschoss eine Badeanstalt mit zwölf Duschen und zwei Badewannen eingerichtet. Jedes schulpflichtige Kind konnte hier einmal wöchentlich unentgeltlich duschen. Am Samstagnachmittag hatten die Erwachsenen die Möglichkeit, gegen eine Gebühr von 0,40 DM zu duschen oder für 0,60 DM zu baden (Kurt Braß, S. 306).
1957 bekam die Wildenrather Schule sogar ein Lehrschwimmbecken (Kurt Braß, S. 228).
Die Wasserrechnung
Einen Nachteil hatte die Verlegung des Trinkwassers: Man musste ab jetzt Wassergeld bezahlen. Solange noch keine Wasseruhren installiert waren, zahlte jeder Haushalt 2,70 DM/Monat. Nach Installation der Wasseruhren bezahlte man nach Verbrauch.

Foto 8: Archiv Historischer Verein Wegberg, Wasserverbrauchsheft, hier 1964
Alle zwei Monate kam der „Wassermann“. Dem hatte man sein Verbrauchsheft vorzulegen. Daraus ging der Verbrauchsstand des letzten Ablesemonats hervor. Der Ableser trug in das Heft ein, wieviel seitdem verbraucht worden war. Dann errechnete er das zu entrichtende Wassergeld einschließlich Grundgebühr und kassierte sogleich. Wer sein Heft nicht vorweisen konnte, musste eine Strafe von100 DM zahlen.

Ab wann genau der „Wassermann“ nur noch einmal pro Jahr kam, konnte noch nicht ermittelt werden. Dann wurde die Wasseruhr abgelesen und abgerechnet. Der Durchschnittsverbrauch eines Jahres wurde ermittelt und eine Pauschale bestimmt, die der Kunde einmal alle drei Monate per Überweisung zu zahlen hatte.
Die Zukunft der Wasserversorgung in Wegberg
Eine Stadt hat das Exklusivrecht für die Versorgung ihrer Bürger mit Wasser.
Wegberg hat dieses Recht bisher an das Kreiswasserwerk abgetreten. Dafür bekommt es eine Prämie von 400.000 € pro Jahr (s. RP vom 20.09.2025). Die Konzession läuft am 1.1.2027 aus. Aus diesem Grund hat Wegberg die Konzession neu ausgeschrieben, sehr zum Ärger des Kreiswasserwerks, dass sich nach eigenen Aussagen an der Ausschreibung nicht beteiligen kann. Das wird damit begründet, dass das Kreiswasserwerk, bisher alleiniger Gesellschafter der GmbH, jetzt die beteiligten Städte als Gesellschafter in die GmbH aufnehmen will. Erkelenz soll einen Anteil von 9,25 % bekommen, Hückelhoven einen Anteil von 6,75 % und Wassenberg einen Anteil von 3,75 %. Für Wegberg war ein Anteil von 5,25 % vorgesehen. 75% sollten anteilig beim Kreiswasserwerk bleiben. Macht das Kreiswasserwerk Gewinne, muss es diese anteilig in Zukunft an die Gesellschafter auszahlen. Außerdem muss das Kreiswasserwerk künftig 90 % seiner Tätigkeiten in den beteiligten Städten leisten. Würde die Wasserkonzession Wegbergs an einen anderen Anbieter gehen, könnte das Kreiswasserwerk Wegberg nicht mehr mit Wasser versorgen. Der neue Anbieter müsste die Leitungen kaufen, neue Brunnen bzw. Wasserwerke bauen oder das Wasser außerhalb des Grundgebiets von Wegberg gewinnen. Die NEW hat Interesse gezeigt. Die Verbraucher fragen sich natürlich, ob die Wasserpreise bei einem Anbieterwechsel nicht steigen. Die jährliche Prämie von 400.000 € ist gesetzlich gedeckelt (vgl. RP vom 20,09.2025). Sollte sich die Stadt Wegberg für einen anderen Anbieter entscheiden, könnte sie allenfalls bessere Tarife für die Verbraucher aushandeln. Bisher ist der Trinkwasserpreis aber mit 1,70 € plus 7 % MWS, also insgesamt 1,82 € pro 1000 l vergleichsweise günstig. Als Grundpreis wurden uns für den Monat Januar 2026 einschließlich MWS 9,81 € berechnet. Bei der Stromversorgung können Bürger wählen zwischen verschiedenen Anbietern, bei der Wasserversorgung besteht diese Möglichkeit nicht. Unklar ist, ob ein neuer Anbieter die Stadt Wegberg ebenfalls als Gesellschafter akzeptieren und dadurch an möglichen Gewinnen teilhaben lassen würde. Außerdem besteht die Gefahr, dass bei einem Anbieterwechsel das Kreiswasserwerk von Uevekoven nach Erkelenz, Hückelhoven oder Wassenberg verlegt wird.
 
Für den Kreis Heinsberg, der noch alleiniger Gesellschafter der GmbH ist, würden auf jeden Fall Überkapazitäten entstehen, wenn Wegberg vom Kreiswasserwerk nicht mehr beliefert würde. Das würde den Kreis deshalb besonders treffen, weil zurzeit bei Mennekrath ein neues Wasserwerk für 20 Millionen Euro errichtet wird (RWE zahlt davon die Hälfte), bei dessen Planung die Wegberger Abnahmemenge mit einkalkuliert wurde.
Noch ist nichts entschieden.

Fortsetzung folgt, Teil 3: Die Entsorgung des Abwassers
 
Falls Sie noch Fotomaterial zum Themenbereich des 1. oder 2. Teils haben oder interessante Gegebenheiten aus Ihrem Ort zu diesem Thema beitragen können, würden wir uns über eine Reaktion freuen.

Historischer Verein Wegberg e.V. - 13.04.2026 - Letzte Änderung: 14.04.2026

Historischer Verein Wegberg e.V.
Rathausplatz 21, Wegberger Mühle, 41844 Wegberg
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