1717 DEN 2 8ToBRIS - 2. Oktober 2017 - 300 Jahre Rochus-Kapellchen in Rath-Anhoven - Historischer Verein Wegberg

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1717 DEN 2  8ToBRIS - 2. Oktober 2017
300 Jahre Rochus-Kapellchen in Rath-Anhoven


Das Rochus-Kapellchen in Rath-Anhoven im Interview

Das Rochus-Kappelchen am Geburtstag 2. Oktober 2017


H: Wie ich sehe, werden Sie in Kürze 300 Jahre alt.
K: Herrje! – 300 Jahre soll ich alt sein? – Wie kommen Sie denn da drauf? – Ach ja, die „1717“ über meiner Eingangstüre. Aber warum möchten Sie eigentlich wissen, wie alt ich wirklich bin. Wenn man so alt geworden ist, schöne Zeiten erlebt hat, schlechte Zeiten überlebt hat, kommt es auf ein paar Jährchen nun wirklich nicht an. Ihr Menschen wollt immer alles genau wissen – naja, vielleicht ist das ja auch gut so. Ich versuche mal, ein paar Erinnerungen aus meinem morschen Putz herauszukratzen. Aber um die genauen Jahreszahlen sollen sich gefälligst die Herren und Damen vom Denkmalschutz, Stadtarchiv und Historischen Verein kümmern.

H: Wie alt sind Sie denn nun tatsächlich?
K: Wie alt ich wirklich bin? – Fragen Sie das mal ein Menschenkind; das weiß ja auch sein Geburtsdatum nur, weil es ihm die Eltern immer wieder erzählt haben. Einige Jahreszahlen sind mir aber noch im Gedächtnis, schließlich höre ich ja immer gut zu, wenn sich Besucher einfinden, die etwas über meine Geschichte zu erzählen haben. Betende wären mir zwar lieber, aber das ist heute halt so.


H: Woran erinnern Sie sich denn spontan?
K: Ich weiß noch, dass ich 1985 in die Denkmalliste aufgenommen wurde. Die Herren, die mich damals begutachteten, taxierten mein Baujahr auf die Mitte des 19. Jahrhundert – ich vermute mal wegen meines Aussehens. So genau wusste das wohl auch keiner. Zu genaueren Zahlen kommen wir gleich. Ja, ja, mein Aussehen: Im gleichen Jahr, ich meine 1985, erhielt ich einen neuen Anstrich und auch mein Altar sowie mein Heiliger Rochus und meine Heilige Barbara wurden aufgearbeitet. Vermutlich hat damals der Maler die "1717" aufgemalt. Meine Güte, dass ist ja schon wieder über 30 Jahre her und wie man sieht, hat der Zahn der Zeit wieder ordentlich an mir genagt, der Lack blättert an manchen Stellen doch sehr ab.

H: Naja, ein neuer Anstrich könnte nicht schaden.
K: Ja schon, aber eigentlich will ich mich nicht beklagen, denn schließlich hat sich in den letzten fünf Jahren doch einiges getan. Auch wenn jetzt noch nicht alles zu meiner Zufriedenheit vollendet ist, bin ich doch sehr froh, wieder eine neue, stabile und dazu noch eine sehr schöne Eingangstüre erhalten zu haben.

Die Rheinische Post berichtete am 20. August 1985 über die erfolgten Restaurierungsarbeiten an der Kapelle.


H: Wenn Sie nicht so alt sind, wieso steht denn die „1717“ über Ihrer Eingangstüre?

K: Die Frage, wieso man mir damals die „1717“ auf den Giebel malte, blieb lange ein Rätsel für mich. Über meine Geschichte erfuhr ich erst mehr, als vor Jahren der Historische Verein Wegberg eine Radtour durch die Pfarre Rath unternahm. Ein Ortskundiger berichtete, dass es vor mir an gleicher Stelle schon ältere Kapellen gegeben habe. Er berichtete aus der Pfarrchronik, in der eine Urkunde aus dem Jahre 1747 zitiert wird. Damals gehörte Rath zur Pfarre Beeck und diese unterstand dem Dekanat Wassenberg. Die Urkunde, die der Bischof von Lüttich unterzeichnet hatte, erteilte dem damaligen Pastor Mommartz aus Beeck die Erlaubnis, die Kapelle in Rath restaurieren zu lassen und einmal wöchentlich, am Dienstag, in ihr die hl. Messe zu lesen.


H: Und wieso denn nicht am Sonntag?

K: Dazu bedurfte es eines Privilegs, das vom Bischof verliehen werden musste. Die Rather hätten es schon gerne gesehen, wenn auch am Sonntag eine Messe gelesen worden wäre. Dieser fromme Wunsch sollte aber erst Jahrzehnte später in Erfüllung gehen. Mit den Jahren scheint es Beeck mit seinen Verpflichtungen gegenüber Rath nicht immer ernst genommen zu haben. So kam es 1804 mit der Unterstützung des Pfarrers Evertz aus Erkelenz zu einer Bittschrift an den Bischof von Aachen: "Das Dorf Rath, ein Dorf von ungefähr sechzig Häusern und Familien, beklagt sich über den weiten Kirchengang nach der Pfarrkirche zu Beeck, indem es eine starke halbe Stund von der Kirche entlegen ist." Der Bischof wurde gebeten, "den Einwohnern zu verleihen, daß sie an Sonn- und Feiertagen in ihrer im Dorf habenden Kapelle eine heilige Messe hören zu können, aber doch bei ihrer Pfarre Beeck zu verbleiben."
Der damalige Pastor Kronenberg wurde um eine Stellungnahme gebeten. Dieser war von den aufwieglerischen Ideen der Rather alles andere als begeistert. Er bezichtigte die Pastöre aus Erkelenz und Venrath als "schlechte Ratgeber" und äußerte den Verdacht, dass "die Einwohner von Rath von den Einflüsterern um so mehr gegen mich aufgehetzt werden."
Er begründete seine Ablehnung damit, dass die Kapelle zu klein sei. Sie würde „nicht mehr als hundert Personen“ fassen und bereits „die Hälfte der Seelen von Rath … die Kapelle überfüllen.
Von dieser Sorge sind die Pastöre heute in den Zeiten von Kirchenschließungen allerdings mehr betroffen. So konnte ich zumindest erfahren, dass die damalige Kapelle einiges grösser gewesen sein muss als heute.
Und weiter schieb der Pastor: "Die Enge der Kapelle hindert keineswegs die Feier der Messe an den gewöhnlichen Wochentagen, da an diesen Tagen die Zahl der Anwesenden niemals so groß ist, daß die Kapelle sie nicht fassen könnte." Gegen die sonntägliche Messe brachte er vor, dass "durch das Drängen und den Versuch, sich gewaltsam Eingang zu verschaffen, Lärm und Durcheinander entstehen, die übrigen Leute werden vor der Tür oder um die Kapelle herum stehen, die Jugend wird sich unbeaufsichtigt  außerhalb der Kapelle herumtreiben". Insgeheim befürchtete er allerdings, „dass ein Priester, der einmal an einer Kapelle fest angestellt ist und unabhängig vom Willen des Pastors … seinen Dienst versieht, entweder selbst oder das von ihm betreute Volk oder beide immer weiter vorgehen“. Was er damit meinte, waren die aufkommenden Bestrebungen der Rather, eine Loslösung von Beeck zu erreichen.


H: Wie fiel die Entscheidung aus?

K: Gott sei Dank zu Gunsten der Rather. Der Generalvikar von Aachen erlaubte „den Einwohnern von Rath, Mairie Beeck, dass sie bis auf unsere weiteren Befehle, an Sonntagen und Feiertagen in ihrer Kapelle eine hl. Messe haben können ….“ mit der ausdrücklichen Bedingung, dass „der Priester, der die Messe halten wird, jederzeit nach dem Evangelium eine halbe Stunde zu predigen soll gehalten sein“. Zugegeben, alles das habe ich erst vor Jahren erfahren; wie Sie sehen, mein Gedächtnis funktioniert noch ganz gut.


H: Und die Rather waren damit zufrieden und der Streit hoffentlich beendet.

K: Mitnichten! Die Rather jedenfalls müssen ein aufrührerisches Völkchen gewesen sein. Sie müssen dem Beecker Pastor so zugesetzt haben, dass dieser befürchtete vom Bischof versetzt zu werden. Er schrieb deshalb nach Aachen und bat darum, in seiner „kummervollen Lage einen Rat zu erhalten“ und dass er nicht wünsche, „auf der Stelle an einen beliebigen Ort von hier abberufen zu werden. Denn bei einem Fünfzigjährigen wie mir muß man darauf sehen, daß ich im kommenden Alter nicht der Armut ausgesetzt bin". Nichts desto trotz bittet er in einem Nachsatz, dass „der Allerhochwürdigste Herr Bischof bezüglich der Rochuskapelle eine für mich günstigere Entscheidung treffen wird, damit die Rather mich nicht verspotten können.“ Das alles muss wohl an den revolutionären Zeiten gelegen haben, in der heutigen Zeit würde es so etwas bestimmt nicht mehr geben!


H: Ich fürchte, wir verzetteln uns. Bitte nochmal zurück zur Kapelle. War dies jetzt also die Kapelle von 1717?

K: Nein, das war nicht die von 1717. Die Kapelle, von der gerade in Rede war, wurde 1741 erbaut, nachdem die alte Kapelle eingestürzt war. Bei der Führung des Historischen Vereins wurde auch eine alte Karte gezeigt, auf der die Lage einer „Rather Kapell“ eingezeichnet war; klang irgendwie fränzösisch: „Tranchot“ oder so ähnlich, sie muss also aus der Franzosenzeit so um 1800 stammen. Da ich mich aber nicht an einen Einsturz oder irgendwelche Franzosen erinnere, muss das lange vor meiner Zeit gewesen sein? Nebenbei bemerkt, sehe ich natürlich viel jünger aus, als ein altes Gemäuer aus dem 18. Jahrhundert, das musste jetzt aber mal deutlich gesagt werden.


 
 
 
 


H: Schön und gut, aber wie alt sind Sie nun wirklich?
K: Wie alt ich nun wirklich bin? – Ist Euch das so wichtig? Mir ist es eigentlich egal, Hauptsache, es gibt immer noch ein paar liebe Menschen, die sich heute um mein Äußeres kümmern. Meistens machen die Menschen, die mich pflegen, wenig Aufhebens um ihr Tun, sie verrichten ihre Arbeit still und leise, so dass ich oft gar nicht weiß, wer sich in all den Jahren da um mich gekümmert hat und mein schlechtes Namensgedächtnis tut ihr übriges. Ich hab ja auch schon vieles vergessen; kennen Sie vermutlich ja selber. Nur die letzten fünf Jahre sind mir deutlich in Erinnerung geblieben – und das aus gutem Grund. Mein Äußeres wirkte immer noch stabil, aber meine Eingangstüre machte einen erbärmlichen Eindruck. Wie oft hatte ich nachts Angst, dass ein paar Rabauken ohne viel Mühe meine Tür aufbrechen und sich am Altar und meinem Rochus und an der Barbara vergehen könnten. Nicht auszudenken! Sie sagen, das macht doch keiner!? Leider musste meine Vorgänger-Kapelle dies erleben. In der Nacht vom 24. Zum 25. August 1830 wurde sie beraubt und 7 Taler Opfergeld, 1 Marienbildchen, woran 17 silberne Kreuze und 21 silberne Ringe hingen, gestohlen.

 
 
 
 


H: Ich muss noch mal nachfragen: Wie alt …
K: Entschuldigen Sie bitte, ich komme vom Thema ab. Die „1717“ ist noch nicht geklärt. Und nun einfach zu glauben, dass das wohl so stimmt, dem konnte ich noch nie zustimmen. Auch wenn ich ein sakrales Gebäude bin, bedeutet etwas zu „glauben“, es nicht zu wissen. Dummerweise gibt es keinerlei schriftliche Belege mehr. Die Jahreszahl ist allerdings nicht aus der Luft gegriffen; es gibt sogar hierfür ein steinernes Zeugnis. An der Sakristei der Rather Kirche sind zwei bedeutsame Steine zu entdecken. Allerdings ist mir in den letzten Jahres des Öfteren zu Ohren gekommen, dass diese selbst alteingesessenen Rathern nicht bekannt sind. Über dem Eingang zur Sakristei ist zu lesen:

A: O: DOMINI - M.D. CC. XVII – 1717 - DEN 2 8ToBRIS


 
 
 
 


und unter dem Fenster der Sakristei:

ST. ROCHE ORA PRO – NOBIS - BEDENCK DIE ARMEN -
SO WIRD GOTT SICH - DEINER AVCH ERBARMEN - 1717


 
 
 
 


H: Na, wenn das kein Beweis für die Existenz einer Rochus-Kapelle im Jahre 1717 ist!
K: Richtig, wenn es denn so ist, dass diese Steine irgendwie zusammengehören, zeigt der letztere, dass es um einen heiligen Rochus geht und der erstere, dass es sich um einen Grundstein aus dem Jahre 1717 handelt. Und nun bedarf es nicht viel Fantasie, um zu schließen, dass sich um den Grundstein einer Rochus-Kapelle handelt, eben um die, deren Grundstein am 2. Oktober 1717 – also vor 300 Jahren – gelegt wurde.

H: Ist der Rather Dorfgemeinschaft dies alles bekannt und wird das heute gewürdigt?
K: Ja, 300 Jahre sind eine lange Zeit, mal grob geschätzt, sind das 10 Generationen von Rather Bewohnern. Und heute: Zumindest kann ich über die letzten Jahre nicht klagen. Ich freue mich immer wieder auf die Festtage, vor denen einige Rather Frauen mit Besen, Eimer und Lappen anrückten, um mich herauszuputzen, insbesondere natürlich vor Fronleichnam und Allerheiligen. Nein, was war das früher schön,  als der Weg zu mir anlässlich der Prozession mit Blumen geschmückt wurde. Ich schweife wieder ab.

H: Ich muss wieder nachfragen: Wie alt …
K: Ja, ich weiß, mein Geburtstag. Wann und wieso die beiden Steine in die Sakristei verbaut wurden, ist nicht klar. Ich vermute mal, dass die beiden Steine auch in dem Nachfolgerbau von 1741 verbaut wurden und dass die Kapelle nach der Einweihung der Rather Kirche im Jahre 1832 nicht mehr ihren ursprünglichen Zweck erfüllte und später abgebrochen wurde, als man die Kirche 1845 mit einer Sakristei erweiterte. Dabei hat man sich doch besonnen und am alten Standort eine kleinere Kapelle errichtet, aber, wie gesagt, ich will mich ja nicht beklagen.

H: Ja, vermutlich doch als Friedhofskapelle?
K: Nein, den Friedhof gab es damals noch nicht. Dieser wurde erst 1933 beantragt und 1934 durch einen Vertrag zwischen der Kirchengemeinde Rath und der Zivilgemeinde Beeck genehmigt. Das Generalvikariat in Aachen stimmte mit der Auflage zu, dass „die Zivilgemeinde das uralte Kapellchen dulden müsse“. 1936 wurde der Friedhof für Beerdigungen freigegeben. Jetzt rechnen Sie mal nach: Gut 80 Jahre habe ich also da einsam auf weiter Flur gestanden. Das kann man sich heute gar nicht vorstellen: kein Friedhof, kein Haus weit und breit. Sicherlich kennen einige Rather noch das Foto, auf dem nur ich und ganz im Hintergrund die Bäume der Landstraße zu sehen sind, sonst nichts!

 
 
 
 

Das Kapellchen einsam auf weiter Flur, um 1900

 
 


H: Sie sprachen am Anfang unseres Gespräches von Ihrer neuen Eingangstür.

K: Gut, dass Sie danach fragen, beinahe hätte ich dies vergessen zu erzählen. Ja, die Rather Frauen, die mich pflegten, sind daran nicht ganz unschuldig. Denen habe ich immer gerne zugehört, man erfährt ja sonst nicht, was im Dorf so los ist. Dabei hörte ich dann zu meiner größten Freude, dass die eine, die mit Magdalena angesprochen wurde, die Sorge um meine Eingangstüre und meine diesbezüglichen Ängste teilte. Die zweite wurde Billchen genannt und dann irgendwann kam noch eine Zugezogene hinzu, namens Christine. Ich hoffe nur, ich habe niemanden vergessen, Sie wissen ja, mein Alter und mein Namensgedächtnis.
Und besagte Magdalena lag der Christine immer wieder in den Ohren, sie möge doch mal mit ihrem Mann Hermann-Josef sprechen, der könne doch so gut mit Holz umgehen. Im nächsten Jahr erfuhr ich dann, dass dieser mit einem Johannes, der wohl was im Dorf und in kirchlichen Dingen zu sagen hatte, gesprochen hatte. „Maak mar,“ soll Johannes gesagt haben, aber Hermann-Josef hatte Bedenken, da er meine Denkmal-Plakette entdeckt hatte. Er machte sich aber auf und setzte sich mit der entsprechenden Stelle für die Denkmalpflege in Verbindung. Dort hat er wohl erfahren, dass das alles nicht so einfach von statten geht: erst Kostenvoranschläge einholen, dann die Begutachtung, Bezuschussung und Genehmigung durch die Denkmalbehörde beantragen und letztlich die Frage klären, wer das alles bezahlen soll. Der örtliche Schreiner konnte auch keine große Hoffnung machen: „Das wird teuer. Ich kann von einer Reparatur nur abraten“ hörte ich den Schreiner Gerd sagen.
Doch Hermann-Josef ließ nicht locker. Eines Tages trafen sich dann zu meiner Überraschung Vertreter der Denkmalbehörde mit einigen örtlich Zuständigen. Ich habe noch gut in Erinnerung, als eine nette Dame von der Behörde meinte, dass „die Tür nun wirklich keine Zierde sei“. Das tat mir zwar zunächst weh, aber sie hatte ja Recht. Und die Ortsvertreter nickten schließlich und waren sich einig, dass eine neue Tür her müsse. Das muss so im April 2012 gewesen sein.

 
 
 
 

April 2012: Das Rochus-Kapellchen noch mit alter Eingstüre

 
 
 
 


H: Hört sich doch viel versprechend an.
K: Ja, aber zunächst tat sich überhaupt nichts. Es vergingen Monate, nichts rührte sich und der Spalt zwischen meinen Türflügeln war schon so breit, dass man beinahe eine Hand hineinstecken konnte. Als es dann auf das nächste Allerheiligenfest zuging, klagte Magdalena beim Hermann-Josef nochmals ihre Sorgen und dieser wurde endlich aktiv. Aus Eichenholz wurde eine Leiste angepasst, die endlich den zügigen Spalt schloss und aus einem massiven Kupferblech wurde ein neues Schließblech gefertigt, sodass sich die Türflügel nicht einfach aufziehen ließen. Ich war glücklich und froh, dass der Wind nicht mehr all das Laub und den Straßendreck herein blasen konnte und dass sich die Türe wieder fest verschließen ließ.

 
 
 
 

Oktober 2012: Der Spalt zwischen den Türflügeln wurde immer größer und die Türe ließ sich nicht ordentlich verschließen.

 
 
 
 

Das Schliessblech war verrostet und wurde durch ein Kupferblech ersetzt.

 
 
 
 

Es sah zwar nicht schön aus, aber zumindest war der Spalt nun mittels einer Leiste geschlossen und die Türe ließ sich wieder verlässlich verschließen.

 
 
 
 

Auch die Denkmalplakette wurde ersetzt.

 
 


H: Aber es blieb doch hoffentlich nicht bei der Übergangslösung.
K: Nein, aber ich musste schon recht lange warten und hatte schon alle Hoffnung aufgegeben. Zu meiner großen Überraschung rückten dann im März 2014 Schreiner Gerd mit seinem Bruder Ralf an, um mich auszumessen. Wie die Zuständigkeiten während der Fusion der Pfarreien damals waren, weiß ich nicht so genau. Jedenfalls hatten die Verantwortlichen wohl endlich ein Einsehen gehabt, dass gehandelt werden müsse und der Kirchengemeindeverband stellte einen entsprechenden Antrag bei der Denkmalbehörde. Und so kam es, dass im April 2014 Schreiner Ralf eine neue Eingangstüre anfertigen konnte. Trotz der Bezuschussung durch die Denkmalbehörde muss das die Pfarre eine Stange Geld gekostet haben.

 
 
 
 

April 2014: Schreiner Ralf hat die doppelflügelige Eingangstüre fast fertigt gestellt.

 
 


H: Wie sagt man so schön: Was lange währt, wird endlich ...".
K: Naja, von "gut" konnte keine Rede sein. Meine Freude wurde nämlich schnell getrübt, als der Schreiner entdeckte, dass der Balken über der Türe schadhaft war und nicht mehr das Gewicht meiner Steine tragen konnte. Es hatten sich bereits deutliche Risse am Giebel über der Türe gebildet. Nun musste schnell gehandelt werden und guter Rat ist bekanntlich teuer. Ein Restaurierungsfachmann musste kurzfristig beauftragt werden und der alte Eichenbalken wurde durch einen Stahlträger ersetzt. Fragen Sie mich besser nicht, was das die Pfarre zusätzlich gekostet hat. Schließlich konnte dann die neue Türe eingebaut werden und im Mai 2014 erfolgte die Schlussabnahme durch die Denkmalbehörde. Hätte ich nicht so ein stabiles Fundament, ich hätte vor Freude hüpfen können.

 
 
 
 

Beim Ausbau der alten Türe wurde dann festgestellt, ...

 
 
 
 

... dass der Holzbalken über der Türe stark geschädigt war.

 
 
 
 

So musste schnell entschieden und erst ein neuer Träger eingebaut werden.

 
 
 
 

Mai 2014 - Fast ist das Werk vollbracht.

 
 


H: Auch wenn alles sehr lange gedauert hat, so sind Sie doch sicherlich sehr froh.
K: Ja, natürlich. Das werden Sie doch sicherlich gespürt haben.

H: Dann bedanke ich mich für das nette Gespräch.
K: Nicht so eilig. Es gibt noch mehr zu erzählen. Wie es im Leben oft so ist, leider kommen einem die wichtigen Fragen oft erst dann, wenn es zu spät ist. Was hätte mir mein lieber Eichenbalken nicht noch alles erzählen können; er war ja viel älter als ich.
Zumindest erinnere ich mich an eine seiner Geschichten, die er wohl während seiner Jugend erlebt hat. Bereits Mitte des 16. Jh. soll an meiner Stelle bereits ein sogenanntes Heiligenhäuschen gestanden haben. Es muss schon ziemlich morsch gewesen sein, so dass es schließlich eingefallen sei. Einige Anrainer haben wohl die Gelegenheit genutzt und das Holz weggeschafft und sich das Grundstück zu Eigen gemacht. Und so kam es 1566 zu einem Rechtsstreit, denn vor Gericht wollten die Rather erstreiten, dass die Kapelle wieder aufgebaut werden sollte. Ob mein Balken damals schon dabei war, habe ich ihm nie so recht geglaubt.

H: Ich hätte nicht gedacht, dass es so vieles Interessantes von den „Rather Rochus-Kapellen“ zu erzählen gibt. Aber jetzt fällt mir wieder ein, dass Sie vorhin anklingen ließen, dass Sie noch nicht so ganz zufrieden sind.
K: Wenn ich jetzt selber die „1717“ wieder ins Spiel bringen darf: Ich fände es schön, wenn sich die Rather Dorfgemeinschaft daran erinnert, dass man einen runden Geburtstag feiern könnte, zwar nicht meinen, aber immerhin den der „Rochus-Kapellchen“ in Rath-Anhoven – Plural, Sie verstehen? Und ich frage mich, ob ich im Jubiläumsjahr noch auf einen neuen Anstrich hoffen darf. Dabei wäre ich schon zufrieden, wenn wenigstens die neu verputzten Stellen gestrichen und farblich angepasst würden. Es würde mich sehr freuen, wenn ich mich bei einer Feier in neuem Glanz repräsentieren könnte. Ich fürchte, die Chancen stehen schlecht, aber die Hoffnung … Sie wissen schon.

H: Konsequenterweise hätte doch gleich im Anschluss an den Türeinbau ein Antrag für einen Anstrich gestellt werden können und wieso sind Sie diesbezüglich so pessimistisch?
K: Dies ist auch geschehen. Bereits vor drei Jahren wurde ein Kostenvoranschlag erstellt und ein Antrag für einen neuen Außen- und Innenanstrich eingereicht. Dieser wurde auch im Juli 2014 genehmigt und in diesem Jahr 2017 hätte es sogar Zuschüsse von der Denkmalbehörde gegeben.
Leider haben sich kirchlicherseits die Zuständigkeiten verändert und gemäß eines Beschlusses des Kirchlichen Immobilienmanagements - was es nicht alles gibt!? - werden viele kirchliche Gebäude bei Sanierungen und Reparaturen künftig nicht mehr vom Bistum bezuschusst, so zum Beispiel, meine Schwester-Kapellen in Isengraben und Kehrbusch. Als ich das hörte, machte mich das natürlich sehr traurig. Aber was bedeutete dies nun für mich? War ich nicht auf der "Streichliste", d.h. gibt es doch noch Zuschüsse für einen neuen Anstrich? Mich beschlich aber eher der Verdacht, dass ich  übersehen wurde, da ich auf dem Gelände des städtischen Friedhofs stehe. Oder bin ich etwa im Eigentum der Stadt Wegberg? Die alten Urkunden besagen doch was anderes!
Auch das würde mir letztlich nichts nutzen, da die Stadt, wie man immer hört, kein Geld hat. Mir scheint es so ähnlich zu ergehen, wie es meinem Vorgängerbau im Jahre 1806 passiert ist. Alle Kirchen und Kapellen sollten im Roer-Departement gezählt werden. Leider wurde die Rochus-Kapelle übersehen, mit der Folge, dass dadurch aller Anspruch auf weiteren Staatszuschuss erlosch. Die Geschichte könnte sich nun wiederholen.

 
 
 
 


Das Interview führte Hermann-Josef Heinen im September 2017.

 
 

Historischer Verein Wegberg e.V. - 01.10.2017 - Letzte Änderung: 09.10.2017

 
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