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Ortsgeschichte im Historischen Verein Wegberg


Rathaus

Das Projekt "Ortsgeschichte" ist in Bearbeitung. Ein erster Schritt soll die Sammlung und Sichtung von Primär- und Sekundärliteratur sein.
Über Hinweise und Anregungen würden wir uns freuen.

(1) Adolf Vollmer: Geschichte der Gemeinde Wegberg, 1912


Nachdem die Gemeinde am 13. Juli 1770 (s. nachstehende Urkunde Nr. 1) beschlossen hatte, ein „Brandtspruiten Huysken“ zu bauen, ergänzte sie diesen Beschluß (s. nachstehende Urkunden Nr.1–3) dahin, hiermit den Bau eines Schullokales zu verbinden, welches gleichzeitig als Rathaus dienen und Gefängnis und Wachstube enthalten sollte.

Der Bau wurde 1771 begonnen und im folgenden Jahr vollendet. Veranschlagt war der Rohbau ohne Pliesterwerk auf 700 Pattacons (1 Pattacon = etwa 1 Reichstaler). Im Untergeschoß enthielt er Schullokal, Gefängnis und Wachstube, im Obergeschoß die Rathausräumlichkeiten. Der Bau entbehrte zwar jeden besonderen architektonischen Zierrates, und die Räumlichkeiten waren sehr niedrig gehalten, den damaligen Anforderungen genügte er jedoch. Die erste Gemeinderatssitzung im neuen Rathause fand am 3. Juni 1772 statt.

Im Jahre 1819 wurde die Schule aus demselben in das Klostergebäude verlegt.

1835 wurde das Rathaus gründlich ausgebessert und ein neues Spritzenhaus angebaut. Die Kosten betrugen 646 Thlr. 11 Sgr.

1855 wird wiederum eine bedeutende Ausbesserung für 400 Thlr. ausgeführt.

Als im Jahre 1894 das hinter dem Rathause am Marktplatze gelegene große Notar Michiel'sche Haus zum freiwilligen gerichtlichen Verkauf stand, beschloß der Gemeinderat unterm 24. Februar 1894 mit 15 gegen 1 Stimme, dieses Haus als Gemeindehaus anzukaufen und einer Kommission zu diesem Zwecke Vollmacht zu geben. Es wäre dann möglich gewesen, das alte, seinen Zwecken längst nicht mehr genügende Rathaus zu beseitigen, dadurch den Marktplatz zu vergrößern und neben ausreichenden Bureauräumen auch eine Dienstwohnung für den Bürgermeister nebst großem Garten zu erhalten. Der Bürgermeister Brenig hatte sich bereit erklärt, für die Wohnung 400 Mk. Miete zu zahlen. Der Ankauf wurde jedoch durch Beschwerden des 1. Beigeordneten und anderer Einwohner an den Kreisausschuß hintertrieben, in welchen vor allem das Bedürfnis für den Ankauf bezweifelt wurde. Bei der folgenden Versteigerung ging das Haus für 12 000 Mk. in Privathände über. Heute hat man allgemein erkannt und bedauert, daß damals die günstige Gelegenheit zum Erwerb eines schönen Gemeindehauses in so kurzsichtiger Weise nicht benutzt wurde.

1903 wurde das alte Rathaus umgestaltet, höher gebaut, mit neuem Dach und mit Freitreppe versehen, sowie durch einen Zementverputz verziert, dem 1907 die Instandsetzung der unteren Rathausräume folgte.

Die Gesamtkosten dieser Arbeiten betrugen von 1903 bis 1910 rund 10 000 Mk.

Trotz dieser hohen Kosten entspricht das Gebäude in keiner Weise den zu stellenden Anforderungen, weil es unzweckmäßig eingerichtet und feucht, auch in räumlicher Beziehung ungenügend ist und keine Wohnung enthält.

Bemerkenswertes
(Siegel)

Im Zimmer des Bürgermeisters befindet sich ein Napoleonshut und Schärpe eines Bürgermeisters mit schwarzweißen (preußischen) Abzeichen aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Seidenschärpe muß wohl noch aus der österreichischen Zeit stammen, da dieselbe ursprünglich aus den Farben schwarz-gelb bestand. Um nun die Kosten der Anschaffung einer neuen schwarz-weißen Schärpe zu sparen, ist der gelbe Stoff eingeschlagen und mit weißem übernäht worden. Ferner sind dort aufbewahrt drei große alte Nachtwächter- und Brandhörner, eine schwere eiserne Hand- und Fußfessel, auf deren Balken die Jahreszahl 1756 und die Worte „Hand“, „Voed“ zur Bezeichnung der Hand- und Fußseite eingeschlagen sind, sowie ein altes Siegel aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts mit der Umschrift: Gelrischer Scheffen-Segel zu Wegberck, in der Mitte zeigt das Siegel den Pfarrpatron St. Petrus, ein Kreuz (wohl mit Bezug auf das Kreuzherrenkloster) und anscheinend ein Brot (Weck). Dieses Siegel ist bereits von der Mitte des 17. Jahrh. an u. a. bei einer Scheffen-Urkunde vom 5. März 1663 (im Pfarrarchiv) betr. Stiftung Seiben für Seelenmessen und Anniversarium über 500 Reichstaler benutzt. Es befand sich noch Ende des 18. Jahrhunderts im Gebrauch.

Im Besitz des Verfassers befindet sich ein aus der österreichisch-geldrischen Zeit (1771) stammender, früher auf dem Rathausdach angebrachter Doppeladler aus Eisenblech, der unter seinem Amtsvorgänger bei der Renovierung des Rathauses mit dem alten Eisen verkauft wurde.

Urkunde Nr. 1 (Abschrift in Schulchronik).

Op heden den 13. July 1770 is extra ordonaire vergardering gewest door de Regenten, Schepenen ende gesworers, warby geresolveert is, dat wegens de voirghe Resolutien, is geresolveert van eine newe Brandt-Spreute te bestellen ende te helpen ordonneren, welcke volgens acoordt hierby door de Regenten ende daer toe merdere Schepenen ende geswoorens gemackt is, warby voor aff noodigh ein huysken on deselve Beschlooten te bewarren, alsoo is dat wy in ons gemeinte ende Dorp geene Kinder Scholle en hebben, also is door de meeste Steemen van Schepenen en Regenten ende geswoorens geresolveert, dat het beter ende dinlycker waere, eine Brandt Spruiten huysken mit einne Scholle te gelyk te bouwen, waervoor de Regenten süllen gecomitteert syn, het selve te veererdighen wie ock einne Karre mit haer toe behoir voor de Brandt Spreute ende voirders wat daer toe noodigh; aldus geresolveert op datum als hierin vermelt.
actum weghbergh op die gerichtscamer.


Urkunde Nr. 2 (Schulchronik).

Extraordinaire vergaederinghe den 24. April 1771.
Eodem vergaederi den Erw: Here G. Smitz Orl. S: E: naemens denseer Eerw. Hre Prior ende pastor alhier, ende den Hre St. Csl: Byll als Verwallter der goederen van syne Extie den Hre grave van nehselrode, voorts de Semptel. Schepenen ende geswoirens Ende hebben de voorn Hren gecommiteerde geerftaens geresolveert/: op's voorbrengen der Regte door de Schepenen en Borgemrs aen den Ed: Hove gepretenteert ten eynde omte mogen Bimmeren een Brandtspruiten-huysken met Schoole en wachtstoove, ingevolge derselven genomene resolutie den 13. Juli 1770, mits grs op de ordrie daerop by welglten Ed: Hove gemargeert hun te houden by de resolutie door hun, mette Semptel. Schepenen en geswoirens den 16. Mey 1769 genomen en dyenvolgens tot geene vernere opbouwinge oft te timmeragie te willen of te connen inwillighen als tot het Bouwen van en Brandtspruyten huysken en wachtstoove der by vermelt voorts de Semtel. Schepenen ende geswoirens/: uytgenomen de Schepenen Joes Phissen en Joes brausten mits grs den Borgemr Joes Kauven:/ geresolveert hun ingelys te houden by hunne genomene resolutie van 13. Juli 1770: en tot et medeopbouwen vaan eene Schoole te persisteeren, als mede dat in Salcken vall hun, lagt der Ed: Hoft voorss: ordrie op hunne regte verleent goet dunckt sult dusdaehingh in te richten denselven bouw mede candienen tot en Raedt huys, en dyenvolgens resolveeren dat darton een plan sal worden verveerdiget, en aen den Ed: Hove verthoont; woertoe echte de Schepenen Nicolae Sassen en Joes Brausten, ende des Borgemrs Engel Quaecken en Joes Kaufen niet gevonsenteert hebben, aldus geresolveert op de gerichts Caemere tot Weghbergh op dagh moendt en jaere als boven.


Urkunde Nr. 3 (Schulchronik)

Copia van die uytcomste van den Herre Raedt onde Comissary N. Jansen insgevolgh Comissie van den 9. dieses.

Op heden den 16. august 1771 hebben wie Raedt ende Comisaris ons begeven naer weghbergh ingevolgh Comissie van 9ten Dieses, alwoer wie vooraff hebben gesien ende geexaminaert de platze alwaer men geintentioneert is te stellen den Timmer in actis Breder vermelt welke platze wy daer toe Seer goet ende bequam hebben bevonden ende van daer ons getransportert hebbende naer den huyse van den acduellen Borgs ments, syn aldaer gecomparreert naemens die geestlycke geerfdens den Herre Capelaen Schmitz ende den Herre verwallter Bill voor den Herre. grave van nesselrode ende voirts de Semptlycke Borgemeesters Schepenen en gesworens an. De welke voorgehouden die Booven gemelte Comissie ende gevraght, of er einige Redenen moghto syn dat den voorhebbenden Timmer soude konnen Beletten den welcken uyt die gemeints pennighen tegen woordigh tot gennennt ende Dinste van puclyck sonder Beswaer van imant konde worden gestelt is daerop eenparlyck geresolveert, dat denselben sall worden vortgeset ende voltrocken in maniere als volgende.

Dat denselen sall worden gemaekt op den voet by het overgegevene plaen is ob gegeven te wieten dat eene onder plaets sall dienen voor het Spruyten huyscken aldaer geteckent suc Nr. 2 een voor die Waghstove die gevangenisse Nr. 3 die leste grot 10 respe en 28 voeten binnen wercks inbegripen die Brandmueren.

dat die Fondamenten süllen worden gemaekt ter Dickte van twee Steenen ende het voirdere mürwerk ter dickte van ander halven Stein ende die vensters op den voeth als by het vorsyde plan is uyt gesteeken ende geproponeert Synde of men mit den voorhebbenden Timmer instantlyck soude beginnen of te daermede wachten tot den voorsommer van aenstaende Jaere is gesamentlyck geresolveert tat in vall den Borgs Vossen als annehmer van den voorhebbenden Bouw het muerwerck soude konnen vollmomentlyck leveren vor den Feste van St. michaele aenstaende dat in vall mit den Timmer promptlyck sall worden begonst, waerop gehoirt den von Borgemester Vossen aennemende den Bouw voor (den selver tydt) soo vell anbetraght het metsell werk vor den selven tydt te stellen is darop geresolveert, dat mit den Bouw sonder vertreck sall worden begonst ten waere dat tegenwordighe Regens sulx soude beleeten in welcken vall sall worden uytgestelt diesen Timmer te beginnen tot den voorsommer van toekommende Jaere ende is voirders besprocken, dat den aennehmer den Bouw in alles well geconditionert vollboomentlyck sall overleveren so als allrede geconveniert is /: uytgenoomen het plesterwerck:/ tegens die geacoorde Somme vam 700 patts ende sulx gescheidt sall die gemeinte moegen assumeren eenen mester Timmermann ende einen mester metselaer, om den gemaekten Bouw te examineren ende te sien, of alles naer behoiren is gemackt so aengende het metsell als houte werck aennemende den Borgs Vossen op syne Costen te verbeteren of te hermaeken het geene de voorn mesters süllen kommen te verclaeren niet nar behoiren te syn gemaekt; aldus gedaen tot Weghbergh ten huyse van den Borgs Leonardt Mentz ter vergaerderinghe als boven ende heft den voorn: aenemer dese beneffers my Commissaris ende die twee voorn Herren naemens die geerffdens onderteckent ende den Borgs Mentz den presedent Schepen naemens den Schepens respective ende geswoorens waeren onderfeckend. J. Vossen, C. M. Janssens nomine mei prioris Rynders, Schmitz Capelaen, J. F. Byll, Niclaes Sassen, F. Jacobi, L. Mentz Borgstr.



Quelle: Adolf Vollmer: Geschichte der Gemeinde Wegberg, 1912, S. 28-33



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HVW - 18.02.2017

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