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Mundart - Versuch einer Einführung

- Begriff: Regiolekt


Unser Mundartabend "De Berker Klängerstu'ef" setzt sich für die Pflege der Wegberger Mundart, des "Platt" ein. Wie unterscheidet sich das Platt bzw die Mundart vom Regiolekt, der Umgangssprache im Rheinland?


Sachkundige Auskunft über die Unterschiede zwischen Platt/Mundart und Regiolekt erhält man im Wissensportal "Sprache im Rheinland" des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte. Die nun folgenden Erläuterungen wurden teils geküzt, teils leicht abgewandelt diesen Portal entnommen.


Regiolekt im Rheinland


Die Menschen im Rheinland haben neben dem Dialekt und dem Hochdeutschen (der Standardsprache) eine dritte, "dazwischen" angesiedelte Sprachoption: die regionale Umgangssprache, die auch Regiolekt genannt wird.

Der Regiolekt ist zum Dialekt hin gut abzugrenzen. Im Rheinland wird er nirgendwo als Variante des Platt angesehen, auch wenn er markante Elemente des Dialekts aufweist, etwa dat, wat oder et. Aber ein Satz wie Et bleibt heute nix übber geht nirgendwo als Dialekt durch: So klingt der Regiolekt. Die Übergänge zwischen dem Regiolekt eines Menschen und seinem "besten" Hochdeutsch sind dagegen fließend. Auch wer Hochdeutsch (Standarddeutsch) sprechen will, lässt vielleicht noch regionale Merkmale hören, etwa wenn er Samstach statt Samstaak sagt oder misch statt mich. In der Rubrik "Regional" werden regionale Sprachmerkmale des Rheinlands erläutert, die in der regionalen Umgangssprache prägend sind, von denen manche aber auch im Hochdeutschen regionaler Prägung vorkommen können.

Sprachkarten zu räumlichen Varianten im Regiolekt sind im Portal des Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte zu finden.

Regiolektkarten


Die Regiolekte im Rheinland zeichnen sich durch deutlich weniger zwischenörtliche Differenzen aus als die hier gesprochenen Dialekte. Trotzdem ist die Sprachlandschaft zwischen Niederrhein und Eifel auch auf dieser Ebene noch äußerst vielgestaltig - wie die Karten zeigen werden. Umgekehrt nehmen die innerörtlichen Varianten vom Dialekt zum Regiolekt hin zu. Wenn die Einwohner der Stadt Essen über einen Kaffee sprechen, der nur lauwarm oder zu schlapp ist, dann verwenden sie Ausdrücke wie Plörre, Brühe oder Muckefuck. Sie gebrauchen aber auch Bezeichnungen wie Blümchenkaffee, Miege, Lorke/Lorche oder Spülwasser. Gesöff, Plempe oder Mucke sind weitere Wortoptionen. Bodensehkaffee (oder Bodenseekaffee) wäre auch eine Alternative. Eine solche lokale Variantenvielfalt lässt sich auf Regiolektkarten für größere Räume nicht mehr darstellen.

Der Regiolekt kann mal mehr zum Dialekt, dann wieder mehr zum Standarddeutschen hin tendieren. Wenn, wie beispielsweise beim Material für die Karte Bonbons, vor allem ältere Gewährspersonen befragt wurden, zeigen sich Dialektreste viel stärker als in Befragungen Jugendlicher. Bestimmte regionalsprachliche Elemente sind jedoch auch bei jungen Leuten heute noch äußerst stabil.

Die hier vorgestellten Karten basieren in der Regel auf Fragebogenerhebungen des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte.

Der Regiolekt scheint sich zum Element eines regionalen Sprachbewusstseins zu entwickeln. Die zunehmende Entdialektalisierung des Rheinlandes wertet offensichtlich die regional geprägte Umgangssprache als Moment der sprachlichen Identität auf. Damit gerät sie natürlich in den Fokus der Sprachwissenschaft. Sie fragt, wer im Rheinland diesen Regiolekt bei welchen Gelegenheiten spricht; ob es erkennbare Unterschiede zwischen den Generationen gibt; ob es regionale Unterschiede gibt; welche sprachlichen Merkmale ihn kennzeichnen; welche Einflüsse die alten Dialekte auf den Regiolekt haben; wie sich der Regiolekt entwickelt; welches Prestige diese Variante hat; wie Schule/Lehrer mit dem Regiolekt umgehen; wie Medien auf diese Sprachform reagieren.

Historischer Verein Wegberg e.V. - 09.09.2021 - Letzte Änderung: 11.09.2021

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