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"Berker Notizen"
Unser neues Digital-Projekt zur aktiven Mitarbeit für alle Interessierte
Neuzugänge April 2021

Wegberg, 23.04.2021
Wie Sie bereits am 16. April auf unserer Seite "Foto des Monats" lesen konnten, war den Damen der Markt-Initiative ein so genannter "Markt-Stein" aufgefallen und sie erkundigten sich nach dem Anlass seiner Aufstellung. Auf unsere "Sonntagsfrage" vom 18. April erhielten wir aufschlussreiche Informationen aus der Wegberger Bevölkerung, von noch lebenden "Ubiern" und deren Unterstützern sowie aus den "gut unterrichteten Kreisen", wie Folkmar Pietsch, damals Redaktionsleiter bei der Rheinischen Post und Thomas Düren vom Stadtarchiv.

Der "Ubier"-Findling in der Wegberger Fußgängerzone. Hier das Foto nochmals - jetzt ohne die "Vernebelung". (Und demnächst hoffentlich ohne Vierbeiner-Spuren.)
Um es gleich vorwegzunehmen: Der Findling ist keine Hinterlassenschaft des germanischen Stammes der Ubier. Zwar verweist Adolf Vollmer in seiner Geschichte der Gemeinde Wegberg (1912) auf die germanische Besiedlung (S. 17ff.): "Die Gegend war Grenzland zwischen den alten germanischen Volksstämmen der Ubier und Tungerer mit den Hauptstädten Colonia Agrippina, dem heutigen Cöln und Tungeren (Tongeren) - Die römischen Ziffern auf dem Findling geben da eine eindeutige Auskunft.

Und wer waren nun die Wegberger Ubier? Wie einige Alt-Berker zu berichten wussten, handelte es sich um eine illustere Truppe, die sich in den (damals noch zahlreichen) Kneipen traf und die "immer für eine Überraschung gut" war, so Folkmar Pietsch 1988 in der Rheinischen Post (vermutlich eine sehr diplomatische Umschreibung) und er schrieb weiter: "Das haben sie schon bei vielen Anlässen bewiesen, und das verdeutlichten sie auch am Samstag, als die neue Fußgängerzone auf der Hauptstraße offiziell ihrer Bestimmung übergeben wurde".

Führendes Mitglied und Sprecher der "Ubier" war Heinz Stepprath, den älteren Wegbergern sicherlich noch als Kinobetreiber bekannt. Mit dabei waren auch unser Mitglied Hans Symes und Hermann Joerißen vom gleichnamigen Beerdigungsinstitut.

Worin die Überraschung bei der Eröffnung der Fußgängerzone bestand, ist im Bericht von Folkmar Pietsch zu lesen: "Jene 'Ubier' kamen mit einer Sackkarre, auf der sich - am Anfang noch verhüllt in weißem Leinen - ein großer Findling befand, den die Ubier der Stadt ... vermachten." Dieses Geschenk an die Stadt sollte ein "sichtbares Danke an Rat und Verwaltung für die geleisteten Sanierungsmaßnahmen sein." wie es in der beigefügten Schenkungs-Urkunde heißt. (Ja, das waren noch Zeiten!)

Heinz Stepprath hatte zur Überreichung des Findlings gereimt:
"Da dieser Tag in die Wegberger Geschichte wird gehen ein,
sollte unser Erinnerungsstück etwas Bleibendes sein.
Ein Findling aus heimischer Scholle echt,
der war uns für diesen Zweck gerade recht.
Und da wir unser Heimat-Platt wollen erhalten,
ließen wir die Inschrift von Meisterhand gestalten."

Die Inschrift auf dem Findling "Loope - Kiike - Jelle - on Vertelle" wäre auch heutzutage ein tolles Motto für den neuen Wegberger Mühlenmarkt.

Kopie der Schenkungs-Urkunde (Stadtarchiv Wegberg) - Das Original wurde in den Finding eingelassen.
Auf der Rückseite sind die Bürger genannt, die durch ihre Spende die Beschriftung des Findlings ermöglichten, darunter auch die Karnevalsgesellschaft "Flöck op".

Ein großer Tag für Wegberg - Ein Freudentag für die Realschule

An dem Tag fand nicht nur die offizielle Übergabe der Fußgängerzone statt. Noch am Samstagmorgen wurde die Realschule in einer Feierstunde in "Städtische Edith-Stein-Realschule Wegberg" benannt. Hierbei enthüllte der damalige Bürgermeister Fritz Jakobs im Foyer eine Gedenktafel, die an die Namensgebung erinnert.
Die Rheinische Post berichtete in mehreren Artikeln. Hier zunächst die beiden Berichte von Folkmar Pietsch. Über die Benennung der Realschule berichten wir später.
Rheinische Post vom 28. November 1988, erster Teil des Berichts von Folkmar Pietsch
Rheinische Post vom 28. November 1988, zweiter Teil des Berichts von Folkmar Pietsch



26.04.2021 - Nachtrag
Bezugnehmend auf die Kneipenbesuche der "Ubier" hat Ulrich Dierkes einige Spekulationen über die Herkunft und Bedeutung des Namens angestellt und bietet folgende Interpretation an (auch in der Befürchtung sich damit eventuell Verachtung zuzuziehen):
Noch nicht geklärt scheint mir die Frage nach der Bedeutung des Namens „Ubier“.
Aus der Bezeichnung "illustere Truppe, die sich in den (damals noch zahlreichen) Kneipen traf“ könnte man vermuten, dass die Schreibung „Ubier“ (im steinernen Original: „UBIER“) eigentlich „U-Bier“ bedeuten müsste.
Aus meiner Ruhrgebiets-Sicht kann das nur ein Kürzel für das Dortmunder „Union-Bier“ gewesen sein, also eine gezielte kleine Provokation der damals hierzulande stark vertretenen Anhänger von altem Bier. Damit wäre dann eine historisch plausible Einordnung geleistet."

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