"Tag der Archäologie 2016" in der LVR-ABR-Außenstelle Titz - Fotobericht von Hermann-Josef Heinen - Historischer Verein Wegberg

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Samstag, 02.07.2016 - Titz-Höllen
Tag der Archäologie des LVR


Am Samstag, 2. Juli 2016, fand von 10 bis 18 Uhr in Titz-Höllen der beliebte "Tag der Archäologie" statt - übrigens schon zum 23. Mal. Wie jedes Jahr wurden interessante Funde der Archäologie aus dem rheinischen Braunkohlenrevier präsentiert.

Ein Fundstück aus einer Grabung in Inden-Pommenich ist bislang im Rheinland einzigartig. Es handelt sich um einen sogenannten Dreiwirbelanhänger - ein Teil eines keltischen Pferdegeschirrs - aus dem 1. Jh. v. Chr. Dieser war in diesem Jahr auch das Plakatmotiv für den Tag der Archäologie.

Veranstaltet wird der Tag der Archäologie von der Stiftung zur Förderung der Archäologie im rheinischen Braunkohlenrevier und dem Team der Außenstelle Titz des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland.

Das Gräberfeld befand sich in unmittelbare Nähe der Abbaukante des Tagebaus Inden. Hier einige Impressionen:


Fahrt zu zwei aktuellen Grabungen

In diesem Jahr gab es auch wieder kostenlose Busfahrten zu zwei mittelalterlichen Plätzen unmittelbar an der Abbaukante des Tagebaus Inden-Pier, die im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Bonn ausgegraben werden.

Lage der Ausgrabungen

Als erstes war die Grabung bei der einstigen Kapelle Vilvenich in Inden-Pier (Kreis Düren) zu besichtigen.  Seit 2011 untersucht ein Team der Universität Bonn die Umsiedlungsorte. In Vilvenich und im Vorfeld des Adelssitzes Haus Verken existierten im Hochmittelater (11.-13.Jh.) kleinere Siedlungen mit Wohn– und Wirtschaftsgebäuden.

Urkataster, 1.Hälfte 19. Jh: 1 Hof, 2 Kapelle

St. Helena-Kapelle vor dem Abriss 2010

Danach wurde die Ausgrabung an einer hochmittelalterlichen Siedlung präsentiert.
Im Zentrum des Platzes stand ein massiver Wehrturm aus sorgfältig bearbeiteten Steinen, der von bis zu drei Meter tiefen Gräben umschlossen ist.

Bereits 1955 wurden im Gebiet des Braunkohlenreviers in Inden-Pier archäologische Ausgrabungen durchgeführt und zahlreiche frühmittelalterliche Gräber entdeckt.
2012 bis 2013 nahm man die Erforschung der merowingerzeitlichen (5.Jh.-8.Jh.) Bestattungen vor Ort wieder auf.

Im Jahr 2016 konnte ein bisher unbekanntes Gräberfeld im Bereich des nahegelegenen Haus Verken entdeckt werden.

Das Grabungsteam hatte bislang einige Gräber ausgespart, so dass diese während des Tages der Archäologie freigelegt wurden.

Die Toten wurden - typisch für die Merowingerkultur - zumeist in rechteckigen Gräbern beigestzt, die dicht nebeneinander lagen und Reihen bildeten.

In Pier fanden  sich zwei typische Grabtypen, links: Die Bestatteten sind von Mauerwerk umgeben, unter Verwendung von ursprünglich römischen Baumaterials, rechts: Einfassung der Gräber aus Trockenmauerwerk

Häufig wurden Männer mit Waffen und Gürtelgarnituren bestattet. Frauen hingegen bestattete man mit kleinen Messern und diversen Schmuck- gegenständen.

Es gibt Funde, die auf die Anwesenheit einer Oberschicht während der Merowingerzeit im Gebiet von Inden Pier hindeuten. Ein gutes Beispiel stellt ein großer Fingerring mit Granateinlagen aus einem Frauengrab dar. In direkter Nähe der Gräberfelder wurde ein Grabstein aus dem 7. Jh. geborgen, der eine fränkische Herrin erwähnt.


Neueste archäologische Funde

Mit dem Bus ging es zurück zur Außenstelle des LVR-ABR nach Titz-Höllen. Dort wurden die neuen archäologische Funde aus dem Rheinischen Braunkohlenrevier vorgestellt. Auf dem Gelände des römischen Landgutes bei Borschemich hatte das Grabungsteam von Dr. Schuler in einem der fünf Brunnen in 3,50 Meter Tiefe neben dem senkrechten Schacht einen waagerechten Stollen entdeckt, der aus mehreren Kammern besteht. Hierbei handelt es sich hierbei um Fluchtkammern, die vermutlich die Gutbesitzer als Zufluchtsort für unruhige Zeiten angelegt hatten.

Grabungstechniker Josef Franzen konnte die Fluchtkammern anhand von Zeichnungen und einen selbst erstellten Modell anschaulich erläutern.


Jupiterfigur im römischen Brunnen

Die neueste Entdeckung im Braunkohlenrevier ist ein römischer Steinbrunnen, der 20 Meter tief war. Er wurde für die Veranstaltung auf dem Gelände der Außenstelle als Viertelkreis wieder errichtet.

Im Brunnen wurde eine 60 cm große Jupiterfigur entdeckt. Offenbar hatten Feinde die religiöse Figur enthauptet und in den Brunnen geworfen. Der Befund deutet auf dramatische Stunden am Ende des römischen Landgutes hin.


Öffnung einer 2.800 Jahre alten Urne

Ein weiteres Highlight war die Öffnung einer 2.800 Jahre alten Urne, die in einem Gräberfeld vom Übergang der Bronze- zur Eisenzeit im Block geborgen werden konnte. Die Besucherinnen und Besucher hatten die seltene Gelegenheit, einer Restauratorin des LVR-LandesMuseums Bonn dabei zuzusehen, wie sie den Inhalt der Urne mit größter Vorsicht freipräparierte.

Stella Oppl, LMB
Bronzezeitliche Urne,
Fotos: Jürgen Vogel, LVR-LMB

 
 


Weitere Fotos
sehen Sie in einer
> Bildergalerie.

 
 


Das Rittergut Haus Pesch - Adelssitz weicht dem Braunkohletagebau

Der in den Jahren 2009-2011 durchgeführte Abriss von Haus Pesch markiert den Schlusspunkt in der wechselvollen Geschichte des ehemaligen Rittergutes. Besonders die Blütephase der Anlage im 15. und 16. Jahrhundert, bot sich aufgrund der außerwöhnlich gut erhaltenen Funde und Befunde für eine eingehende Betrachung an.

 
 

Die Zusammenschau von Baubefunden und Fundmaterial eröffnet einen vertieften Einblick in die innere Struktur der Burg sowie die Nutzung einzelner Gebäude und deren Ausstattung.

 
 

Die hohe Anzahl von Gefäßen aus Irdenware konnte dem Bereich Küche zugerechnet werden. Neben Kochtöpfen, sog. Grapen, die direkt in die Glut gestellt werden konnten, wurden auch Reste tönernen Fettpfannen geborgen. Getränke wurden in aufwendig verzierten Steinkrügen serviert.

 
 
 
 


Weitere Programmpunkte waren die Vorstellung von Forschungsprojekten der Archäologiestiftung:
• Altersbestimmung durch Baumringkurven (Dendrochronologie)
• Vorführung geophysikalischer Prospektionstechniken
• Aktuelle Promotions- und Masterarbeiten mit Themen von der

ältesten Steinzeit bis zur frühen Neuzeit.

 
 


Wie in den letzten Jahren wurde auch ein buntes Rahmenprogramm angeboten. An zahlreichen Mitmachstationen konnten Kinder ihr Geschick ausprobieren. Wie die Menschen vor rund 2.500 Jahren im Rheinland gelebt haben, demonstrierten zahlreiche Freiwillige im eisenzeitlichen Dorf, das im Gelände der Außenstelle anhand von Originalbefunden angelegt wurde. Hier sei auf die Fotoberichte von den Veranstaltungen der letzten Jahre hingewiesen.


Weitere Fotos sind auf einer > Bildergalerie zu sehen.

Quellen:
Texte: Presseinformationen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland,
sowie die vor Ort gezeigten Infotafeln der Universität Bonn und des LVR-ABR
Fotos, falls nicht anders vermerkt: Hermann-Josef Heinen

 
 

Historischer Verein Wegberg e.V. - 02.07.2016 - letzte Änderung: 21.08.2017

 
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