Kulturhistorische Stadtführung durch Wassenberg am 21.02.2015 - Fotobericht von Hermann-Josef Heinen - Historischer Verein Wegberg

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Samstag, 21.02.2015 - Wegberg - Wassenberg
Kulturhistorische Führung durch Wassenberg

Der Vorsitzende des Heimatvereins Wassenberg, Sepp Becker, begrüßte zusammen mit Walter Bienen die Besuchergruppe des Historischen Vereins am Roßtor. Es ist das einzige noch erhaltene Stadttor.

Der Name Roßtor weist auf die Rossmühle hin, die sich innerhalb der Stadtmauer in der Nähe des Stadttores befand.

Sepp Becker ging zunächst auf die Geschichte Wassenbergs ein. Die Stadt geht auf eine Motte zurück, die Graf Gerhard III ausbaute. Im 12. Jahrhundert kam Wassenberg an die Herzöge vom Limburg. 1206 fand vor den Toren Wassenbergs die Schlacht um den deutschen Königsthron zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig statt. Bereits 1273 besaß Wassenberg Stadtrecht. Der Heinsberger Pfandherr ließ 1365 die Wassenberger Festung schleifen. Der Herzog von Brabant veranlasste die Heinsberger zum Wiederaufbau.

Um 1420 wurden die Stadtmauern, die Tore, der Bergfried und der Kirchturm errichtet. Sepp Becker erläuterte den Besuchern die verschiedenen Bauzeiten des Tores. Diese ist erkennbar an den Baumaterialien: die untere Hälfte vor 1420 besteht aus Naturstein, die obere Hälfte nach 1420 aus Feldbrandsteinen.

Vorbei an der Marktsäule mit dem Stadtwappen, das das mittelalterliche Marktrecht symbolisiert, führte der Weg zum "Alten Rathaus", heute allerdings einem Gebäude, das nach Zerstörung im 2. Weltkrieg 1950 aufgebaut wurde und bis 1987 als Rathaus diente.

Schon während der Reformation war Wassenberg ein Zufluchtsort für Protestanten. Gleich zu Beginn der Reformation, um 1529, lassen sich die ersten Schutzsuchenden in Wassenberg nachweisen. Weil die Protestanten aber in der Minderheit waren, durften sie nur Kirchen in Hinterhöfen errichten.

Die hinter dem Wohnhaus Roermonder Straße 8 gelegene "Hofkirche" wurde im Jahr 1652 erstmals als evangelisch-reformiertes Predigthaus für Wassenberg und Ratheim genutzt. Die Kirche liegt aufgrund der beim Westfälischen Frieden 1648 erlassenen Vorschriften auf dem Hof, d. h. nicht sichtbar von der Straße aus; daher stammt ihr Name „Hofkirche“.

1773 wurde ein Kirchturm errichtet und die heute noch vorhandene Glocke eingebaut. Wenige Jahre später setzte man den ebenfalls noch vorhandenen Posaunenengel auf die Spitze des Kirchturmes; er wird als „Geusendaniel“ bezeichnet. Die in der Hofkirche stehende Teschemacher-Orgel ist seit 1843 im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde und stammt aus dem 18. Jahrhundert. In einer Vitrine wird eine Tossanus-Bibel aus dem Jahre 1668 ausgestellt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche stark beschädigt und ist zwischen 1948 und 1951 wieder aufgebaut worden.

Auf dem Vorplatz des neuen Rathauses befindet sich der Freundschaftsbrunnen, der an die Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Pontorson erinnert. Am Eingang des Rathauses steht das Weberdenkmal. Es gedenkt der vielen Weber, die in der Ende des 19. Jahrhunderts aufblühenden, leider jedoch erloschenen, Textilindustrie ihr Auskommen fanden.



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Gegenüber dem Rathaus wies Walter Bienen exemplarisch auf eines der zahlreichen Gebäuden aus der Gründerzeit mit Jugendstilelementen hin. Wie Walter Bienen erläuterte, beschäftigt er sich zurzeit mit dem Thema Jugendstil als Baustein der Stadtentwicklung und versucht die Jugendstil-Epoche als bedeutend für Wassenberg als Kunst- und Kulturstadt herauszustellen.

 
 
 
 

Im Rathaus wies Sepp Becker anhand einiger Exponate in einer Vitrine auf die Spuren jüdischen Lebens in Wassenberg hin.

 
 
 
 

Die jüdische Gemeinde Wassenbergs war eine der vier ältesten Gemeinden am Niederrhein und wurde bereits im Jahre 1500 urkundlich erwähnt. 1933 zählte die jüdische Gemeinde in Wassenberg 27 Mitglieder, 5 weitere wohnten im benachbarten Birgelen. Am Morgen nach der Reichsprogromnacht wurde die in "Storms Jätzke" gelegene Wassenberger Synagoge in Brand gesteckt und vernichtet.

 
 

Auf dem jüdischen Friedhof an der Roermonder Straße erinnert ein Gedenkstein an das Schicksal der Familien Hertz und ihre Enkel Betty und Walter Reis. Die meisten Wassenberger Juden sind in Konzentrationslagern umgekommen, Betty Reis in Bergen-Belsen. Die Gesamtschule in der Oberstadt trägt ihren Namen.

 
 
 
 

Etwas unscheinbar, eingerahmt von einer Hecke, ist ein Fußfall aus dem Jahre 1717 zu sehen. Fußfälle waren die Vorläufer der Kreuzwegstationen.

 
 
 
 

Die Burganlage, bestehend aus dem Bergfried und der neueren Burg ist das Herzstück Wassenbergs. Der Bergfried wurde um 1400 auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel errichtet. Die jetzige untere Burg wurde in der Jülicher Zeit 1740 errichtet.

 
 
 
 

Nach etlichen Stufen hatte die Gruppe die obere Plattform des Bergfrieds erreicht. Erst im vergangenen Jahr wurde der Bergfried nach umfangreichen Ausbaumaßnahmen wieder geöffnet. Von ganz oben hatten alle einen weiten Ausblick auf Wassenberg und ins Rurtal.

 
 
 
 
 
 

Blick vom Bergfried auf die St. Georgs-Basilika und deren Wetterhahn.

 
 
 
 

Nach dem Aufstieg auf den Bergfried schlug das Wetter kurzfristig um und es bot sich eine spektakuläre Aussicht ins Rurtal.

 
 
 
 

Am Horizont in Ferne zeichnete sich die Silhouette des Heinsberger Doms ab.

 
 
 
 

Im Bergfried gab es von Sepp Becker und Walter Bienen weitere Erläuterungen zur Wassenberger Stadtgeschichte. Das Bild rechts zeigt eine historische Ansicht von Wassenberg, vom Galgenplatz aus gemalt.

 
 
 
 

Auf dem Weg zur St. Georgskirche ging es durch Küsters Garten zum Stiftsplatz.

 
 
 
 

Der Name, so erläuterte Sepp Becker, erinnert daran, dass die Errichtung der St. Georgskirche eine Stiftung des Grafen Gerhard war.

 
 
 
 

Von der St. Georgs-Basilika ist nur noch der mächtige Kirchturm erhalten. Der Innenraum beeindruckt durch seine geometrisch gestaltete Weite.

 
 
 
 

Die Führung durch Wassenberg klang im Café "Zur Post", dem ehemaligen Hotel zur Post mit Pferdestation, aus. Bei Kaffee und Kuchen fand ein reger Austausch über die Arbeit in den Vereinen.

 
 

HVW - 18.07.2015 / 15.03.2016
Text: Hermann-Josef Heinen / Fotos: Hermann-Josef Heinen

 
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