"Tag der Archäologie 2014" des LVR in Titz-Höllen - Fotobericht von Hermann-Josef Heinen - Historischer Verein Wegberg

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Samstag, 30.08.2014 - Titz-Höllen
Tag der Archäologie 2014 des LVR


Zum 21. Mal fand am Samstag, den 30. August 2014, der „Tag der Archäologie“ in Titz-Höllen statt. Veranstaltet wurde der Tag von der Stiftung zur Förderung der Archäologie im rheinischen Braunkohlenrevier und dem Team der Außenstelle Titz des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland.

Hauptgebäude der LVR-Außenstelle
Ehrenstraße 14-16, 52445 Titz-Höllen

Wie in jedem Jahr wurden interessante Funde der Archäologie im rheinischen Braunkohlenrevier präsentiert und die Besucher hatten die Möglichkeit, kostenfrei an einer Busfahrt zu der ansonsten nicht zugänglichen Ausgrabung eines römischen Landgutes bei Borschemich teilzunehmen.

Ausgrabungstechniker Josef Franzen begrüßte die interessierten Besucher an seinem Info-Stand im Bereich der Grabungen bei Borschemich.

Die Mitglieder Hermann-Josef Heinen, Renate Bürger und Klaus Bürger des Historischen Vereins Wegberg nahmen diese Einladung gerne an. Hier ist ihr Bericht.

 
 


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Teil 1 - Die Ausgrabungsarbeiten in Borschemich

 
 

Aus Anlass des Römerjahres 2014 im Rheinland konnten in diesem Jahr erstmals die Ausgrabungsstelle einer "villa rustica", eines römischen Gutshofes, aus dem frühen ersten Jahrhundert besichtigt werden. Die Grabungsstelle befindet sich in der Nähe der Ortschaft Borschemich im Tagebau Garzweiler.

 
 

Bevor die Schaufelradbagger von RWE Power kommen, untersuchen die Archäologen des LVR die Tagebauflächen im Rheinischen Revier. So geschieht es seit Anfang 2013 auf dem Tagebauvorfeld bei Borschemich.

 
 

Dort stießen die Archäologen auf eine der größten römischen Villenanlagen im Rheinland. Das Villenareal umfasst eine Fläche von 230 m x 240 m. Im Zentrum stand einst das mit einer Länge von 50 m große Hauptwohnhaus mit Badeanlage.

 
 
 
 

Um dieses Zentrum gruppierten sich weitere Wirtschaftsgebäude. Die Archäologen fanden auch mehrere Gräber, vermutlich auch Überreste von Tempeln.

So könnte die villa rustica bei
Borschemich ausgesehen haben.

 
 

Bei den Ausgrabungen war die Freilegung einer kleinen Familiengrabstätte von besonderem Interesse. Sie bestand aus vier, teils reich ausgestatteten Brandgräbern des frühen zweiten Jahrhunderts, über denen hölzerne Grabbauten gestanden hatten.

Auf den ersten Blick sind es nur Löcher im Boden, an denen Nummern stecken. Es bedarf schon der Erklärung der Archäologen, um auf Grundlage der exakt angeordneten Löcher ein Gebäude vor dem inneren Auge entstehen zu lassen. Denn dass die leichten Verfärbungen in der Erde darauf schließen lassen, dass vor 2000 Jahren Holzstämme dort steckten und diese zu einem Haustempel gehörten, wird dem Laien auch auf den zweiten Blick nicht klar.

 
 

Fotos: Jürgen Vogel. LVR-LMB

Was die Villa Rustica bei Borschemich so interessant macht, ist ein außergewöhnlicher Reichtum an Grabbeigaben. Die drei Glasfläschchen wurden in den Frauengräbern gefunden. Die Fundstücke waren bereits als Fund des Monats April 2014 im Foyer des LVR-Landesmuseums Bonn zu sehen.

 
 

Herausragender Fund war eine etwa handtellergroße dünnwandige Schale, deren Außenseite von eingeschnittenem Dekor überzogen ist: An einem Rankengewächs mit verschiedenartigen Blättern und Früchten windet sich eine Schlange empor, die einzig erhaben gearbeitet ist. Es handelt sich um ein "Premiumprodukt" römischen Kunsthandwerks.

 
 

Das römische Gut war von größerer Bedeutung in der Region. Dies belegen bereits die jetzigen Funde. Die Forscher nehmen einen engen Bezug zur Provinzhauptstadt Köln an. Sie fanden Dachziegel mit einem seltenen Stempel, der ihnen im Rheinland - mit Ausnahme von Xanten - nur aus Köln bekannt ist.

 
 

Errichtet worden war der Gutshof im frühen ersten Jahrhundert hauptsächlich aus Holz und Lehm, spät in dem Jahrhundert erlebte er den Ausbau in Stein. Einen wirtschaftlichen Einschnitt nehmen die Archäologen für das dritte Jahrhundert an, der vielleicht von durchziehenden, plündernden Germanen verursacht wurde. Bewohnt blieb die Fläche aber bis in das späte vierte Jahrhundert.

 
 

Als im elften Jahrhundert für die ersten Gebäude des neu gegründeten Rodungsortes Otzenrath viele Steine als Baumaterial benötigte wurden, bediente man sich - auch zum Bau einer ersten kleinen romanischen Kirche - an den Ruinen und baute die Mauerreste der villa rustica systematisch ab. Geblieben sind aber die Reste der Fundamente.

 
 


Teil 2 - Präsentation der Forschungsergebnisse

Vor der Präsentation der Funde müssen sie von Restaurateuren wieder hergestellt werden. Ihre Arbeiten konnten in den Räumen der LVR-Außenstelle bestaunt werden.

 
 

Eine intensive Zusammenarbeit besteht dabei mit naturwissenschaftlichen Disziplinen, wie zum Beispiel Osteologen, die Knochenfunde zeigten. Forschungsprojekte der Stiftung Archäologie im rheinischen Braunkohlerevier wurden ebenfalls auf 2 Etagen vorgestellt. Dazu gehören die geomagnetische Prospektion (Universität zu Köln) und die Altersbestimmung durch Baumringkurven. Weitere Präsentationen zeigten aktuelle Promotions- und Magisterarbeiten der Universität Bonn , so z.B. "Inden-Pier: Studien zur Struktur und Funktion eines Dorfes im Hochmittelalter", "Die villa rustca von Neuotzenrath" und "Merowingerzeitliche Bestattungen in Inden-Pier".

 
 


Teil 3 - Das Rahmenprogramm auf dem Außengelände in Titz-Höllen

Auch das bunte Rahmenprogramm auf dem Freigelände der Außenstelle Titz-Höllen war in diesem Jahr besonders attraktiv. Großen und kleinen Hobby-Archäologen wurde es beim Tag der Archäologie nicht langweilig. Zum Schwerpunktthema Römerzeit fanden Vorführungen zum römischen Militär, zur Wachstafelherstellung sowie zur römischen Glasproduktion statt. Und auch das leibliche Wohl kam mit altertümlichen Speisen und Getränken der Klosterschänke nicht zu kurz. An zahlreichen Mitmachstationen konnten Kinder ihr Geschick ausprobieren. Wie die Menschen vor rund 2.500 Jahren im Rheinland gelebt haben, demonstrierten Freiwillige im eisenzeitlichen Dorf, das anhand von Originalbefunden im Tagebau Garzweiler angelegt wurde.

 
 
 
 

Auch Korbflechter, Töpfer und Schmiede zeigten ihre handwerklichen Fertigkeiten.

 
 
 
 
 
 

Historischer Verein Wegberg e.V. - 20.08.2014 - Letzte Änderung: 29.08.2017

 
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